Tuesday, February 12, 2013

SYMPTOM - Opulent Atrocity - Cd / Memento Mori



Die Winterdepression ist ein gar übler Geselle der mit Inbrunst die  menschlichen Psyche belagert, er schleicht sich, wenn Großmutter Sonne hinter grauen Wolken nach dem Frühling jagt, in unschuldige Gemüter und frisst sie nichtsahnend auf, verschlingt jedwede Hoffnung auf Weltfrieden, plötzlichen Reichtum, immerwährende Gesundheit oder ein auf den Punkt gekochtes Frühstücksei. Er ist der Feind von Weihnachten und Skiurlaub. Er ist für Socken, Schlipse und Küchengeräte in quietschbunten Verpackungen verantwortlich, die jegliche Erwartungshaltung mit Füßen tritt, und er ist es, der Beine und Arme auf überschneiten Pisten zerschellen lässt. Er ist es, der den Spruch „Ich hab´s dir doch gesagt!“ erfunden hat, der wiederum für mannigfaltige Familiendramen verantwortlich zeichnet. Seine größte Gemeinheit ist es aber, die suizidale Absichtserklärung in den Death Metal zu schmuggeln, in die Gemeinschaft eines bärbeißigen, laut tobenden, alkohol-,  und terrorsüchtigen Völkchens, dass sein Langkrautblatt gern selbst rollt und unzählige Gallonen an Bier und Schnaps vernichten kann, bevor die eigentliche Bestellung raus ist. Diese abgegrenzte Gemeinschaft, die selbstbekennend an Brutalität und Kompromisslosigkeit Spaß hat, die es gern immer ein bisschen härter hätte und bei jedem knochensplitternden Exzess Spaß mit der ganzen Familie genießt (alles im künstlerischen Sinne, selbstreden), wird seit Anbeginn unmerklich unterwandert. Unterwandert von Bösartigkeit, Düsternis, zäher Monotonie und Zorn. Begonnen hat alles mit Bands wie Immolation und Incantation, die die negativen Seiten menschlicher Existenz mit negativ gestimmter Musik belegten. Infolge eines seit Jahren stabilen Retrobewusstseins keimt nun ganze traditionsverpflichtet das Erbe der immer noch erfolgreich mäandernden Helden und lässt Düsterkönige aus eigener Kraft den Thron der metallischen Unterwelt anstreben. Funebarum, Dead Congregation, Decrepitaph und eben auch Symptom. Symptom ist ein Solounternehmen, das mit extrem stumpfer Klinge und einer Affinität zu Doom die Verzweiflung innerhalb der jahreszeitlich niedergeschlagenen Szene auszunutzen beabsichtigt. Mittels monogamer Traurigkeit, liiert einzig mit der Mutter des seelischen Absturzes, nutzt es die Abstinenz der metallischen Heerschaaren von ihren Sommer Open – Airs schamlos aus und malträtiert angeschlagene Recken mit schleppender Bleischwere und polternden Midtempokaskaden. Herausstechend ist die Eintönigkeit und damit einhergehende Ereignisarmut auf einer Stunde Kampf gegen das Leben und die Hoffnung auf Wetterbesserung. Es ist durchaus denkbar, dass dem Einzelkämpfer, der für all den Düstersud verantwortlich sein will, eine echte Band gut getan hätte, um den Horizont etwas weiter in die Ferne zu stecken. Wenigstens so weit, dass er nicht hinter der eigenen Haustür gleich darüber stolpert. Aber kann ich jemandem einen Vorwurf aus dem innersten Bestreben machen, seine vergiftete Gefühlswelt in instrumental verseuchte Bahnen zu lenken? Ist doch besser als in der Gegend rumzuballern, die Autobahn in verkehrswidriger Richtung zu nutzen, oder das verdammte Frühstücksei sturmwolkenblau zu kochen. Unter diesem Gesichtspunkt lässt sich die Absicht solcher Magengeschwür-,  und Kopfschmerzvertonung umzukehren und mit seiner rigorosen Marschrichtung und dem totalen Abhandensein von Fröhlichkeit doch noch Spaß zu haben. Gerade in den Fängen monotoner Gitarrenriffs und einem Songwriting von verschieden starker, schlammiger Konsistenz lassen sich reichlich Glasrundlinge entkorken. Auch wenn das seit Stunden rumorende Album noch nicht die Qualität aufweist, wie diverse der oben genannten Bands, so lässt es sich doch brauchbar überleben. Für Anhänger gezielter Selbstvernichtung sicher empfehlenswert, für Freunde technischer Tiefenschärfeschärfe und Farbvielfalt ganz gewiss nicht!  
6/10

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