Wednesday, March 27, 2013

REVEL IN FLESH - Manifested Darkness - Cd / FDA REKOTZ



Wenn der dünne Mann in seinem schwarzen Anzug wieder über den Totenacker schreitet und mit seiner Sense frische Seelen mäht, dann ist es an der Zeit, ihm endlich ein Oratorium zu stiften, um sein karitatives Wirken zu würdigen. Dieses hehre Ziel haben sich REVEL IN FLESH zur Aufgabe gesetzt. Und diese Aufgabe ziehen sie mit atemberaubender Geschwindigkeit durch. Nicht unbedingt musikalisch, eher in Bezug auf die Produktionsdichte. Letztes Jahr das Debüt, vor dem Weihnachtsfeste noch die kongeniale Split mit Revolting, die uns einen massiven Knochenbrecher präsentierte, und nun bereits das 2. Album. Spannend zu beobachten, wie lange Hauber(son) & Co das durchziehen werden. Über den musikalischen Background sollten wir uns nicht unterhalten müssen, nur so viel, dass die Band heute womöglich intensiver und authentischer klingt, als ihre Vorbilder das einst selbst taten. Aus der guten alten Zeit sind viele Bands im Ohr geblieben, die großartige Scheiben zu verantworten hatten, auf denen wiederum unvergessliche Stücke ihren Platz fanden. Aber welches Album hat es schon gegeben (sicher, das ist subjektiv), das einen Hit nach dem anderen wie an einer Perlenkette aufgefädelt hat. REVEL IN FLESH ist das gelungen, wenn sie ihr Publikum mit morbiden Melodien und wilden Kompositionen unterhalten. Wenn man das Gefühl nicht loswird, der Wald brennt und eine Stampede zertrampelt den Mutterboden, dann stimmt da mehr als nur die Richtung, dann liegt das nicht nur am Sound, der aus Sonnenlicht geboren scheint. Dann liegt das daran, dass sich hier eine Band ein weiteres mal aufstellt, die Visionen umzusetzen weiß, die ihr musikalisches Erbe nicht nur darin begreift, den Ergrauten nahe zu sein, sondern deren Ideen in eigene umzumünzen und vielleicht auch ein paar lose Seelenfäden, die dem Schnitter durch die bleichen Knochen geschlüpft sind, einzufangen. Was ich damit sagen will, das ist Musik mit Leidenschaft, das ist Death Metal, der nichts dem Zufall überlässt, dessen ganzes Konzept akribisch zu Ende gedacht wurde. Auffällig dabei bleibt, dass sie zwar straffe Stücke schreiben können, die auch über Gebühr die Musculus Capitis Gruppe fordern und heftig strampeln, dass das innere Auge aber eher auf die langen und langsameren Stücke gerichtet scheint. Und das ist das wirkliche Phänomen, je länger ein Stück anhält, umso mehr Inhalt transportiert es, umso interessanter wird es. Das ist im Grunde logisch, nur kriegt das meist keiner, entweder hängt der Zug auf dem Wiederholungsgleis fest, oder aber die Nummern sind dermaßen überladen, dass der rote Faden beim Nachbarn Urlaub macht. REVEL IN FLESH hingegen haben eine deutliche Affinität zu verhältnismäßig langen Songs, das hat „Bonecrusher“ gezeigt und das beweist sich auf dieser Rille mit „Deathmarch“, „Operation Citadel“ und „Rotting In The Void“ wieder. Da geht es inhaltlich ans Eingemachte, schauerlich schöne Melodien spielen „Hau den Lukas“ mit bassbeladenen Riffs, diverse Geschwindigkeitsvariablen hindern die Monotonie am Monopolismus und schlussendlich drückt die Produktion den Konsumenten fest in die Sitze. „Manifested Darkness“ ist das Album, das uns zeigt, warum auch brutale Töne einen Geist haben, das außer Frage stellt, dass auch ¼ Jahrhundert nach der Stunde Null noch erstklassige Scheiben auf den Weg gebracht werden. An dem was der teutonische Schwedenhammer mit absoluter Zuverlässigkeit und Professionalität auf den Bauplan zeichnet, werden sich Andere messen müssen. An „Manifested Darkness“ kommt auch das ignoranteste Rindvieh nicht vorbei!
10/10

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