Saturday, March 30, 2013

KILL WITH HATE - Voices Of Obliteration - Cd / PRC Music



KILL WITH HATE aus Ungarn eröffnen ihr Album, indem sie irgendeinen Benediktiner oder anderen Kuttenträger mit einem Didgeridoo fisten. Der scheint das gewöhnt, hält er seinen Choral doch in unverändert sonorer Stimmlage aufrecht. Dann meldet sich noch ein weiser Eingeborener mit dem „das haste nun davon“ Kommentar, und fertig ist das skurrile Intro mit der kryptischen Botschaft von Nächstenliebe und Mordlust. Was dann musikalisch durchs morastige Erdreich bricht, ist 90er Death Metal irgendwo am Patschehändchen von Cannibal Corpse, alten Decapitated, vielleicht auch noch Krisiun. Es ist die konzeptionelle Geschichte eines Serienmörders, der sich von Gott beauftragt sieht, die Erde von allen Sünden zu reinigen. Kranker Klischee – Blödsinn von der Stange, die Story von Arbeit bis unter die Decke und Burnout, aber wem es Spaß macht…? Und wie geht so ein Amoklauf von statten? Zumeist schnell und direkt, mit einigen Leads, die sich Bahn ins taube Ohr brechen, aber auch breitflächig mit Gewöhnlichem belastet. In technischer Hinsicht geben sich die Akteure recht bescheiden, wenigstens die Solis flitzen unbeschwert und zielsicher über Hals und Saiten. Heimlich und unerwartet blinkern einzelne, spärlich gesäte und gewollte Disharmonien durch, die das Potential der Band aufwerten. Auch latent jazzig geht (Doubt). Das aber wirklich nur am Rande und den Aufmerksamen vorbehalten. Einen balladesken Kurzausflug in einem etwas gestreckten Tempo - Mischmasch – Abschlusssong gibt es auch. Auf diese wundersame Weise gelingt es ihnen tatsächlich, alles was nach dem ersten Stück zu erwarten war, auch Wirklichkeit werden zu lassen. „Voices…“ ist also ein durchweg stabiles und souveränes, aber auch recht ereignisarmes Album mit wenigen bemerkenswerten Nuancen  von allzu routinierten Musikern. Die Produktion ist dick wie ein Beamtenarsch, am Schlagzeug hat das Studio vielleicht sogar herum gespielt. Ist nicht kritikwürdig, der Drummer hat den Dreh raus und frisst Zitteraale zum Frühstück. Sauberer Arbeiter, mit und ohne Tricks. Dass es manchmal kracht und launig bretzelt, dann aber auch wieder langweilt, das ist der wahre Angriffspunkt, dem sich die Band stellen muss. Die schaffen es leider nicht, ihren Stil straff durchzuziehen und flüchten sich allzu oft auf banalen und sicheren Boden. Das lässt etwas Knie zittern vor zu viel Risiko durchblicken, aber eigentlich sollten sie es besser wissen. Es geht doch sicher mehr als Riffs, zugegeben effektiv aber irgendwie auch oberflächlich, als Schubeinheit für ein Songkonstrukt zu nutzen. Innovativer und mutiger bringt auch mehr Sonne in den grauen Alltag. Trotzdem sind KILL WITH HATE keine schlechte Band, wer berechenbar und vertraut mag, auf brutales Handwerk steht, dem reicht das auch ohne große instrumentale Geistesblitze. Und wenn die Herren sich auf ihrem Terrain heimisch fühlen, dann klaut auch keiner bösartig die Einrichtung. Das mit der öffentlichen Aufmerksamkeit dürfte dann schon auf einem anderen Einkaufszettel stehen, denn in der Auslage gibt es zahlreiche vergleichbare Produkte, die häufig erfolgreicher beworben werden. Und dann gibt es da ja auch noch das Standortproblem. Um aus dieser schummrigen Ecke heraus zu treten, müssen noch einige Schaufeln Kohle in den Ofen gewanstet werden. Vielleicht sollten sie auch mal den Exorzisten fragen, der sich wahrscheinlich immer noch damit beschäftigt, die blöde Wüstentrompete aus dem Arsch zu popeln, denn der dürfte entsprechende Tipps haben, wie man Hass und Mord in künstlerisch verwertbare Bahnen leitet, und so viel Schmerz und Elend verteilt, dass doch mal ein paar Leute stehen bleiben, die nicht zum engsten Bekanntenkreis gehören. Wird schon werden. 
6/10

