Thursday, January 10, 2013

VILE - Rare Tracks - Cd / Hammerheart Records



VILE gehören zur 2. Generation amerikanischer Death Metal Bands, bei denen man das Gefühl nicht loswird, die wären schon immer irgendwie da gewesen. In den Jahren ihrer Existenz haben sie es auf immerhin 4 Alben gebracht. Und da muss man sich fragen, wie so was überhaupt möglich war. Denn die Fluktuation der Besetzung übersteigt den Personalbedarf eines familiengeführten Drogeriemarktes in einem mitteldeutschen Ballungszentrum. Über 20 Schergen hat das Unternehmen VILE mit den Jahren verschlissen. Das reicht locker, um in einer Bananenrepublik eine kleine Guerilleroarmee aufzustellen, um die Obst und Wollpreise der einheimischen Bevölkerung gegenüber der herrschenden Militärjunta zu verteidigen.  Wie im Namen der dreifachen Höllenentität konnten so überhaupt echte und vor allem meist ganz stramme Alben entstehen. Wahrscheinlich hat das einzig verbliebene Originalmitglied Collin Davis Mitte der Neunziger zur Geisterstunde auf einer einsamen Kreuzung gehockt und seine Seele an den Teufel verpfändet. Im Gegenzug hat er dafür ein lebenslanges Recht auf musikalisches Talent erworben. Mit „Rare Tracks“ erscheinen nun ein paar Stücke, die meist nicht wirklich selten sind. Sie stammen vorrangig von den ersten beiden Demos, die fast komplett auf der 99er Debütscheibe „Stench Of Deceased“ wieder auftauchten. Also richtet sich ganz im Gegensatz zu der Behauptung, die der Compilationname suggeriert, das spitze Ende des Stockes bereits ein 3. Mal auf seine Beute. Nun, wen´s nicht stört. VILE funktionierten damals so beeindruckend gratlos, weil sie wussten wie brutaler Death Metal zu klingen hat, weil sie wussten, wie perfide Technik und der röhrende Knüppel zusammen passen, um mehr als nur passabel zu funktionieren. Das ist ihnen heute etwas abspenstig, zumindest war das letzte Album etwas bockig und skurrilerweise mit Black Metal am kopulieren. Der Golfstrom verändert das Klima, oder selbiges ihn, jedenfalls scheinen bei den Kaliforniern einige unterkühlte Winde aus dem Norden Stimmung zu machen. Daran erinnert uns das olle Teil mit frisch gemangelter Klangspur überhaupt nicht, das ließ nicht im Ansatz erahnen, was denn einst kommen sollte. Zusätzlich enthält die Cd einige Liveaufnahmen mit einem Sound, der ganz ok zu sein scheint. Der Liveset enthält auch ein At The Gates Cover, „Cold“, das von einer amerikanischen Prügel und Frickelcombo wohl nicht zu erwarten wäre. Die Version, die sie sich daraus basteln, transformiert schwedische Schwermütigkeit allerdings ansatzlos in US – Geschmetter. Also alles bleibt immer gut! Unterm Strich darf sinniert werden, ob ein Re - Release der ersten Scheibe nicht sinnvoller gewesen wäre, und man auf die zusätzlichen Nummern hätte verzichten können. Über die Qualität einer Band, die trotz ihres instabilen Besetzungsvehikels mehr auf die Beine gestellt hat, als eingerissen, sagt das natürlich gar nichts. VILE gehören gefühlsmäßig immer zu den Großen, die Cannibal Corpse wie auch Suffocation zu ihren Grundsteinlegern zählen müssen, aber selbst stets zu kreativ waren, um als bloße Schablonen in der kalifornischen Sonne zu vertrocknen. Und den alten Kram zu hören, macht schon Spaß, selbst wenn sich darunter keine Klassiker befinden. Wohl auch, weil die Songs noch auf einem gut nachvollziehbaren Pfad durch dichter werdenden Metaldschungel führen, auf dem sich die Band in der Neuzeit etwas verlaufen zu haben scheint. Ergo liegt es am Konsumenten, ob er sich dafür oder dagegen entscheidet, die alten Stücke auf einer neuen Scheibe zu kaufen, weil er weiß, dass Elbhochwasser und Autopannen seltener sind, als die Nummern auf „Rare Tracks“. Immer im Verhältnis zum Einzelnen gesehen, versteht sich.

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