Monday, March 25, 2013

OCEANS OF SLUMBER - Aetherial - Cd



Die patriotische Floskel “Don´t mess with Texas“ erhält eine ganz neue und eigene Bedeutung, wenn das Debüt von OCEANS OF SLUMBER erst mal durchgespült ist. Mit ausgerenkter Kinnlade und dem Nichtverstehen, was da gerade vorbei gezogen ist, sitzt das Opferpotential apathisch glotzend  und mit Durchfall auf der Schüssel. Diese neue Formation aus dem wohl mit dem größten Nationalstolz, dem intensivsten Unabhängigkeitsstreben und der wahrscheinlich höchsten pro – Kopf Bewaffnung (unter 5 jährige fallen da aus jugendschutztechnischen Gründen aus der Statistik), aus Texas, bricht alle Grenzen. Anders noch, für das musikalische Mammut - Projekt existieren von vornherein keine, sonst würde so was nicht funktionieren. OCEANS OF SLUMBER involviert alles, Prog –Metal, Death, Black, modernen Schrott, Southern – Groove, Melancholie, Melodie, Musik mit einem beherrschbaren Härtegrad und balladesken Neigungen. Und das ist wohl der Kasus Knacksus, mit so einer Bandbreit, die noch nicht mal gekünstelt wirkt, sondern wirklich homogen erscheint, gewinnt niemand einen Blumentopf beim Rummelboxen. So bleibt zu befürchten, dass die Ambitionen der Musiker schnell gebremst werden, zumal sich bisher noch nicht mal ein Label gefunden hat, das genug Rückgrat hat, diesen bunten Strauß an großartigen Ideen auf sein Raster zu löten. Mann, die spielen sogar die Nationalhymne, wenn das kein Grund ist? Ganz Mutige und Leute, die was von der Oberliga des musikalisch Machbaren verstehen, dürfen Kompositionen mit Tiefgang erwarten, Musik, die sich wahrscheinlich gern auf dezentere Momente mit anspruchsvoller akustischer Untermalung fokussiert, aber immer wieder auch Pantera – gleich aus dem Korsett bricht, rollt und groovt. Musik, die mal schwarz gewandt ist, und dann progressiv die Richtung wechselt, die mit Death Metal Riffs trumpft und growlt, nur um dann leidend in freiem Fall in Melancholie zu stürzen, wie Ikarus der erste Ganzkörpersegler der Antike. Um das alles in ein Album zu stopfen, was sag ich stopfen, das weht mit der Leichtigkeit eines Zitronenfalters über das Parkett, bedarf es eine Stunde mit relativ langen Songs. Songs, die ihr Repertoire von angenehm liebreizend bis aggressiv nachfedernd gnadenlos ausreizen, produziert von Musikern, die für den gewöhnlichen Zopfträger viel zu open minded sein werden. Tatsächlich verlassen sie für eine Metalband das Genre viel zu oft, weil sie recht erfolgreich versuchen, die Musik die ihnen auch hinter dem Horizont des gemeinen Metalklopses in Auge und Ohr springt, in ihr Konglomerat zu assimilieren. Das erscheint mir sehr mutig, wenn auch eigensinnig, und um alle Bausteine aufzuzählen, aus denen sich OCEANS OF SLUMBER ihren Turm mauern, bedarf es wahrscheinlich einer Musikprofessur.  Na gut, das ist leicht überzogen, aber so wie das stimmliche Angebot des zum Gesange Getriebenen das nahezu komplette Angebot aller bekannten Metalausdrucksformen abdeckt (von bleiernen Growls, über Anselmo bis zu Osbourne und dazwischen noch zahlreiches mehr), so weitreichend ist die instrumentale Bandbreite dieser Scheibe. „Aetherial“ ist definitives Breitbandkino für die Ohren, bei dem in relativ kurzer Zeit viel mehr geschieht, als sich mit dem ersten Eindruck verarbeiten lässt. Ursächlich dafür dürfte auch die so unterschiedliche Vita der Musiker sein, gesellen sich doch ein waschechter Jazz – Gitarrist und der Insect Warfare Drummer hinzu, gegensätzlicherere Lager sind wohl kaum unter einem Dach zu finden. Umso mehr erstaunlich, dass das gewagte Experiment auf Anhieb gelingt, auch wenn es einen Hörern viel abverlangt und Geduld voraussetzt. Wer sich auf so was einlassen kann, der erlebt auch was, versprochen! 
9/10

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