Tuesday, April 23, 2013

BIRTH AD - I Blame You - Cd / Unspeakable Axe Records



In der Crossover – Familie der 3 Buchstaben – Verstümmlung ( oder Scheiß – Abkürzungs – Scheiß, wie meine Frau das wenig liebevoll nennt) fühlen sich BIRTH AD aus Texas wohl, da ist zu Hause, da wird der Kamin geheizt, da wird getanzt und gevögelt, gegessen und gesoffen. Und mit welcher Ernsthaftigkeit die Bullenreiter ihre Geschichte aufziehen, das verdeutlicht ihr Motto, ihr Leitspruch gegen Missverständnis und falsche Retro – Erwartungen; „Scheiß auf Party – Metal, wir sind für Krieg“. Obwohl man sich gern auch fragen darf, wievielt Ironie da mitschwingt. Für absolut zornige Ernsthaftigkeit ist das Saitengezirpe nämlich viel zu gut gelaunt vorgetragen, locker und gar nicht düster oder auch nur spürbar angepisst. Auf die Texte mag das dann nicht mehr zutreffen, die zielen tatsächlich auf soziales Aua anstatt auf eine zu entspannte „Hoch Die Tassen“ – Mentalität. Was nicht gleichbedeutend mit völliger Abstinenz ist, so ein bisschen versoffen und verraucht klimpert es auch dort zwischen den Zeilen. Die Musik steht jedenfalls ganz in der Tradition von S.O.D., D.R.I.,M.O.D., C.O.C., dazu darf  gern guter Bay Area Thrash als Sättigungsbeilage über den Tellerrand baumeln. Der Amerikaner nennt so was gern Punk, die Band selbst nicht, aber wenn Hardcore mit in der Tüte ist, dann sehen viele Überseeler nicht mehr so ganz klar. Auf ihrem Debütalbum machet die Band kurzen Prozess mit nahezu allem, wehren sich erfolgreich gegen moderne Thrash – Vergleiche, zeigen überdeutlich, dass ihr Surfbrett beidseitig mit waschechten Stahlnieten beschlagen ist und fackeln mit ihren Stücken nicht länger, als ein Streichholz brennt. Üblicherweise ist so eine BIRTH AD Story im Zeitraum um die 2 Minuten erzählt, und bevor sich irgendwas wiederholt, schrauben sie bevorzugt die nächste Dose auf und kippen hektisch den Hochgeschwindigkeitsinhalt über sich selbst aus. Wenn die Texte durch sind, ist auch kein Platz mehr, sich noch ein Riff an den Schwanz zu knoten. Dann trällert der Frontmann seine neuen Hymnen aus den 80ern selbstbewusst ins Mikrofon und die Kumpels dürfen als Refrain immer einen Chorgesang anstimmen. Danach kommt ein Intro, dass wieder etwas anprangert, was quer über der Straße verendet ist und weiter geht die Reise. Sich mit Spitzfindigkeiten aufzuhalten, das ist nicht das Kredo der Akteure, sofort griffige Leads zu schreiben, dass hingegen schon. Es dauert nicht lange, und dem geneigten Lauscher werden Riff, Chor, Riff mit flottem Drumming in den Kanal gedübelt, um dort für längere Zeit das Wort Verweildauer zu strapazieren. Ich meine natürlich, der Scheiß ist sehr eingängig und mehr als souverän auf den Silberling gepfropft. In Punkto Coolness dürfte die Band somit in nichts den Pionieren der Szene nachstehen. Zwar sehen sie sich musikalisch selbst wütender als sie es eigentlich zu transportieren in der Lage sind (bisher), aber aufgrund ihres unablässigen Tempos und immens komprimierten Songwritings, das jeder Crust Band die Schamesröte in die Gesichter treiben müsste, entsteht ein freudiges Chaos, dass es zu genießen gilt. Die amerikanische Gesellschaft bekommt ein Breitbadantibiotikum gegen Dummheit, Blindheit und Gier. Obs helfen wird darf irgendwo im Bereich von Beteigeuze im Orion mit dem Opernglas gesucht werden. Aber Luft machen ist immer, ehrlich und subjektiv auch gerechtfertigt. Und da der Punk oder der für eine saubere Umwelt kämpfende Thrash verschwunden oder allerhöchstens noch „Hühnerkacke“ sind, so wie Sänger Jeff Tandy weiß, ist es anscheinen Zeit, wieder mehr Aufmerksamkeit auf die einstigen Ziele und Absichten zu lenken. Als gelungen darf der Versuch der Musiker betrachtet werden, die von vornherein den Vorteil hatten, die Pubertät gemeinsam mit ihren Action – Figuren schon vor ungefähr einer Generation in Mutters Kräuterbeet beerdigt zu haben. Für Fans, die das Gefühl haben, auf ihrer Reise durch den Thrash irgendwann was verloren zu haben, dass es in semipopulären Combos von heute nicht zu finden gibt, ist „I Blame You“ das geeignete und mehrfach gestärkte Kuschelkissen zum ausheulen. 
8/10

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