Wednesday, February 13, 2013

ANATOMIA - Dead Bodies In The Morgue - Cd / Memento Mori



Schönes Gefühl, wenn der Schmerz nachlässt. So geschehen als mein rechter Zeigefinger letztes Wochenende erfolglos gegen die Kompression einer geschlossenen Autotür aufbegehrte. Und so geschehen, als dieses japanische Demogemetzel seine tonalen Begräbnisfantasien in den Sonnenuntergang geschickt hat. Der Unterschied liegt darin, dass ich meine eigene Anatomie nie freiwillig in die Tür gehalten hätte, somit ist Schmerz wohl auch nicht gleich Schmerz, wenn die ursächlichen Beweggründe so verschieden sind. Denn Anatomia habe ich mir aus freien Stücken in den Gehörgang gedrechselt. Pfff … es ist glaube ich nicht immer hilfreich, jede Leiche aus dem Schatten zu zerren, jeden rotten Kadaver auszubuddeln. Manch gammlige Frühgeburt ist nicht umsonst hinter dem Schleier der Demenz gestorben. Nicht jedes Gewölle gehört wieder hervor gewürgt und der Öffentlichkeit vor die Füße gekotzt. Und im Falle Anatomia besteht diese nihilistische Untat aus 2 Demos, Livemitschnitten und Proberaumaufnahmen. Darunter 2 Coverversionen von Autopsy. Tendenziell mit absteigender Soundverträglichkeit, immer dumpferem Schädelbrummen und grummelnden Geräuschen aus einer Winterschlafhöhle voller fettgefressener und bösartiger, verlauster Bären. Das Geboller wurde mit einem klapprigen Kasirekordi aus einer Billigmanufaktur auf Wachs gezogen, wobei 2 der 4 Spuren mit den Fingernägeln in die Kellerwand geritzt wurden. Eine solch wilde Zusammenstellung technikfreier Beleidigungen gehört gefesselt und in eine bodenlose Grube geworfen. Damit meine ich nicht, dass die Musik ohne Technik auskommt, das ist schon klar und höchstens in anderem Sinne negativ belastet, aber bei den Aufnahmen hätte es schon mehr bedurft, als den Radau mit Meißeln in Stein zu kloppen. Über die künstlerische Komponente des Japanertrios lässt sich da leicht noch die Verschrobenheit und das kulturelle Andersticken als Ausrede vorschieben. Der hektische Ameisenhaufen am Rande der zivilisierten Welt kalbt schräge und perverse Stilblüten ohne sich um Konsequenzen kümmern zu müssen. Ist eben alles komisch knuddlig, bunt und lustig … irgendwie. Für die dort ist es gewiss viel mehr als nur legitim amerikanische Leichenfledderorgien mit doomiger Winterkälte und verschrobener Eigenwilligkeit zu verknüpfen, selbst wenn das Ergebnis trotz legendärer Vorlagen nahezu inhaltsleer ist. Im Reich der aufgehenden Sonne steht so etwas nicht im Fokus. Schlafmützigkeit, gekoppelt an alles übertönende Bässe und primitives Songwriting ist wahrscheinlich ein allgemein beliebtes musikalisches Freizeitvergnügen, dass schon in der Krabbelgruppe von irgendeinem alkoholkranken Shintopriester gelehrt wird.  Stumpf aber stetig grummelt sich der übersteuerte Orgasmus seinen Pfad durch den zotigen Busch der intellektuellen Freiheit, schließlich bleibt es jedem völlig unbenommen was er mit den Instrumenten anstellt, die er sich in schweißtreibender Heimarbeit zusammen gespaxt hat. Vielleicht wird der ausgeleierte Schlüpfergummi des adipösen Sumoringers auch mal kulturelles Erbe einer sonderbaren Nation. Aus arrogant, westlicher Sicht erkenne ich den Sinn hinter diesem Wiederaufleben längst zur Ruhe gebetteter Sündhaftigkeit allerdings nicht. Wer unbedingt laute und dröhnende Kakophonie in Zeitlupenästhetik braucht, der soll sich mal mit einem pappenden Zweizylinder einen kopfsteingepflasterten Berg hoch quälen, da keimt dasselbe Glücksgefühl. Wenn ich noch mal vor der Wahl stehe, halte lieber ich den anderen Finger hin! Aus Gründen der Völkerverständigung läuft der Schrott außer Konkurrenz und Punkte kann dann jeder nach Belieben kleben.

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