Saturday, March 9, 2013

KRYPTS - Unending Degradation - Cd / Dark Descent Records



McFly hat den DeLorean klar gemacht, aufgetankt, Uran nachgefüllt und Scheibenwaschwasser über den Motor verkleckert, hat 4 Finnen eingeladen (die sind dünn, die passen da rein) und ist mit ihnen in der Zeit zurück gesprungen. Irgendwann, kurz nach dem europäischen Tauwetter, Zusammenbruch, Frühling, was auch immer, hat er seine Gäste abgesetzt, um sie an der Zitze des ursprünglichen Death Metal saugen zu lassen, um der Mutter allen Übels die Titten zu lutschen. Und natürlich um reichlich Inspiration mit zurück zu bringen, um aus der Hüfte ein Album zu schießen, dass so authentisch ist, wie es nur sein kann. KRYPTS produzieren extrem heftigen und zähen Stoff, sind dem Doom so nah, wie der Suizidjunky der Rasierklinge, sind so finster wie die schwärzeste Nacht, so trübsinnig wie ein Kindergeburtstag ohne Clown, so roh wie frisch gemeucheltes Gehacktes und ebenso glaubhaft mit dem Spirit des antiken Krawalls behaftet, wie Teer und Hundescheiße unter Schuhsohlen klebt. KRYPTS mäandern sich durch ihren Set, lassen jede Spur von Fröhlichkeit im Keller, sind vollkommen humorresistent, bestehen musikalisch auf generelle Ernsthaftigkeit. Und das ohne Technik zu beanspruchen. Mit wenig Mitteln sorgen sie für eine morbide, ja irgendwie selbstzerstörende Stimmung, die weit abseits von bangerfreudiger und bierseliger Partymucke liegt. Tieftraurig aber auch nicht tränendrüsenstrapazierend melancholisch. Dieser Spagat gelingt den finnischen Lehrlingen des nimmermüden Schnitters ausgezeichnet. So wirklich aus sich heraus kommen sie nie, verlassen nicht mal in Gedanken die tiefen Wälder ihrer Fantasie. Die Riffs schweben meist mit genüsslichem Horrorcharakter knapp über dem Bodennebel und der Sänger röhrt unaufgeregt mit sonoren Growls. Das passt alles in die aktuelle finnische Musikbewegung, die einige Bands dieses Kalibers auswürgt, Bands die sich ihres Ursprungs bewusst werden und stolz neben den berühmten schwedisch/norwegischen Vettern aufbegehren. KRYPTS bekennen Flagge, machen das ganz getreu nach dem Vorbild ihrer Ahnen von FUNEBRE, DEMILICH und ADRAMELECH, nur dass sie halt mit mehr Handbremseneinsatz (meistens jedenfalls) durch den Forst karren. Also steht vielleicht FUNEBRE als erstes auf ihrer Liste zu respektierender Bands. Ab und an lassen sie das Gaspedal auch mal springen, die Wohlfühlzone des Quartetts liegt aber eindeutig im untertourigen Bereich, und den beherrschen sie schon im Schlaf. Schrundig und rott, so wird „Unending Degradation“ bei den Hörern ankommen, massiv unterkühlt und ohne den Ansatz eines Lächelns. Über welchen Friedhof die gestapft sind, um so drauf zu sein sollte somit allen klar sein. Dass sie mit den Grabsteinen respektvoll einen eigenen Turm errichten, den sie in der Lage sind aus Überzeugung selbst zu gestalten wohl auch. Dass das Album trotz der deutlichen Bezugnahme auf die Altvorderen, und mit Hilfe des DeLorean selbstverständlich, so einen Drive haben würde, dürfte hingegen nicht selbstverständlich gewesen sein. Das sich mit felsenfestem nihilistischem Pessimismus und „Alles Scheiße“ Attitüde am besten von endlosen Degenerationsprozessen fabulieren lässt, ist es ihnen ein Leichtes, ihre kommenden Fans in ihr selbstgegrabenes, schwarzes Loch zu zerren. KRYPTS haben einen musikalischen Negativpol geschaffen, der gegen jede Gesetzmäßigkeit das Licht abstößt und finstere Nacht anzieht, der trübsinnige Stimmung wie ein Magnet in seinen Bann befiehlt und über den Boden schleifende Emotionen zum Dogma macht. Ziemlich schmutzige Sache, die ein noch schmutzigeres Album in den Raum katapultiert hat! 
9/10

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