Thursday, April 4, 2013

DORMANT ORDEAL - It Rains, It Pours - Cd / Eigenproduktion



Geboren anno 2005 im letzten und größten Urwald Europas, in trauter Zweisamkeit mit einer Kartoffelschnapsdestille, entwand sich DORMANT ORDEAL schreiend dem besoffenen Mutterleib als Solo Projekt. Und da es in der Waldwüste um Krakau wenig Spielgefährten gab, die nicht mindestens ebenbürtig verwildert waren wie Einzelkind Radek, und die vor allem nicht mit seinen abgenagten Knochen spielen wollten, hat es bis heute kein Album gegeben. Im Jahre 2013 (tatsächlich schon einiges früher, aber das macht die Geschichte madig) sind nun endlich ein paar Gesellen auf den alten Portemonnaie an der Leine Trick reingefallen, haben von Radek eins auf die Kalotte gezimmert bekommen, und wurden in den bandeigenen Zwangsdienst gepresst. Nun, wo das line – up komplett festgekettet ist, kann zwischen Wolf und Wisent dem Naturschutz der Kampf angesagt werden. Death Metal erschallt in den Kronen tausendjähriger Eichen und die Toten von Tannenberg und Grunwald schlottern in ihren durchgerosteten Harnischen, haben Panik, dass sie die Geschichte wieder einholt. Ein paar wurden ausgebuddelt und als waschechte Metal – Deko an die Bretterwände genagelt, da zappeln sie nun … innerlich. Radek hat seine Knechte (die Lebenden) nach kurzer Inaugenscheinnahme verpflichtet Windmühlen und Wasserräder zu bauen, um diverse Generatoren aus dem letzten Weltenkonflikt zu betreiben. Strom ist da, Instrumente frisch von westlich der Grenze importiert, und die Band machte sich daran, ein Album zu kreieren, dass den Busch entlauben wird, die grüne Grasnarbe 6 Fuß tief versenkt und alles Leben an den Futterraufen in Grillgut verwandelt. Da haben sie der Realität mal ihren Lauf gelassen, haben sich im Schuppen weggesperrt und unter schmerzhaft erkaufter Abstinenz 10 Stücke in die Nut gepresst. Vertreiben wollte es dann aber wohl doch keiner, jedenfalls nicht den eigenen Namen für fadenscheiniges Getue hinter der Hecke hergeben. Also heißt es weiter Independent, und damit hat so manch leichtfertig schmähendes Label unter Umständen einen Fehler begangen. Denn was in der Leere und dem Rausch der Einsamkeit ans frühvernebelte Tageslicht kommt, ist kein zittriges Suffgekloppe, oder die x-te Wiederholung einheimischer Paradigmen.  Obwohl, bis zu einem gesunden Maße schon. In DORMANT ORDEAL sind neuere Decapitated mit ihrem Hang aus dem Bauch eine Session zu feiern genauso zu erkennen, wie die künstlerische Vorstellungskraft von Yattering. Der technische Part stimmt also. Dass Radek und sein Leibeigentum aber auch Riffs verantworten, die Köppe locker schrauben, dass sie gern mal einen relativ modernen Gang schalten und sich trotzdem nicht von Traditionen abbringen lassen, das haben sie nur sich selbst zu verdanken. Auch das seltsame Pfeifen, das hoffentlich kein verunglückter Rammstein – Luftstoß sein soll, und immer mal auftaucht, vermittelt eine Note der anderen Art. Bestimmt hat es praktische Hintergründe. Wenn Radek nach seinem Marihuana auf der Waldlichtung schaut, pfeift er vorher irgendwas Kryptozoologisches herbei, das derweil seine Destille zu bewachen hat. „It Rains, It Pours“ ist so was wie ein kampfgeborenes Album, das alle Ingredienzien aufweist, die eine Death Metal Rinde benötigt, die nicht zwanghaft auf Alt gepolt sein will. Manche Passagen sind etwas kryptisch, Nachvollziehbarkeit setzt sich trotzdem jederzeit durch. Es schallt genauso technisch wie eingängig, mehr bedarf es möglicherweise nicht. Die Musiker sind geschickt, der Sound klar, der Grundtenor ausreichend aggressiv und unterhalten kann es auch… wenn auch nicht unbeschwert und ausgelassen. Denn eine gewisse depressive Schiene fährt die Band schon. Das liegt wohl daran, dass das Tageslicht nicht bis zum Waldboden vordringt.  Was also sollte dagegen sprechen, ein paar marode Euro für den Erhalt von Wodka, lauter Musik und ein paar Kettensägen zu spenden? Gar nichts! https://www.facebook.com/dormant.ordeal   
7/10

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