Friday, February 15, 2013

SAD EYES - 9H0B1A - Cd / Razed Soul



Wieder ein Soloeinlauf eines Verfemten, und dann noch mit so einem Namen. Und der Titel erst, kryptisch wie getrocknete Brotkrumen. Buschstaben mit Zahlen kombinieren, den Taschenrechner mit dem Duden in Stücke zimmern, als ob es ein ewiges Mysterium bleiben würde, was dort geschrieben steht. Da kommt doch schon zum Frühstück Melancholie in Tropfenform auf den Toast, und Tränensäcke werden platzen wie überreifes Obst. Schön, wenn Vorurteile funktionieren, muss sich niemand rechtfertigen außer dem Opfer. Noch schöner, wenn sie sich nicht bestätigen. Und im Grunde genommen ist SAD EYES auch kein wirklicher Alleingang. Allerhöchstens in kompositorischer Hinsicht, aber auch über diese Brücke will ich nicht ohne Sicherungsgurt gehen. Tatsächlich hat sich der Schöpfer des Death/ Black / Progressive/ Thrash und Melodic – Metal Konglomerates einen stattlichen Haufen Gäste in die Dschunke geladen, und nun schippern sie alle gemeinsam um die Kanaren, oder Balearen, was so ein Spanier in seiner Freizeit mit Kumpels halt macht. Ach ja Spanien, da kommt er her, und von dort sind auch all seine Freizeitmusiker. 2 Sänger hat er im Ausguck, die lauthals über den stürmischen Ozean brüllen und keifen, nach blasenden Walen suchen, Schatzinseln erspähen oder in die Gischt pissen, irgend so was. Aber wie sie das machen, so im Duett, das ist schon kernig. Im Bauch des Kahns sitzt ein Bassist, der dafür zu sorgen hat, dass auch bei Tiefgang alles rund läuft, er bleibt nahezu unsichtbar. Im Maschinenraum und am Steuer steht der Meister freilich selbst, hat er die Route doch allein fest gelegt und darf nun auch bestimmen, wo es lang geht. Und das ist eben recht abwechslungsreicher Extrem – Metal, der sich  nicht unbedingt auf ein Genre festnageln lässt. Das Gros der Gitarrenarbeit und die Drums gehören also dem Konstrukteur. Ergebnis dessen ist eine überraschend musikalische Bandbreit, die sich nicht um Grenzen kümmert und von aggressiv bis hin zu melodisch reicht, vorausgesetzt, das Tempo bleibt hoch. Mit zackiger Geschwindigkeit schneidet das Gefährt einen Brecher nach dem anderen, fährt seine ganz individuelle Linie und ist durch seine zugegebenermaßen eigenwillige Verknüpfung interner Vorlieben nicht für jeden Passagier mit latenter Anfälligkeit für Seekrankheit geeignet. Der Clou an der Geschichte ist jedoch die Crew, die das Deck schrubbt, in den Wanten hangelt und dabei immer unter Beweis stellen darf, was sie in ihren regulären Bands gelernt haben. Nämlich Gitarren zerpflücken. Mehr als ein Dutzend Freundschaftsdienste durfte der Kapitän einfordern, und dann zaubern, jonglieren und fiedeln sie ihre Gitarrensolis in solch stilistischem Variationsslalom, dass genau das die Wolken vor der Sonne vertreibt. Und ob der Herr der traurigen Augen dies alle so starr vorgegeben hat, will ich eben nicht so recht glauben. Fest steht, dass die Scheibe ohne die vielen Lichter im Mast wohl die Orientierung im weiten Meer verloren hätte, zumindest Gefahr gelaufen wäre dies zu tun. Erst jetzt erhalten die Songs Drive, denkt man sich die Einlagen raus, oder hätte Santi Gzlez (so heißt er übrigens) das alles selber zocken sollen, ich weiß nicht, ob dann dieser entspannte Eindruck entstanden wäre, den das Album in dieser Version versprüht. Damit will ich die Musikalität des Herren in keinster Weise in Frage stellen, soviel ist auch klar. Dem Skipper ist ein umspannendes Werk gelungen, dass sich vornehmlich auf einen Stilmix aus Melodie und Härte fokussiert, sich nicht wirklich irgendeiner Tendenz anpasst und vielleicht etwas brutaler hätte sein können. Da hier aber so viele Leute mit eingespannt sind, und jeder, egal wie viel er zu sagen und beizutragen hat, seinen Senf in irgendeiner Weise in den Topf kotzt, ist das schon ziemlich cool geworden. SAD EYES könnte all jenen zu passe kommen, die es mögen, dass jemand aus den härtesten Stilen des Metal ein selbstgestaltetes Potpourri in die Moderne führt. http://www.deathmetal.biz/sadeyes/portada2.html 
7/10

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