Sunday, January 6, 2013

ULCER - Grant Us Death - Cd / Pulverised Records



Als im 3. Jahrhundert die Goten beschlossen, das restliche Europa von Norden her zu domestizieren, starteten sie mit ihrer Tour de Continentale ausgerechnet am polnischen Ostseestrand. Und ganz nach völkischem Gebot, hinterließen sie überall Spuren und kolportierten mit der einheimischen Bevölkerung, die da so in den Wäldern hockte. Das vergrößerte zum einen ihre Kampfkraft und sicherte zum anderen ihr Überleben. Auf diese Weise haben sie ihre Gene über Äonen an großartige Nachfahren weitergegeben, Karol Józef Wojtyła, Marcel Reich-Ranicki, Lukas Podolski. Alles hehre Streiter mit gotischem Erbe… und leidlicher Sprachbegabung, von peinlich bis situationskomisch. Aber in der neuen Heimat, in der die Nordmänner überall ihre Insignien hinterließen, breitete sich auch noch eine andere, weniger auffällige Gegenbewegung aus. Konterrevolutionäre Männer und Frauen, die Haare und Bärte (nur wenige Frauen), weiter lang trugen, manche mehr innerlich aber mit Überzeugung, mäanderten durch die masurischen Seengebiete und warteten auf die Initialzündung. Auf den einen Krach, der sie veranlassen würde, selbst welchen zu schlagen. Als dieser dann mit der, Achtung jetzt kommt was historisch bedeutsames, Death Metal Welle Ender der 80er aus Schweden ertönte, hatten die wohl gerade andere Sorgen. Mit Zeitverzögerung machten sich dann aber doch einige standhafte auf den Weg, ihren Ahnen zu huldigen. Bis ins heutige Zeitalter perlen immer wieder Bands wie Sektblubbern aus teerigen Höllenpfuhlen. Düster, morbid und mit dem Sound, der Leadgitarren auf effiziente Weise in einen Bass verwandelt. Schnipp Schnapp, hohen Töne ab. So ungefähr wie in der Humanmedizin, nur wandert dort die Tonlage umgekehrt proportional. Zu diesen Spätzündern und Nostalgiebeglückern gehören Ulcer, nicht zu verwechseln mit einem halben Dutzend gleichnamiger Combos, verteilt auf einem eierrunden Planetenwrack. Ulcer erfüllen alle Anforderungen, die an einen Schwedentod – Nachdreh gestellt werden. Nebulöses Totenackerfeeling, beängstigend krankes Verständnis für melodiöse Leichentuchharmonie, knarzige Instrumente, mehr braucht es nicht um festzustellen, dass alles drin ist, in der morschen Kiste und gut festgezurrt dazu. Ohne Frage liegt es auf der schwieligen Linken, dass Ulcer bei klarem Verstand und mit voller Absicht klauen, was die Werkstatt hergibt, manchmal derbe nah am Original. Machen andere ja auch ist also nicht weiter anstößig, nur können die Polen das besonders gut. Irgendjemand muss das Klischee ja füttern, und da es aus deutscher Sicht politisch unkorrekt ist, so was über den EU Partner zu behaupten,  machen die das eben selber und lachen über die künstlichen Probleme ihrer westlichen Nachbarn. Künstlich, ach ja. Das ist etwas das Ulcer sehr gut vermeiden. Das Album macht einen vertrauensvoll authentischen Eindruck, auch wenn es alles andere als autark ist. Wäre es das, würde es nicht existieren und schwebte als Bestandteil einer philosophischen Masse  im Zwischenlager für Paradoxien auf Beteigeuze. Ulcer, deren Mitglieder, Kampfgefährten und Saufkumpane noch in zahlreichen anderen Langmähnenpöbelvereinigungen lärmen bis der Katholik kotzt, sind sich bestimmt darüber im Klaren, wie nah sie ihren Vorvätern auf die Pelle rücken. Und wohl auch deswegen ist die Scheibe so überaus überzeugend, da sie erst gar nicht versuchen, irgendwas zu verschleiern. Mit diesem starken Selbstbewusstsein als wohlig, sprühfeuchten Wodkaschauer im Specknacken, steht „Grant Us Death“ ungehemmt und rotzfrech für Freude, Stunk, lustige Abende und blutige Schlägereien. Wer sich daran beteiligen mag, klaut sich so ein Teil und zeigt, dass wir Teutonen in nichts nachstehen!   
8/10

No comments:

Post a Comment