Friday, February 1, 2013

CORPUS MORTALE - FleshCraft - Cd / Deepsend Records



Dänischem Death Metal wird nachgesagt, dass er durch das Rektum in den Magen geht, dass er die Hintertür benutzen muss, um die Diele zu bohnern. Das allein beweist schon, dass die Dänen es mit den anatomischen Ängsten des homo erectus stupidous nicht so genau nehmen und unter Umständen latente Verwirrungszustände auftreten können. Besonders wenn eine Band richtig kloppt, die Hinterpforte mit gewaltigem, bohlensplitterndem Krachen zuschlägt und proportional zu ihrer Eigenmasse während des Marsches an Brutalität zunimmt. Das trifft ohne den Verdacht eines Zweifels auf das neue Album von CORPUS MORTALE zu. Hat lange gedauert, bis sie die richtige Pforte zum Eintreten gefunden haben, aber dafür kommen sie nun mit Macht und stahlbewährten Stiefelkappen zurück. Schwer beladen, dafür unglaublich behände hangeln sich die Herrschaften durch einen Parcours aus schwerem Rifffeuer, Mid – Tempo – Bolzen, depressiv gestimmtes Melodiegut und zerstörerischen Prügelorgien, angeführt von voluminösen Vocals. Coolness und Groove sind gleichbedeutend mit eingängigem Songwriting und künstlerischer Gewaltbereitschaft, die nur eine echte Death Metal Band aufbringen kann. Und dabei hatte ich so einen Paukenschlag gar nicht erwartet. Klar, CORPUS MORTALE bewegen sich schon lange durch die Szene, die immer wieder variierenden Mitmusiker haben alle weitreichende Erfahrungen in anderen Acts gemacht. Aber diese Intensität, die „Flesh Craft“ innehat, kam doch etwas überraschend. Vielleicht ist die Band so was wie ein Ausbildungscamp, das seine besten Kräfte nach Beendigung der Lehrzeit an lukrativere Einrichtungen verliert. Vielleicht besteht die Band auch nur aus dem Namen und der Inhalt wird mit allzu großer Regelmäßigkeit gesiebt und neu geordnet. Kann sein, dass das gar nicht im Einfluss der Musiker liegt, dass es eben einfach so ist, wie auch dass man bei Trauer oder schlechter Laune durch schlechte Musik Schwarz trägt, oder dass man Unterwäsche durch Negierung des Etiketts zweiseitig und über längeren Zeitraum tragen kann. Mit Martin Rosendahl jedenfalls steht der einzige Veteran in der Riege, der bis dato an die Band geglaubt hat und scheinbar auch viel Engagement reingesteckt hat. Aber auch er ist genau genommen kein Gründungsmitglied, wenn auch sehr zeitnah an der Grundsteinlegung. Davon lässt sich die aktuelle Besetzung offenbar nicht beeinflussen, haben sie doch das mit größter Wahrscheinlichkeit stärkste Album eingedroschen, das dem Camp jemals entwichen ist. Von Anfang bis Ende fegt der Geist eines immens straffen Songwritings durch den Corpus, bläst die Ecken staubfrei, kehrt Altlasten wie Müll zusammen und hinterlässt blitzblanke Brutalität mit allen Ingredienzien, die die Hausfrau des Todes benötigt, um die Bude sauber zu halten. Frühjahrsputz im Winter, mit Pauken und Trompeten drückte es den Schlaf aus geschwollenen Augen und den Schmalz aus tauben Ohren. 20 Jahre CORPUS MORTALE, das  lässt auf ein gewisses Maß an Abgebrühtheit schließen, bedingt durch die ständigen Frischzellenkuren und neuen Anreicherungen fällt aber kein antiker Schatten über Herren Rosendahl und seine Mitstreiter, die Musik hat die gleiche Energie wie am ersten Tag (vermutlich). Es hat sogar den Anschein, dass wer sich anno 2013 im Gravitationsfeld von „Flesh Craft“ befindet, unweigerlich in ein schwarzes Loch gezogen und der Faszination einer gitarrenverstärkten Urgewalt erliegt. So eine wuchtige Walze ist die beste Pille für die unterweltliche Einsegnung. Die Zeit ist reif für ein so ein mörderisches Album, an dem sich endlich normale Leute erfreuen können. 
8/10

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