Friday, March 29, 2013

THE MODERN AGE SLAVERY - Requiem For Us All - Cd / Pavement Music



Was als interessanter Tech Death Metal mit durchaus vertretbarem, modernem Einschlag beginnt, wandelt sich relativ schnell in überdimensionierten Deathcore um. Woran mag so was liegen? Offensichtlich bekommt der italienischen Band das Experiment Demokratie nicht so recht. Die Musiker stammen aus absolut unterschiedlichen Lagern, bevor sie sich für wagemutig genug erklären, ein gemeinsames Projekt anzugehen. So fügen sich Death Metal und Hardcore zusammen, ein gängiges Flickwerk, das anderenorts häufig und ohne großes Aufsehen funktioniert. Warum aus ebendiesem nun aber ein rotznasenkompatibles Album werden musste, hat sich mir trotzdem nicht erschlossen. Und dabei müssen sie sich sicher nicht aufgrund ihrer handwerklichen Fähigkeiten durch die Gesellenprüfung schmuggeln lassen. Aber wer nun eben mal die klassischen Einflüsse schmerzfrei mit Breaks und Beatdowns vermischen mag, dem ist dann auch nicht mehr zu helfen. In der Farbenlehre nicht aufgepasst, wäre die logische Schlussfolgerung, jeden bunten Mus in einen Topf zu werfen, um es noch bunter zu machen, funktioniert so nicht, das Ergebnis besticht immer nur durch verschiedenste Grautöne. Und Grautöne in der Metalszene und deren angeschlossenen Gesellschaften gibt es wahrlich genug. Um das Album ernsthaft schlecht zu reden, fehlt es dann aber wemauchimmerseidank an purem Dilettantismus und drogenvernebelter Blauäugigkeit. Oberflächlichkeit klingt zugegebenermaßen anders, und dass die Herren fit im Umgang mit ihren Werkzeugen sind, lässt sich auch mit der größten Anstrengung nicht überhören. Nur der homogene Part fehlt, wie das Salz in der Suppe. Oder besser wohl verdirbt es den Geschmack, weil zu viel drin ist. Keine Ahnung, ob die Band absichtlich den Fluss hinab rudert, oder sich mit dem Strom treiben lässt, ihr Werken scheint mir schon zielgerichtet. Nur ob sie das angepeilte Publikum erreichen, steht in den Sternen. Mit souveränem Blast, genreüblichen Arrangements und einer gehörigen Portion Arroganz treiben sie es bis zum „Arise“ Cover auf die Spitze, wollen unbedingt einen modernen Glanz über ihr technisch nicht ungelenkes Album legen, und lassen im Kern immer noch mal echten Death Metal durchscheinen. Grooves sind aber genauso Teil des etwas windigen Bauplanes, wie allzu offensiv brüllende Vocals, und so ist es nicht immer einfach, der Band blind zu folgen. Zu oft scheinen sie uneins, worauf sie sich selbst einlassen sollen. „Requiem For Us All“ macht einen unentschlossenen Eindruck, dass mit all seinen guten Grundvoraussetzungen nicht so recht umzugehen weiß. Klar ist somit, dass trotz des permanent hoch gehaltenen Tempos und des Verzichts auf tropfende Melancholie ein Album im Schacht hängt, das echte Death Metal Fans kaum ansprechen wird, dass dafür das Publikum erreicht, das sich nicht mehr an die Etikette zu halten weiß. Für ein bestimmtes Lager hat sich die Band mit ihrer musikalischen Botschaft zwar noch nicht entschieden, wahrscheinlich klemmt die Schublade auch mit Absicht, aber die Konsumenten wachsen mit der Zeit, und da geht man nicht mit dem Brecheisen dazwischen! Was uns am Ende erfreut oder erschrickt, gar langweilt, ist die Vision von 5 Italienern, die sich breitbeinig aufstellen, ihr Talent vor sich her tragen, es nicht immer richtig einzusetzen wissen, und deutlich über das Ziel hinaus schießen. Aber so ist das nun mal in Italien, wo Clownerie und organisierte Kriminalität mehr Aufmerksamkeit genießen, als gesunder Menschenverstand und eine reinigende Portion Zurückhaltung. In diesem Sinne sind wir alle Italiener. 
6/10

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