SPERM BLOOD SHIT - The Tourette's Syndrome - Cd / Coyote Records



Musik mit und über mehr oder weniger erotisierende Körperflüssigkeiten und / oder diverse Ausscheidungen zeugt von hohem inspiratorischem Anspruch und qualitativen Markenzeichen jenseits des 4 Sterne Niveaus. Ein Ode an das Ejakulat als Deodorant, Seth Putnam wird berechtigterweise wieder mal zum Opfer, Eier im Hals und haariger Primatensex, das sind nur einige Themen, die den 3 Musikern vom Stiefel auf der Seele brennen, Dinge die unbedingt mal angesprochen werden müssen. Unter Zuhilfenahme der Southparkstaffage, Beavis und Arschkopp, den fetten Weather  Girls sowie italienischen Schnellplapperern krönen sie ein musikalisches Potpourri aus Death, Grind und Punk mit amerikanischer Crossover – Mentalität. Die bezieht sich auf alle dortigen Bands, die ihre Identitäten hinter Abkürzungen verstecken oder versteckten.  Es lohnt sich, tiefer zu schürfen, um dem Sinn und Zweck einer solch schlüpfrigen Veranstaltung auf den Zwickel zu kommen. Die Frontvocals kamen mir gleich so bekannt vor, der Herr hat seine hohe Kunst mal bei Bestial Devestation feilgeboten, und das bedeutet, Growls sind in diesem Projekt zweitrangig. Aber na klar wird auch gegurgelt, gebelfert und harmonizerisiert. Ist ja auch egal, wie der Schweinkram akustisch visualisiert werden soll, dass es welcher ist, steht außer Frage und lässt weiter an der Moral der kleinwüchsigen Großmäuler aus Mediterranien zweifeln. Ich glaub da lässt sich sogar einer von einem Elefanten einen blasen. Oder umgekehrt, Großmäuler…sag ich doch. Das musikalische Konzept beschränkt sich auf fixen Radau mit eingängigen Kompositionen, hier mal auf 3 Akkorde beschränkt, da mal goreversessen etwas dicker aufgetragen, immer eher rockig als groovig. Technische Aspekte lassen die 3 wohl bewusst außen vor. Auch deswegen geht das eigentlich umgehend ins Ohr, hinterlässt aber keinen länger verweilenden Eindruck. Die überschätzen sich eben nicht und verlassen sich auf die bewährte Rechnung: die Leute kennen das, die Beklopptesten unter ihnen wollen das fressen, und die Flüssigen kaufen das. Der Schlagwerker der agilen und sexuell kompetenten Triage hat sage und schreib in 10 anderen Bands Kleinholz gehackt. Das ist entweder ein Zeichen für überschäumende Potenz, oder aber das erschreckende Gegenteil, fest steht nur, dass er hier genau hin passt, da er so viel poltern und knüppeln kann wie es ihm beliebt, ohne dass jemand zu genau hin hört. Bei einer Band mit solchem Namen erwartet doch um Himmels willen keiner ein modernes Mozart Pendant, da geht es doch nur um debile Unterhaltung und frauenfeindlichen Spaß! Das ist eine Band, die gebrauchte Unterwäsche auf der Bühne sammelt und sich öffentlich arg daneben benimmt, weil das so gefordert wird. Da haben wir ihn dann auch gefunden, den tieferen Sinn! Die heftigsten Musiksparten zusammen spaxen, auf den Kern reduzieren, anrüchig sein, wie sich das geziemt und mit all dem Brei so viel Grinsen auf die Hängeärsche zu packen, wie irgend möglich ist. Hier zählt nur der Funfaktor, und ich hoffe inständig, dass die Band sich dessen auch bewusst ist. Denn die künstlerische Messlatte liegt nicht sehr hoch, um so was zu produzieren, muss keiner Musik studieren, wenn man weiß wo vorn und hinten ist, dann sollte das reichen. Dazu eine übergroße Portion Selbstironie um nicht in dem Labyrinth aus Dildos, Schwänzen und feuchtem Fleisch verloren zu gehen, und fertig ist eine launige Musikeskapade, die sich und den Rest der Welt nicht allzu ernst nimmt. Unter diesen Gesichtspunkten pflücke ich einen großen Strauß an rosaroter Freude und genieße den Schütteltopf voller erotischer Anspielungen auf Frauen in Hackbrötchen, dämliche Werwölfe, die ekstatischen Verlockungen des Tourette und polynesische Kannibalen. Sollte noch jemand da draußen mental verflacht mäandern, dann darf er dieses Erlebnis gern mit mir teilen. Warum? - weil die so banal sind, dass es schon wieder großartig ist! Die Punktvergabe ist diesmal rein willkürlich, denn eigentlich wäre jeder Zähler vertretbar. 
7/10

