Saturday, April 27, 2013

ADE - Spartacus - Cd / Blasthead Records



Wer die Nähe US – amerikanischer Ägyptologen sucht und sich nicht die Bohne für rotte Pharaonenmumien und das ganze vorsintflutliches Gewölle interessiert, der muss nur in der eigenen Vergangenheit buddeln, um etwas Vergleichbarem auf die Hinterbeine zu helfen. So geschehen im Falle der unglaublichen Italiener ADE, die ihrem fetten, technischen Ausrastern fix mal das alte Rom überstülpen und im Ergebnis sehr kompetent wirken. Die besinnen sich besserer Zeiten, als der Römer die ganze damals bekannte Welt beherrschte und nahezu jeden Feind mit Stahl und Kalkül in die Knie zwang. ADE demonstriert Erinnerungen an die Hochzeit eines Reiches, das heute nur noch ein konfuses Kasperletheater scheint, zerrissen von notgeilen Greisen, beständigen Pleiteorgien und der bitteren Erkenntnis, das totale Planlosigkeit umgeht wie ein Gespenst. Ein führerloser Hühnerstall anstatt eines Kopfes mit vielen Körpern, da dreht sich manch Stiefelinsasse lieber um und schwelgt in retrograder Nostalgie, als Blut mit Blut bezahlt wurde, Innovationen wie der Wein in Strömen aus intelligenten Häuptern floss, der Vorschritt eine Hausmarke war und man im Liegen auf der Couch essen konnte, ohne das die Mama hysterisch mit dem Besen aus der Küche flog. Die Band wischt den Staub der Äonen beiseite und ruft erneut zu Brot und Spielen, transportiert Eroberungsstreben und Freiheitswillen, Sklaverei und Drill, deutsche Korrektheit (militärisch, architektonisch…J)  und ungezügelte Ausgelassenheit, Brutalität und Schmerz sowie Düsternis und rudimentär auch Mystizismus in ein lockeres Korsett aus Blastbeats, sinisterem Riffmassaker, diversen Soundsamples, kriegerischen Chören und originalgetreuen, historischen Instrumenten. Denn wenn man Nile schon nicht nach Nordafrika folgt, dann bedarf es zumindest einer künstlerischen Ausstattung die vermutete Authentizität birgt. Quasi polieren die Italiener erfolgreich ihr Sandalenfilmimage auf, erzeugen mit Lyra, Percussions, Kurzhalslaute etc., kopulierend mit brutalen Prügeleien und technischen Finessen eine sehr stimmige Atmosphäre, die Blut und Kriegslüsternheit vorgaukelt. Hätte das Imperium einst über solche Stilverknüpfungen verfügt und sie laut tönend vor sich im Felde geführt, hätte es in Britannien und am Rhein keines Bollwerks gebraucht und auch das letzte gallische Dorf hätte sich nicht mit kulinarischer Sonderverpflegung retten können. Den Barbaren wäre die Angst in die nackten Glieder gefahren und Rom hätte Europa  kultiviert. Mit dieser Weltidee stehen ADE nun reichlich spät auf einem neuen Kriegsschauplatz und die Chance auf absolute Dominanz ist verspielt, wie die Sozialhilfe im einarmigen Banditen. Dafür aber haben sie ein Album am Start (das 2.), dass sich für nichts schämen muss, dass durchweg von seinen Stärken profitiert. Welche straffes und kluges Songwriting und enthusiastische Hingabe an das Produkt sind, dazu kommt eine zitterfrei Sicherheit im Umgang mit den anvertrauten Tonerzeugnissen sowie der Sensibilität im Zusammenfügen von einst und jetzt. Was auch völlig außen vor bleibt, ist der Schlüpferbonus, der mit antiken oder historischen Instrumenten gern erzeugt wird, den Metal weichspült und für das Extra an Kuschelknuddel sorgt. ADE nutzen wie ihre Vorbilder ebenjenes Kapital um noch mehr Düsternis und Bedrohlichkeit in die Basis der Musik zu pflanzen. „Spartacus“ ist Death Metal EBrachialität in seiner reinsten Form, trotz Überschreitung so mancher Grenzen, das Album  hebt sich von Konkurrenzprodukten erfreulich deutlich ab und überzeugt letztendlich auch durch eine geballte Ladung Sound. Die Legion marschiert und hat sogar George Kollias für ein Stück verpflichten können. Somit schließt sich der Kreis und ein Ägyptologe mit Fleischeraxt und unbändiger Schlagkraft wird seinem Arbeitgeber kurzzeitig abtrünnig, bringt den Knüppel auf die andere Seite Mediterraniens. „Spartacus ist ein überaus empfehlenswertes Release das sich keine Aussetzer erlaubt, weil Kreativität vorherrscht und der Rille so viel Energie inne wohnt, das aus technischer Sicht die Arena auf lange Sicht mit Blut geflutet werden kann. Dekadenz und Stahl sind die Grundpfeiler jeder Ausschweifung,  sichert also lieber schnell eure Interessen auf diesem Gebiet! 
9/10

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