Wednesday, February 27, 2013

ICONS OF BRUTALITY - Between Glory And Despair - Cd / Cyclone Empire



Schwedischer Stahl aus niederländischer Verhüttung, ja klar warum nicht. Sehen wir mal, ob die Eisernen Kreuze dort den Boden ebenso zahlreich mit Heldenblut tränken. Ob die martialische Verklärung alter Heldensagen und kriegerischer Mythen auf gleiche Weise erfolgreich sind, wie es schon und immer bei den Szeneikonen gewesen ist. Was sofort auffällt ist, dass ICONS OF BRUTALITY, deren Name eher transatlantische Blutbäder vermuten ließe, sehr getreu an einem Sound arbeiten, der dem Death Metal der nordöstlichen Europäer beabsichtigt nahe kommt. Dismember rutscht da vielleicht als naheliegender Einflussgeber heraus. Im Grunde jedoch alles, was zwischen der Ostsee und dem Nordkap liegt, Hauptsache es bollert und groovt, biedert sich gewollt angestaubt an die nichtsahnenden Hörer an. Wen wundert’s, hat sich die Band allem Anschein und zum eigenen Spaß als Coverband verdingt und ihre Lieblinge von Entombed bis Grave ausgeweidet. Mit so einem Eintrag in der Vita bleibt wahrscheinlich gar nichts anderes übrig, als irgendwann mal Stücke nach eben jenem Strickmuster zu schneidern. Dann aber nehmen sie sich mit der melodischen Ausrichtung etwas mehr zurück, wollen scheinbar auch nicht ganz so morbide wirken, wie die Altvorderen aus den ganz frühen 90ern. Nicht dass Melodie keine Rolle spielen würde, auf der basieren die Stücke in gewisser Weise fundamental, und das ist sogar unüberhörbar, aber nicht so offensichtlich wie beim immer lustig durstigen Kärki und Co. Also, wenn dann eher funktional denn vordergründig, und der alles niederdreschenden Fußmaschine und sonstigem Wirbelwinddrums untergeordnet. Die Gitarren sägen schnoddrig und immer auf einer gesunden nicht zu tiefgestimmten Basslinie und auch sonst hinterlässt der Tulpenstaatfünfer einen durchaus authentischen Eindruck, produziert ein Album ohne selbstgefällige Höhenflüge, dafür mit sehr viel Gespür für funktionierenden Elchtod. Die Leadgitarre lässt den Magensäurespiegel etwas ansteigen, klingt sie bei ihren Solis, warum auch immer, häufig zu hohl und irgendwie nach einem im Baggersee versenkten Piano. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig, der Rest ist souveränes Bangerfutter mit Tendenz zu straffem Tempo und kompromissloser Geradlinigkeit. Am System „schwedischer Bleihagel“ werkeln sie nicht die Bohne, das muss auch für die Herren vom platten Land der Heilige Gral sein. Eine Tatsache, die der eigenen Kreativität durchaus an die Eier gehen könnt. Kastration durch Tunnelblick. Aber soweit muss sich noch niemand aus dem Fenster lehnen. ICONS OF BRUTALITY präsentieren ein mehr als durchschnittlich gutes und sehr straff produziertes Album, das von seinem Hang zu dröhnenden Sounds und hämmernden Bässen ganz gut leben kann. Auch wirkt es sehr locker vorgetragen, ohne Druck und mit viel Erfahrung in den Ikeaschrank von Frau Antje gestopft und zur rechten Zeit wieder entlassen. Und umso öfter „Between Glory And Despair“ an den Gittern des eigenen Käfigs rüttelt, umso wohlgefälliger gestaltet sich die Musik. Nach der 10. Runde oder so, komme ich zu dem Schluss, ein ausgewogenes und ehrliches Album gefunden zu haben, dass sich beinahe jeder in das Regal tackern kann, der nicht gleich Nektar und Ambrosia braucht, um die Füße aus den Federn zu bekommen. Ob es bei der Schwemme an hochkarätigen Rückbesinnungskollegen eine Chance für das Quintett geben wird, steht in den Sternen über dem holländischen Brachland und mit Cyclon Empire als Rückendeckung sollte zumindest im europäischen Mekka des Metal  der Bekanntheitsgrad der Akteure gesteigert werden. Der Zug rollt noch, deshalb fix mit aufgesprungen! 
7/10