Friday, March 29, 2013

THE MODERN AGE SLAVERY - Requiem For Us All - Cd / Pavement Music



Was als interessanter Tech Death Metal mit durchaus vertretbarem, modernem Einschlag beginnt, wandelt sich relativ schnell in überdimensionierten Deathcore um. Woran mag so was liegen? Offensichtlich bekommt der italienischen Band das Experiment Demokratie nicht so recht. Die Musiker stammen aus absolut unterschiedlichen Lagern, bevor sie sich für wagemutig genug erklären, ein gemeinsames Projekt anzugehen. So fügen sich Death Metal und Hardcore zusammen, ein gängiges Flickwerk, das anderenorts häufig und ohne großes Aufsehen funktioniert. Warum aus ebendiesem nun aber ein rotznasenkompatibles Album werden musste, hat sich mir trotzdem nicht erschlossen. Und dabei müssen sie sich sicher nicht aufgrund ihrer handwerklichen Fähigkeiten durch die Gesellenprüfung schmuggeln lassen. Aber wer nun eben mal die klassischen Einflüsse schmerzfrei mit Breaks und Beatdowns vermischen mag, dem ist dann auch nicht mehr zu helfen. In der Farbenlehre nicht aufgepasst, wäre die logische Schlussfolgerung, jeden bunten Mus in einen Topf zu werfen, um es noch bunter zu machen, funktioniert so nicht, das Ergebnis besticht immer nur durch verschiedenste Grautöne. Und Grautöne in der Metalszene und deren angeschlossenen Gesellschaften gibt es wahrlich genug. Um das Album ernsthaft schlecht zu reden, fehlt es dann aber wemauchimmerseidank an purem Dilettantismus und drogenvernebelter Blauäugigkeit. Oberflächlichkeit klingt zugegebenermaßen anders, und dass die Herren fit im Umgang mit ihren Werkzeugen sind, lässt sich auch mit der größten Anstrengung nicht überhören. Nur der homogene Part fehlt, wie das Salz in der Suppe. Oder besser wohl verdirbt es den Geschmack, weil zu viel drin ist. Keine Ahnung, ob die Band absichtlich den Fluss hinab rudert, oder sich mit dem Strom treiben lässt, ihr Werken scheint mir schon zielgerichtet. Nur ob sie das angepeilte Publikum erreichen, steht in den Sternen. Mit souveränem Blast, genreüblichen Arrangements und einer gehörigen Portion Arroganz treiben sie es bis zum „Arise“ Cover auf die Spitze, wollen unbedingt einen modernen Glanz über ihr technisch nicht ungelenkes Album legen, und lassen im Kern immer noch mal echten Death Metal durchscheinen. Grooves sind aber genauso Teil des etwas windigen Bauplanes, wie allzu offensiv brüllende Vocals, und so ist es nicht immer einfach, der Band blind zu folgen. Zu oft scheinen sie uneins, worauf sie sich selbst einlassen sollen. „Requiem For Us All“ macht einen unentschlossenen Eindruck, dass mit all seinen guten Grundvoraussetzungen nicht so recht umzugehen weiß. Klar ist somit, dass trotz des permanent hoch gehaltenen Tempos und des Verzichts auf tropfende Melancholie ein Album im Schacht hängt, das echte Death Metal Fans kaum ansprechen wird, dass dafür das Publikum erreicht, das sich nicht mehr an die Etikette zu halten weiß. Für ein bestimmtes Lager hat sich die Band mit ihrer musikalischen Botschaft zwar noch nicht entschieden, wahrscheinlich klemmt die Schublade auch mit Absicht, aber die Konsumenten wachsen mit der Zeit, und da geht man nicht mit dem Brecheisen dazwischen! Was uns am Ende erfreut oder erschrickt, gar langweilt, ist die Vision von 5 Italienern, die sich breitbeinig aufstellen, ihr Talent vor sich her tragen, es nicht immer richtig einzusetzen wissen, und deutlich über das Ziel hinaus schießen. Aber so ist das nun mal in Italien, wo Clownerie und organisierte Kriminalität mehr Aufmerksamkeit genießen, als gesunder Menschenverstand und eine reinigende Portion Zurückhaltung. In diesem Sinne sind wir alle Italiener. 
6/10

