Tuesday, January 29, 2013

VORUM - Poisoned Void - Cd / Dark Descent Records



In einem Loch auf finnischem Eiland, mitten in der Baltischen See hockt das Grauen. Eingegraben und vom Sonnenlicht abgeschirmt, nährt es sich von Gewürm und schleimigem Gezücht. Es wacht argwöhnisch  über den Eingang zur Anderwelt, der dort den Norden unseres Kontinents mit der verderbten Welt der Altvorderen verbindet. Giftiger Wasen steigt durch enge Schlote an die Oberfläche und das 4 köpfige Biest wittert geifernd und grollend den Morgen, nimmt noch mal einen Atemzug und erhebt sich. Zeit die Grube zu verlassen, Zeit sich Patronengurte um die kachektische Hüfte zu schnallen und eine Steckdose zu suchen, um den Verstärker anzuklemmen. Lange genug hat es still vor sich hin gebrütet, jetzt will es seinen Weltenzorn hinaus in den Äther brüllen. Laut und ungestüm, mit kryptischer Botschaft und harten, tödlich schwarzen Rhythmen. Am Rande seiner noch jungen Existenz, getrennt vom sonstigen Übel des Lebens, der Profanität und den überflüssigen Irrungen und Wirrungen, hat es nur eine rudimentäre Ahnung von Bands wie Demigod und anderen, dem Dämon Death Metal verfallenen Adepten. Aber mit dem was es in der Finsternis aufgeschnappt hat, verschafft es sich nun Raum, lässt die Instrumente stromverstärkt durch Hamsterreaktor sägen, bis der letzte Baum die Insel verlassen hat, und blutig im Fleisch der Heimat bohren. Düster melodiös, episch und kettenrasselnd übellaunig, so reckt es seinen hässlichen Kadaver in den lichtgrauen Himmel. Tod bei Sonnenaufgang, keift und fleht es, rasend und rücksichtslos poltert es, schleppend weint es und Angst verbreitet es. 4 Köpfe, 4 Leiber, geschaffen aus einem Sud, glühend wie geschmolzener Stein, schwarz wie das Rektum einer dem Herren der Fliegen geopferten Ziege, schreiten sie wie Einer über den Boden, der unter seinen Schritten verdorrt. Der von staubigen und gehetzten Riffs malträtiert wird und von zahlreichen fliegenden Solist wie ein Rouladennetz zusammen gehalten wird. In variablem Verständnis für anzuwendende Geschwindigkeit rauscht ein Album übers Meer, das letztendlich in der verderbten neuen Welt seine Jünger findet. Zumindest pressen die dort die Ideen der Finnen auf runden, glänzenden Kunststoff und nennen es die Erde verschluckenden Death / Doom. Passt ganz gut, denkt sich das Grauen und macht weiter mit dem Entleiben, prügelt sich brutal über den Planeten und vergisst dabei fast, doomig zu sein. Aber die angestrebte Atmosphäre aus Hoffnungslosigkeit und morbiden Grabgesängen holt den Verlust immer wieder ein. Getreu ihrer territorial nahen Vorbilder sind ihre Ergüsse in erster Linie Death Metal, aber auch andere Extreme sind nicht weit entfernt und werden zur Aufstockung der eigenen Rüstkammer gern heran gezogen. Alles ist möglich, Hauptsache irgendwie gruselig und scheppernd, stimmig und mit dem Charme einer Abrissbirne, die einen morgens anstatt des feuchten Kusses der angebeteten Liebreizenden weckt. VORUM machen alles richtig, weil sie aufgepasst haben, oder weil sie es einfach drauf haben. Klar ist, dass euch ein Album entgegeneilt, das seiner Schattenpräsenz schnell überdrüssig sein wird, und mit Referenzen wie Adramelech oder eben Demigod nicht an der Leine zu halten ist. Aggressiv und wütend und mit massiv Blei in den verstopften Venen winden sich 8 antik erscheinende, aber frischblutige Stücke aus der baltischen Wasserödnis. Den 4 Knaben, dem verwachsenen Laib der Bestie entschlüpft, gelingt ein Werk, das den Vorfahren genauso gerecht wird, wie den nostalgischen Retroansprüchen der Moderne. Kaufen lohnt! 
8/10

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