Tuesday, February 26, 2013

FAXE – GRÜNT GRÜNT - Split 7 - Douchebag Records



Wir sind Franzosen, darum müffeln wir! So was zeugt ja nicht gerade von einem großen Ego, ist aber Originalaussage von FAXE, den Crustpunks, die auf Grindcore und Metal stehen. 6 Typen, die ihr Werkzeug fordern, gern rumpöbeln und einen kippen, 6 Typen die aus 3 Akkorden genau das machen, was von Crust und Gesocks erwartet wird. Und auch das was eben nicht immer gleich auf der Agenda stehen muss. Schnelles Gebretter mit zweiter Brennstufe, das geht klar und voll auf´s Konto ausgeprägter Erwartungshaltung, aber auch ein massiver Bremsanker und echte Gitarrensolis spielen mit im chaotischen Reigen. FAXE lieben hässliche Tattoos von fickenden Tieren und explizite Troma Filme, sie bringen die philosophische Debatte über Transformers ins Rollen und stehen auf Black Metal und Manowar. Sie bestreiten ihre Musik mit 2 hauptamtlichen Sängern und laden alle anderen dazu ein, ihren Senf gleich mit auszukotzen. Ach ja, kotzen und andere stören, darauf stehen sie auch. Ansonsten rockt die Bude ganz amtlich und Faxe müssen sich nicht vorwerfen, irgendwas vergessen zu haben. Bier ist ihr Lebenssaft und der traditionelle Rote erscheint nicht mal als Schweif an der Peripherie. FAXE bedeutet ein erhöhtes Maß an ungebremstem Spaß mit guten musikalischen Anlagen und unüberhörbaren Einflüssen aus anderen Genres. Womit dem Former sei Dank, nicht Black Metal und Manowar gemeint sind. Deshalb ist das was sich als Selbstironie immer gut in der Vita macht, der rote Faden der Band. Fragt sich abschließend nur, ob sie sich nach dänischem Lagerbier benannt haben, oder nach einem Comicwikinger. Und natürlich wie viele Tantiemen es für überhaupt nicht versteckte Schleichwerbung gibt.

Und dann haben wir da noch die Kumpels und Landsmänner GRUNT GRUNT, oder weil Punkte seit Lemmy rockendes Bekenntnis zu Lärm und Alkohol sind GRÜNT GRÜNT. Sie selbst sind felsenfest davon überzeugt unheileigen Grind´n Roll zu verbreiten. Für mich ist das grenzwertig zu masochistisch veranlagtem Noisecore. Fest steht, es gibt wesentlich mehr Krawall als Groove. Rocken tut nicht viel, aber der Kopf schmerzt, die Ohren klingeln und die Augen brennen. GRÜNT GRÜNT besitzen einen nicht gerade gut strukturierten Unterhaltungswert und ihre Songs haben was von Sekundenschlaf auf der Autobahn. Noch bevor der Kopf für einen nicht messbaren Moment auf das Lenkrad titscht, ist ein Lied vorüber. Es bleibt also gar keine Zeit, an den Stücken ausgewogen zu feilen, lieber wird spontaner Gedankenbrei auf die Bretter gerotzt und der Aufprall mit einem Mikro festgehalten. Nach dem Motto, fertig und jetzt den nächsten. Wer will, dem macht das auch Spaß, kommt man doch wenigstens nicht in die Verlegenheit, auf eine Ballade zu treffen und nicht zu wissen, wie man sich verhalten soll. 3 technikfreie Lärmpuristen und Grabenkrieger gegen Harmonie und Konventionen kämpfen ihren eigenen Kampf mit den unlauteren Mitteln reinsten Krawalls.

Eine solche 7er kann sich jeder Crustpunk ohne das Keimen von Zweifeln an die Nietenweste nageln, als Untersetzer für warmes Sternburger verwenden, den Hund draufscheißen lassen, auf dem Scherbelberg Frisbee spielen oder Staatsbeamten an die Köppe schleudern. Vorher aber lieber auf einem geklauten Plattenspieler anhören, um in die richtige Stimmung zu kommen! 
7/10