Wednesday, March 27, 2013

REVEL IN FLESH - Manifested Darkness - Cd / FDA REKOTZ



Wenn der dünne Mann in seinem schwarzen Anzug wieder über den Totenacker schreitet und mit seiner Sense frische Seelen mäht, dann ist es an der Zeit, ihm endlich ein Oratorium zu stiften, um sein karitatives Wirken zu würdigen. Dieses hehre Ziel haben sich REVEL IN FLESH zur Aufgabe gesetzt. Und diese Aufgabe ziehen sie mit atemberaubender Geschwindigkeit durch. Nicht unbedingt musikalisch, eher in Bezug auf die Produktionsdichte. Letztes Jahr das Debüt, vor dem Weihnachtsfeste noch die kongeniale Split mit Revolting, die uns einen massiven Knochenbrecher präsentierte, und nun bereits das 2. Album. Spannend zu beobachten, wie lange Hauber(son) & Co das durchziehen werden. Über den musikalischen Background sollten wir uns nicht unterhalten müssen, nur so viel, dass die Band heute womöglich intensiver und authentischer klingt, als ihre Vorbilder das einst selbst taten. Aus der guten alten Zeit sind viele Bands im Ohr geblieben, die großartige Scheiben zu verantworten hatten, auf denen wiederum unvergessliche Stücke ihren Platz fanden. Aber welches Album hat es schon gegeben (sicher, das ist subjektiv), das einen Hit nach dem anderen wie an einer Perlenkette aufgefädelt hat. REVEL IN FLESH ist das gelungen, wenn sie ihr Publikum mit morbiden Melodien und wilden Kompositionen unterhalten. Wenn man das Gefühl nicht loswird, der Wald brennt und eine Stampede zertrampelt den Mutterboden, dann stimmt da mehr als nur die Richtung, dann liegt das nicht nur am Sound, der aus Sonnenlicht geboren scheint. Dann liegt das daran, dass sich hier eine Band ein weiteres mal aufstellt, die Visionen umzusetzen weiß, die ihr musikalisches Erbe nicht nur darin begreift, den Ergrauten nahe zu sein, sondern deren Ideen in eigene umzumünzen und vielleicht auch ein paar lose Seelenfäden, die dem Schnitter durch die bleichen Knochen geschlüpft sind, einzufangen. Was ich damit sagen will, das ist Musik mit Leidenschaft, das ist Death Metal, der nichts dem Zufall überlässt, dessen ganzes Konzept akribisch zu Ende gedacht wurde. Auffällig dabei bleibt, dass sie zwar straffe Stücke schreiben können, die auch über Gebühr die Musculus Capitis Gruppe fordern und heftig strampeln, dass das innere Auge aber eher auf die langen und langsameren Stücke gerichtet scheint. Und das ist das wirkliche Phänomen, je länger ein Stück anhält, umso mehr Inhalt transportiert es, umso interessanter wird es. Das ist im Grunde logisch, nur kriegt das meist keiner, entweder hängt der Zug auf dem Wiederholungsgleis fest, oder aber die Nummern sind dermaßen überladen, dass der rote Faden beim Nachbarn Urlaub macht. REVEL IN FLESH hingegen haben eine deutliche Affinität zu verhältnismäßig langen Songs, das hat „Bonecrusher“ gezeigt und das beweist sich auf dieser Rille mit „Deathmarch“, „Operation Citadel“ und „Rotting In The Void“ wieder. Da geht es inhaltlich ans Eingemachte, schauerlich schöne Melodien spielen „Hau den Lukas“ mit bassbeladenen Riffs, diverse Geschwindigkeitsvariablen hindern die Monotonie am Monopolismus und schlussendlich drückt die Produktion den Konsumenten fest in die Sitze. „Manifested Darkness“ ist das Album, das uns zeigt, warum auch brutale Töne einen Geist haben, das außer Frage stellt, dass auch ¼ Jahrhundert nach der Stunde Null noch erstklassige Scheiben auf den Weg gebracht werden. An dem was der teutonische Schwedenhammer mit absoluter Zuverlässigkeit und Professionalität auf den Bauplan zeichnet, werden sich Andere messen müssen. An „Manifested Darkness“ kommt auch das ignoranteste Rindvieh nicht vorbei!
10/10

