Tuesday, February 5, 2013

DEFEATED SANITY - Passages Into Deformity - Cd / Willowtip Records / Hammerheart Records



Der Frosch und der Strohhalm. Wer eine erfüllte Kindheit hatte und keine Serienmörder geworden ist, erinnert sich sicher mit heimlichem Vergnügen an den quakenden Teich. Halm auf Amphibie zapfen und tief Luft holen. Kind hat laut lachend Spaß, Vater spielt den Entsetzten und muss vor der Mutter sein Grinsen verbergen (hat er dem Racker doch gezeigt, wie´s gemacht wird). Die wiederrum wendet sich angeekelt ab und schimpft ob der Sauerei und des armen, unschuldigen Wesens. Harmonische Sonntage mit der Familie am Dorfanger, was für wundervolle Zeiten! Und genau dahin bringen mich DEFEATED SANITY wieder. Na nicht zwingend auf sonntägliche Sippentraditionen, aber beim akustischen Orkan, der vom neuen Album bläst, fliegen mir im metaphorischen Sinne Blut und Innereien um die Ohren und das zeichnet verantwortlich für mörderisch gute Laune. Mit stumpfer Urgewalt und technischen Ausschmückungen überrollt das Werk wie der sprichwörtliche Bus unachtsame Passanten. Platsch, klebt die innere Anatomie eines Zebrastreifens auf dem Kühler und der Fuß friert auf dem Gaspedal ein, rote Ampeln schalten vor Panik selbststätig auf grün und Vorfahrtsschilder demontieren sich in Eigeninitiative. „Passages Into Deformity“ verfügt über eine beeindruckende Schubleistung, und dabei ist der Hack-,  und Grooveblast doch seit den texanischen Urvätern der Preis – Leistungsverhältnisses wohl bekannt. Aber wenn  der Bass swingt und die Gitarre ihr ok zum Knochen sägen gibt, das Schlagzeug mit definitiv erdiger Produktion Steaks mürbe klopfen kann und der Sänger auf Singen verzichtet, dafür mit maximalem Erfolg sein Imitationstalent für umgepolte Küchengeräte unter Beweis stellt, dann funktioniert das immer noch. Und Freunde von amerikanischem Kopp – Ab – Bleipumpen werden liebgewonnenes zu schätzen wissen und die Band weiterhin wegen ihrer kompromisslosen Mordabsichten verehren. Geschwindigkeit ist Programm, Growls tönen bis zur geschwollenen Halsschlagader und Stöcke fliegen den panisch schreienden Saiten hinterher. Doch jedes mal, kurz vor dem plötzlich und unerwarteten Herzversagen zeigt sich das Gespann einsichtig und schickt seine Gefolgschaft in den Kreistanz. Dann darf im Dreck gestampft werden, bis der Vordermann zu einem staubigen Schemen verkommt. Und gerade, wenn du dir die roten Augen reibst und der Typ endgültig zu verschwinden scheint, beginnt das Ganze von vorn, und du rennst dem Arsch in die Hacken, genauso wie der besoffene Depp hinter die Belastbarkeit deiner Achillessehne testet. Darüber wieder freut sich eine Bassgitarre, die verschmitzt bluesig und jazzig hinter dem Bühnenvorhang hervorschielt, weil sie, wenn sie ihr Tagwerk getan hat, auch mal eigenwillig sein darf. Viel Spielraum für progressives Gedankengut lässt sich die Band selbst freilich nicht. Vor allem zählt, so brutal und catchy den Bodycount zu erhöhen, wie nur möglich. Rücksichtslos und kritikresistent, professionell und engstirnig, angepisst und durstig! Mit solchen Attributen klappt es auf der internationalen Bühne der Gestörten, Degenerierten und unheilbar Bekloppten, und das trotz der Tatsache, dass eigentlich nur noch der Rumpf der eigentlichen Besetzung steht. Es scheint ausreichend, wenn einer die Fäden straff in der Hand hält und genug Puste hat, um auch die Frösche der Anderen in voluminöse Hautlappen mit oben aufsitzenden Kulleraugen zu transferieren. An „Passages Into Deformity“ gibt es nichts zu zweifeln, wenn man in dem Genre freiwillig fest steckt, da bekommt jeder was er will. Und in Bälde wird sich herausstellen, dass wir es hier mit einem der besten Szenealben des Jahres zu tun haben werden. 
8/10

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