Thursday, February 21, 2013

PATHOGEN - Miscreants Of Bloodlusting Abberations - Dunkelheit Produktionen



Verfluchte  kleine Grapschfinger, Kunstkleptomanen, philippinische Diebesbande. Die haben ihre Ideenklaupipeline unter dem Pazifik ausgelegt und ziehen sich da hindurch liegengelassene Abfallprodukte von Kerry King und Kumpels, nennen das dann sogar noch Death Metal. Als ob der restliche Planet auf dem Schlauch steht und die Inselrabauken die Größten wären. Das Album hat wohl schon fast 3 Jahre auf dem Schirm und wird nun in good old Metal Mekka neu angepriesen. Es dürfte Slayer Fans tatsächlich gefallen, auch wenn das Original unerreichbar weit entfernt bleiben muss. Schon der Sound klingt nach Brechstangenarbeit und polterte mehr, als dass er standesgemäß in die Knochen geht. Ungeachtet dessen ist jedes Riff auf der Leadgitarre den berüchtigtsten Helden des Thrash Metal entliehen. Gesang wie Drums halten da leider nicht mit, tatsächlich ist das Gehämmer auf den Töpfen und Pfannen zum einen schlecht produziert und zum anderen inspirationslos langweilig. Das einzige was an Death oder eher Black Metal erinnert, ist die Stimme von Willi Desamero, Kopf und Motor der Band. Der quält und quetsch sich sein Organ blutig, reichlich variationsarm, aber ziemlich weit von dem entfernt, was Thrash Fronter sonst so produzieren. Hier drückt eine Seite durch, die wohl noch auf die Anfangstage, die Demoepoche hinweist. Da gab es gerüchteweise viel Hellhammer zu bewundern, und wer genau hinhört, findet das indirekt auch noch wieder. Einziges offensichtliches Erbstück sind ohne Zweifel die Vocals. Aber mit seinem 6 Saitengerät geht er recht geschickt um, lässt sein gequältes Geröchel nicht auf die viel zu bekannten Riffapplikationen tropfen oder sich die Solis davon schwarz färben. Die im Slayertempo runterfiedeln will nicht so wirklich gelingen, der Tanz auf den hohen Saiten ist trotz dessen perfide durchdacht und reichlich vorhanden und folgt dem klassischen Muster. Man kommt nicht umhin zu bemerken, dass den Philippinos bei weitem nicht so viel Mittel zur Verfügung stehen, wie den großen Vorreitern vom imperialistischen Mutterschiff. Mit dem offenbar beschränkten Börsenkapazitäten in punkto Spielgeld und Technik (reine Vermutung) haben sie aber das Maximale an machbarem geerntet. Dass sie viel lieber Thrasher als alles andere sind, zeigt sich noch an anderer Stelle. Sie covern ganz passabel „Afterlife“ von den Kanadiern Sacrifice und stellen damit endgültig klar, welchen Berg sie unter allen Umständen zu erklimmen gedenken. Somit flutscht ein Stück nach dem anderen durch wie in Butter eingelegte Reißzwecken. PATHOGEN stemmen sich halbherzig gegen Plagiatsvorwürfe und vergessen beinahe, dass sie eben keine Coverband sind und zuerst die eigene Flagge hissen sollten. In technischer Hinsicht sind sie nun nach 10 Jahren Bandgeschichte (über den Daumen) und diversen Releases leider immer noch nicht so weit, um oben mitschwimmen zu können. Das ist sicher auch ein ungerechter territorialer Nachteil, aber ins Taschentuch flennen hilft da auch nicht. Das war zumindest der Stand 2010, letztes Jahr kam bereits das Nachfolgealbum, das mir bis dato nicht bekannt ist, und auf dem die Karten neu gemischt sein könnten. Wenn denn jemand ein sonnenbestrahlter Positivaktivist ist. PATHOGEN stehen für rumpligen und knarzigen 80er Thrash mit der Absicht, deutlich zu große Schuhe tragen zu müssen, aber irgendwie auch mit der richtigen Einstellung, ihre Nummer stur durchzuboxen. Könnte in kleinem Rahmen funktionieren. 
6/10

