Friday, March 8, 2013

GRAVEYARD - The Sea Grave - Cd / War Anthem Records



Der Albumtitel öffnet Assoziationen in eine Richtung, die vermuten lassen, die widmen ihr Output einem Künstler, der wohl für einige der besten Coverartworks der Metalgeschichte verantwortlich zeichnet. Zumindest ist das als erstes durch meinen zerzausten Schädel geschlittert, als ich die Scheibe frisch entkernt in den Händen hielt. Der wird doch nicht…? Ist nicht wirklich sein Stil, das grafische Frontchaos. Und tatsächlich stammt das Cover von einem ebenso liebenswert, kranken Künstler, von Putrid Matt. Und seiner Art, wirres, psychisch fragliches Gedankengut in schattige Schwarz / Weiß Bilder zu transportieren, entspricht das Geringel aus Tentakeln, Felsen, brandenden Meereswellen und monströsen Oktopusmonstern, die stählerne Schiffe zu Badewannenspielzeug degradieren, viel eher. Somit kommen wir der wahren Ursache, der Quelle des Albumtitels endlich nah. Lovecraft und die Großen Alten sind mal wieder dran, um ein Metalalbum zu füllen. Der 4er aus Spanien erzählt uns seine Sicht vom drohenden Untergang der Welt, von dem Unheil hinterm Horizont und der Wohnstatt Götter. Von Azazoth, der allumfassenden Macht und dem blinden Chaos, von Cthulhu der unter dem Meer schläft, von Ghanta, der jedes Jahr 2 Dutzend Menschenopfer einfordert, um die Füße still zu halten, von Hastur dem Unaussprechlichen, dem Meister des Nihilismus und der Dekadenz, von Shub-Niggurath, der schwarzen Ziege mit den Tausend Nachkommen, und so weiter und so fort. Deren Geschichten, besser gesagt das Universum von H.P. Lovecraft dient immer gern als Vorlage für morbide und mit Vorzug auch technikresistente Death Metal Bands, die die alten Sounds wieder entdecken und der Moderne abschwören. So ist das dann auch bei GRAVEYARD, die ihre Musik an alten schwedischen Bands fest machen, das aber mit einem stumpf, bollernden AUTOPSY – Sound und klassischen Gitarrensolis, die eigentlich beinahe in jedes Death Metal Genre passen, und auch darüber hinaus. Mit Mid – Tempo Brecheisen werden einige baufällige Ruinen entleibt, nicht immer ganz stubenrein Köpfe eingeschlagen, mit allseits bekannten Rhythmen das fröhliche Tanzvergnügen zur Sau gemacht. „The Sea Grave“ ist ein arg düsteres Unterfangen, dass teilweise auch ernsthaften Black / Thrash Bands gut stehen könnte. Wenn das Schattenspiel auf Schleichfahrt geht, kommt die dunkle Seite der Band besonders zum Tragen, meist aber abgefangen durch ebenjene großartigen Solis. Melodie ist bei der Gestaltung der Riffs dann in erster Linie so was wie ein roter, brüchiger Faden, der immer vorhanden ist, der den Plot zusammen hält, der aber nichts mit schöngeistigen Strickmustern am Hut hat, sondern die Basis für echtes Grauen darstellt. Unterstützt wird die permanent schattige Atmosphäre durch teilweise  in gänsehäutige Verwendung verpflichtete Keys. Die lassen auch vergessen, dass die Band im Grund eigentlich ein sehr stumpfes Konzept fährt. Storyteller aus der Hölle, die entspannt ihrer Fantasie, oder vielmehr der Fantasie eines verdrehten Schriftstellers huldigen, die aber absolut in der Lage sind, sie ohne Umschweife und Krämpfe in ein musikalisches Korsett zu stecken. GRAVEYARD ist deshalb wohl auch etwas mehr als nur routinierte und schmackhafte Hausmannskost. Deren totmetallisches Weltbild ist eng an das gekoppelt, was ihr federschwingender Held vorgibt, die verpflichten sich scheinbar der Götterdämmerung und haben zur richtigen Zeit das richtige Händchen. Und zwar insoweit, dass sie schon wissen, wo ihre Wurzeln und Vorlieben in Bezug auf ihr musikalisches Erleben sind, sie aber immer in der Lage sind, ihren eigenen Weg zu meistern. Mit solcher Einstellung (nur vermutet, wäre aber überaus passend) ist es kein Wunder, dass das Topfschlagen und Bänke rücken, mit den Hufen scharren und wütend Toben in ein Album gipfelt, das kaum Wünsche offen lässt. Immer vorausgesetzt, ihr versteht die Absicht der Band und erwartet keinen technischen Overkill. 
8/10

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