Monday, March 4, 2013

NECROCURSE - Grip Of The Dead - Cd / Pulverised Records



So was kommt von so was, wenn beim betreuten Musizieren die therapeutischen Richtlinien missachtet werden. Dann wird ein Album schon mal sprunghaft und verliert sich in morbiden Fantasiegebilden. Das muss natürlich nicht gleich bedeuten, dass hier der gordische Knoten zu viele lose Enden hat, ganz im Gegenteil, Irre sind zumeist äußerst kreativ. Im Falle NECROCURSE scheint der Gruppenleiter die selbsternannten Death Metal Rebellen an der ganz langen Leine geführt zu haben. Dieser antiautoritäre, äußerst eigenwillig demokratische Führungsstil macht sich schon daran fest, dass die verwirrten Insassen ihres eigenen Psychokäfigs gar nicht merken, dass sie sich ungewollt überhaupt nicht auf Death Metal konzentrieren. Jedenfalls nicht ausschließlich. Wie auch, wenn hauptberuflich, karitativ oder ehrenamtlich in illustren Düsterheldenkapellen campiert und musiziert wird. Nifelheim, Swordmaster, Runemagick, klar doch, dass dann abgenagte Knochen und wirre Blicke den Fokus von original schwedischer Stahlproduktion ablenken. Klar aber auch, dass mit so einem Background die Erwartungshaltung schwer wiegt. Das Grundkonstrukt ist schon Old School Tod, aber ebenso schwarz wie einfach Heavy Metal. Wirklich einigen wollen die Herren sich auf ihrem Debüt nicht, dafür sind die Lager wohl uneinnehmbar abgeschottet. Räudig isses, hakelig, finster und auf Melodien gepfählt, die dem Horrorkabinett entarteter Lust entstiegen scheinen. Schön ist daran gar nichts, nur eben krank und wahrscheinlich noch lange nicht ausgeheilt. Tief am Boden schnarrt die Rhythmusgitarre in ihrer Lieblingsposition, schwingt mit Basssound den typischen Skandinavierswing, kann aber, wenn sie will auch anders. Und sie fordert die Bandkumpels stets dazu auf, mitzuhalten und pausenlos auf die Tube zu drücken. Macht alles Spaß, bis auf den Kreischsack, der seine Vocals wie ein grippaler Hühnerstall zur Esse rauskräht. Das beißt sich über weite Teile mit dem was die Musik eigentlich transportiert gar heftig. Zu vernebelter Schwarzmalerei mag das tatsächlich passen, mit dem Button Death Metal Rebell ist das aber nicht vereinbar. Aber wer schreibt einem aufs schwerste Gestörten schon vor, in welches Loch er scheißt, oder ob er überhaupt eines gräbt. Und schon gar nicht Niefelmeims´ Hellbutcher. Der kann auch gar nicht anders, seit er versucht seinen misslungenen Stimmbruch zu vertuschen. Versöhnlicher wird es, wenn es klassische Solis zu lauschen gibt, die klingen wirklich zu Ende gedacht, sind auf ihre Weise originell gestaltet und bieten sich immer als mehr als nur ein Bindeglied zwischen lose röhrenden und/oder sägenden Riffs an. Riffs, die unverkrampft zwischen Death und Black hin und her zappeln, ab und an die Richtung verlieren, aber nie langweilen. In die Irre führen, das ist gewollt und bei Musik aus der Klapse nicht ungewöhnlich. Das rumdoktern in diversen, wesentlich populäreren Combos hat jedenfalls sein gutes, erspart es doch das Wiederanlegen der Zwangsjacken, weil bei solch quergeistigen Leistungsfähigkeit niemand über längeren Zeitraum weggesperrt gehört. In gewissem Sinne ist dieses Album alte Säcke Musik, nicht immer gleich berechenbar aber schnell eingängig. Kadaver, der Senilität näher als der Himmelspforte stellen sich nach 3 x schlucken und einem halben Brechreiz schon mal gern auf so was ein. Wenn Düsternis die Coolness schwängert, und das Gekeife von bissfesten Zwangsgestörten und triebhaft Entgleisten mehr als nur Funktionalität im Paralleluniversum Heavy Metal inne hat, dann dürfen NECROCURSE wohl auch mal etwas aus der Spur treten und trotzdem noch ein fieses Kleinod aus dem runzligen Rectum Kreativum purzeln lassen. Symbiose ist vielleicht das richtige Wort, das Death, Black und Heavy zusammen bringt, aber dass da irgend eine tiefere Absicht im Synapsenclash der inhaftierten Psychotiker zu suchen wäre, kann getrost ins Reich der Spekulation verbannt werden. Ist schon eine arg kaputte Scheiße, Messer und Gabel stecken bereits drin, greift zu! 
8/10

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