Sunday, February 17, 2013

OKULAR – Sexforce - Cd



Wenn die nächste Generation dereinst auf ihrem Altenteil sitzt, es sich mit arthritischen Gelenken und runzligem Antlitz vor dem Kamin gemütlich gemacht hat, einen 12 Jahre alten Chardonnay in den zitternden Händen, dann werden sie verklärt zurück blicken. Zurück in eine Zeit, in der in jugendlichem Ungestüm kein Platz für keimende Erkenntnis war, als Weisheit lediglich dazu diente, beim Brote schmieren nicht die Tischkante zu zersägen. Und an die Zeit, als ihre Eltern mit eingeebneten, fest ins Gefüge des Geschmacks erodierten Einstellungen Unverständnis gegenüber mutigen Künstlern propagierten, die auf gewisse Weise Neuland betraten. Dann wird das Feuer knistern, und der Schein der Flammen spiegelt sich im satten Rot des Weines. Eine Träne verlässt zögernd ein trübes Auge und sucht ihren Weg durch die Gesichtskrater eines langen Lebens. Und einzig deswegen, weil das eine noch funktionierende Ohr „Sexforce“ von OKULAR aus Norwegen hört und schätzt. Was es damals nicht getan hat, weil es mit der offensiven Mischung aus Prog – Metal, Death und Black sowie mannigfaltiger klassischer Beeinflussung kaum mithalten konnte. In einer noch im Nebel verborgenen Zukunft wird sich das ändern, dann wird der sieche Körper wissen, dass er der richtigen Musik zur falschen Zeit gelauscht hat, dann wird er nostalgisch nach den eingestaubten Cd´s suchen, sich verträumt an die kleinen Dinger erinnern, wie einst der Urgroßvater an das Schellack. Dann tönen Melodien und Riffs durch das leere Anwesen, lassen Spinnen aufgeregt in ihren Netzen vibrieren und winzige Mäuschen neugierig aus ihren Löchern blinzeln. Eine gute Stunde anspruchsvolle Unterhaltung mit variablem Musizieren, mit trockenem, knackigem Frontalgebretter, mit schwülstigen Melonummern, mit Melodien und vornehmer Zurückhaltung, mit rasender Wut und omnipotenter Präsenz. Die bunten Breitbandvokalanlagen werden nicht geschont, Growls, Screams und herzverwässernde Gesänge sowie heldenhafte Choräle begleiten, melodisch, altmodisch und modern aggressiven Black Metal, vom Wahnsinn angespornten Death Metal und progressives Musizieren. Sie arrangieren sich mit Solis und Breaks, gezieltem Gas geben inklusive Bremsen vernachlässigen und traurigen Depressiv - Phasen. Zusätzlich und konstant wiederkehrend wollen Okular auch  nicht auf klassische Klavierstücke und klassische Gitarren verzichten, sperren quasi ein Kammerorchester in ihren metallischen Käfig. Das Album bietet zu viel, um es beim ersten mal zu überblicken und einfach auf den Latz ballern, das will es auf gar keinen Fall. Aber auch nicht populistisch einen auf gut vermarktbar machen. OKULAR legen sich nur auf eines fest, auf das Talent ihres kreativen Kopfes Andreas Aubert und den freien Fall in seine Kompositionen, dem blinden Vertrauen in sein Gespür.  Er will wohl nicht als der brutalste oder schwärzeste Norweger in die Geschichte eingehen, sicher auch  nichts revolutionieren, lediglich seinen blutigen Kreativfluss mit der alles andere als dafür bereiten Metalsippe teilen. „Sexforce“ ist unglaublich vielschichtig und garantiert nicht so leicht runter zu würgen, es ist anspruchsvoll, weil es so viele unterschiedliche Komponenten aus diversen Stilrichtungen mehr als nur geschickt verknüpft. Genau genommen steht die Scheibe für sich, Metalmorphing sozusagen. „Sexforce“ ist kein pures Nackenfutter, auch kein wehmütiges Rumheulen für Freunde des misslungenen Suizids, nichts für Puristen der Bleivertonung, auch nichts für sich in dunklen Wäldern verlaufenden Satanisten. Das Album ist open minded und verlangt das auch von seinen Hörern, und wer das kann bekommt ein fulminantes Werk nach Hause geliefert. Das Klientel dafür wird wohl überschaubar bleiben. Aber die Zeit der Besinnung kommt, wenn dann der ergraute Herr mit schütterem Haar in seinem Ohrensessel träumt. Schön war es damals, und welch großartige Werke haben sie hinterlassen, Kulturgut sind sie heute. Traurig, dass der Künstler damals unbekannt und verarmt gestorben ist.   https://www.facebook.com/okularmetal   
9/10