Tuesday, March 26, 2013

BOVINE - The Sun Never Sets On The British Empire - Cd / FDA Rekotz



Ursprünglich in Eigenregie gestemmt, wird das Album der Briten BOVINE ganz sicher kein so leichter Einstieg in die Szene, selbst nicht auf einem der angesagtesten Undergroundlabel aus Teutonistan. FDA goes Relapse…und sichert sich alternative Spielplätze. Ob das für die Band so geschickt ist, auf einem Label zu erscheinen, das bisher mit gänzlich anderen Tonträgern dealt, muss sich noch zeigen. Das Repertoire der Musiker aus Birmingham reicht von Kyuss bis Soundgarden, deckt die ganze Stoner Palette ab und bleibt doch recht sperrig und erstaunlicherweise weniger rockig, als mit den selbstgenannten Vorgaben zu erwarten wäre. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Band einen weniger zugänglichen Weg beschreitet, der den Wiedererkennungswert einzelner Songs zugunsten eigenwilliger Musikalität verschiebt. Nicht dass „The Sun…“ keinen Drive besäße, Die Rille ist schon in der Spur und vereinigt sich mit Elementen aus Sludge und Prog, baut an fast immer den richtigen Stellen Tempowechsel ein. Auch das künstlerische Geschick, die erdachten und niedergeschriebenen Ideen umzusetzen, steht auf keiner Kritikagenda. Nur wirklich cool ist es eben nicht, da fehlt der Groove innerhalb des holprigen Pistenslaloms. Gut, werden sicher wieder einige behaupten, muss man nur die Ohren auf Empfang stellen, aber Groove, der auch mitreißt und der Wirkung hinterlässt, der geht doch anders. BOVINEs´ Album ist nur bedingt zugänglich, passionierte Musiker, ohne Frage, aber zu kalt, mit noch zu wenig Gefühl. Selbst wenn sie häufig auf emotional machen und ein großer Teil ihrer Musik aus bittersüßen Tränen und endlosem Leiden besteht, egal ob langsam und mit akustischen Mitteln, oder mit Ellenbogen zur Seite gestreckt durchs Unterholz preschend, der dabei entstehende Eindruck ist eher der, dass Traurigkeit und Verzweiflung aufgesetzt wirken, nur gebräuchlich sind, weil sie als Stilmittel dazu gehören. Aber wie erwähnt, das Album ist eigenwillig und da redet man besser niemandem ins Handwerk. Wenn die Band darauf pocht, ein Recht auf Sperrigkeit zu haben und bei der Waffenwahl Entscheidungsfreiheit genießt, dann steht ihnen das selbstredend auch zu. Und wenn talentierte Musiker sich für eine rüde Nirvana Version entscheiden, die Schrotwumme, da vertrau ich ihnen mal, gut weggeschlossen haben, dann genießen sie natürlich größtmöglichen und selbstgeschaffenen Freiraum, zu machen, was sie wollen. Die Geschichten, die sei zu erzählen haben, müssen aber so niederschlagend sein, dass sie die wenigen Momente, in denen der Postbahnhof kein Sackbahnhof ist, in denen nun doch bärtig und bierbäuchig gerockt wird, viel zu früh verpuffen. Die Parts, in denen der Rosenweg beschritten wird, sind zu offensiv und überdimensioniert. Freilich habe ich Respekt vor dem Konzept, dass sich das Quartett aus den West – Midlands zurecht geschneidert hat, aber ob es beim Hörer auch so ankommt, wie sie sich das vorstellen? Ob es trotz breiter medialer Schulterschläge den einfachen Fußsoldaten erreicht, steht wohl noch in den Sternen. Ich jedenfalls hab das Experiment gemacht und die Promo in kleinem Kreis vorgespielt, ohne Ankündigung und Warnung, und die erstaunten Ausdrücke in den Gesichtern reichten von ungläubig bis gelangweilt, und das wird kaum der erhoffte Effekt sein. Schwerer Krempel, wie gesagt, und im Metal – Genre wohl wirklich nur sehr eingeschränkt machbar. Und alternative Seitenwege erwachsen nur sehr selten aus der Mitte der Szene. Aber wer Nirvana mit Strickpulli genossen hat, der kann ja mal .. die kantigerere Variante auf den Einkaufszettel schreiben. 
6/10