Saturday, March 23, 2013

LOGIC OF DENIAL - Atonement - Cd / Comatose Music



Verleugnungslogik, manche Bands bekommen in der deutschen Übersetzung einen seltsamen Anstrich. Warum bleiben nicht alle bei Blut, Tod und irgendwas mit Grabsteinen und Friedhöfen. Das würde so viele Dinge vereinfachen. Was gilt es denn hier zu leugnen? Etwa dass sie eine direkte Nähe zu Vader, Krisiun etc. suchen?, dass das Album sofort in den Schritt greift, schraubstockartig zupackt und 40 Minuten lang keinen Deut an Druck verliert? Vielleicht negieren sie die selbstgeschaffene Tatsache, dass sie eine vollreife Frucht vom Baum schütteln, die sich Permanent Blast nennt? Vielleicht wollen sie nicht hinsehen, wenn sie mit brutalster musikalischer Gewalt ein ums andere mal selbst zuschlagen, können ihre eigene Zielstrebigkeit nicht ertragen? Also Brüder, jetzt habt ihr das Ding mit Gewalt losgetreten, jetzt müsst ihr da durch! Klar, Italien macht gerade schwere Zeiten durch, mit alten Clowns und neuen Heiligen, knappen Kassen und wahrscheinlich immer noch besorgt, wer den Müll von den Straßen kratzt, oder Boote aus Afrika versenken muss. Aber euer Focus liegt klar auf der Musik. Einer Musik, die mit Technik und Tempo den Grad der Härte regelt, und der ist in diesem Falle sehr hoch. Wenn Death Metal Fingerfertigkeit verlangt und stets eingängig sein will, wenn die angedeuteten Ansprüche immer höher wachsen und die Bindung an den schnöden Fan trotzdem eng bleibt, dann ist doch alles optimal gelaufen. Das Schlagzeug hämmert vorbildlich und tritt klar aus dem Schatten der eigenen Faves. Der italienische Pedant muss sich nicht nur in dieser Hinsicht hinter dem seligen Doc (RIP) oder Max Kolense verstecken, das ist Erwachsenenarbeit. Und ebenso wie das nimmermüde und kreative Schlagwerk begeistert der Rest des Kollegiums mit purer Präsenz, mit der Leidenschaft, die es bedarf um auch heute noch im Death Metal eine eigene Duftspur zu legen. „Atonement“ macht einfach durchweg Spaß, feuert breitgefächerte Salven aus rotglühenden Rohren, und lässt uns einen fetten musikalischen Brocken mit maximaler Leichtigkeit schlucken. Im Vordergrund steht sicher das auf Geschwindigkeit gezogene und im Hertz – Studio ein weiteres mal erstklassig produzierte Songwriting. Von der Idee zum eigentlichen Produkt gibt es da sicher kaum Abrieb. Aber hinzu kommt auch eine latent schwarze Seite, die solch Acts wie Behemoth bis zu einem gewissen Grad mit ins Boot holt. Und diese Seite bekommt der Musik der Italiener sehr gut, legt sich über die mit Dauerdruck betankte Maschine doch ein Hauch von dunkler Asche, die für ein zusätzliches Quäntchen an blasphemischem Stimmungshoch sorgt. Aber egal wohin sich die Band wendet, die Finger sitzen locker, wenn kurze Solis am Rande der Perfektion pfeifen, Riffs wie Ausschläge auf einem Seismografen Erdbebenwarnungen zu einem globalen Projekt machen, wenn melodiöse Unterschwelligkeit in kakophonischen Obertönen mündet. Und wenn dazu noch ein Frontmann, verbissen in seinen 6 – Saiter, genug Konzentration hat, um über roh hoch und runter gewürgte Botschaften von menschlichen Widersprüchlichkeiten growlend zu philosophieren, ist alles gut. Mit dem allerletzten Stück „ Despondency“ erlauben sie sich sogar einen stimmungsvollen und mythischen Raubzug, der aus dem Trend des Albums nur scheinbar ausschert, und mit seinem orientalischen Leadgitarrenzauber, inklusive Percussions im Hintergrund, einer Nile Komposition frech die Hand reicht ist. Aufgrund des stets hoch gehaltenen Qualitätslevels auch dieses Songs, verzeihe ich so was nicht nur, sondern bin direkt bezuckert. Mag auch der eine oder andere die allzu enge Verbindung zu den übergroß erscheinenden Heldengestalten bemängeln, letztendlich kommt es darauf an, den Kram auch stilecht und nach eigenen Ansprüchen umzusetzen. Und das ist LOGIC OF DENIAL tadellos gelungen. Ein echter Tipp für klassische Blastomanen! 
9/10

No comments:

Post a Comment