Friday, February 15, 2013

SAD EYES - 9H0B1A - Cd / Razed Soul



Wieder ein Soloeinlauf eines Verfemten, und dann noch mit so einem Namen. Und der Titel erst, kryptisch wie getrocknete Brotkrumen. Buschstaben mit Zahlen kombinieren, den Taschenrechner mit dem Duden in Stücke zimmern, als ob es ein ewiges Mysterium bleiben würde, was dort geschrieben steht. Da kommt doch schon zum Frühstück Melancholie in Tropfenform auf den Toast, und Tränensäcke werden platzen wie überreifes Obst. Schön, wenn Vorurteile funktionieren, muss sich niemand rechtfertigen außer dem Opfer. Noch schöner, wenn sie sich nicht bestätigen. Und im Grunde genommen ist SAD EYES auch kein wirklicher Alleingang. Allerhöchstens in kompositorischer Hinsicht, aber auch über diese Brücke will ich nicht ohne Sicherungsgurt gehen. Tatsächlich hat sich der Schöpfer des Death/ Black / Progressive/ Thrash und Melodic – Metal Konglomerates einen stattlichen Haufen Gäste in die Dschunke geladen, und nun schippern sie alle gemeinsam um die Kanaren, oder Balearen, was so ein Spanier in seiner Freizeit mit Kumpels halt macht. Ach ja Spanien, da kommt er her, und von dort sind auch all seine Freizeitmusiker. 2 Sänger hat er im Ausguck, die lauthals über den stürmischen Ozean brüllen und keifen, nach blasenden Walen suchen, Schatzinseln erspähen oder in die Gischt pissen, irgend so was. Aber wie sie das machen, so im Duett, das ist schon kernig. Im Bauch des Kahns sitzt ein Bassist, der dafür zu sorgen hat, dass auch bei Tiefgang alles rund läuft, er bleibt nahezu unsichtbar. Im Maschinenraum und am Steuer steht der Meister freilich selbst, hat er die Route doch allein fest gelegt und darf nun auch bestimmen, wo es lang geht. Und das ist eben recht abwechslungsreicher Extrem – Metal, der sich  nicht unbedingt auf ein Genre festnageln lässt. Das Gros der Gitarrenarbeit und die Drums gehören also dem Konstrukteur. Ergebnis dessen ist eine überraschend musikalische Bandbreit, die sich nicht um Grenzen kümmert und von aggressiv bis hin zu melodisch reicht, vorausgesetzt, das Tempo bleibt hoch. Mit zackiger Geschwindigkeit schneidet das Gefährt einen Brecher nach dem anderen, fährt seine ganz individuelle Linie und ist durch seine zugegebenermaßen eigenwillige Verknüpfung interner Vorlieben nicht für jeden Passagier mit latenter Anfälligkeit für Seekrankheit geeignet. Der Clou an der Geschichte ist jedoch die Crew, die das Deck schrubbt, in den Wanten hangelt und dabei immer unter Beweis stellen darf, was sie in ihren regulären Bands gelernt haben. Nämlich Gitarren zerpflücken. Mehr als ein Dutzend Freundschaftsdienste durfte der Kapitän einfordern, und dann zaubern, jonglieren und fiedeln sie ihre Gitarrensolis in solch stilistischem Variationsslalom, dass genau das die Wolken vor der Sonne vertreibt. Und ob der Herr der traurigen Augen dies alle so starr vorgegeben hat, will ich eben nicht so recht glauben. Fest steht, dass die Scheibe ohne die vielen Lichter im Mast wohl die Orientierung im weiten Meer verloren hätte, zumindest Gefahr gelaufen wäre dies zu tun. Erst jetzt erhalten die Songs Drive, denkt man sich die Einlagen raus, oder hätte Santi Gzlez (so heißt er übrigens) das alles selber zocken sollen, ich weiß nicht, ob dann dieser entspannte Eindruck entstanden wäre, den das Album in dieser Version versprüht. Damit will ich die Musikalität des Herren in keinster Weise in Frage stellen, soviel ist auch klar. Dem Skipper ist ein umspannendes Werk gelungen, dass sich vornehmlich auf einen Stilmix aus Melodie und Härte fokussiert, sich nicht wirklich irgendeiner Tendenz anpasst und vielleicht etwas brutaler hätte sein können. Da hier aber so viele Leute mit eingespannt sind, und jeder, egal wie viel er zu sagen und beizutragen hat, seinen Senf in irgendeiner Weise in den Topf kotzt, ist das schon ziemlich cool geworden. SAD EYES könnte all jenen zu passe kommen, die es mögen, dass jemand aus den härtesten Stilen des Metal ein selbstgestaltetes Potpourri in die Moderne führt. http://www.deathmetal.biz/sadeyes/portada2.html 
7/10