Wednesday, April 17, 2013

EUPHORIC DEFILEMENT - Ascending To The Worms - Cd / Unique Leader / Hammerheart



Ein Gänseblümchen neigt sich schüchtern im Wind, sanft streicht ein Hauch von Ruhe und Frieden über seine weißen Blütenblätter, und zufrieden mit den momentanen Umständen schaukelt es unter einem azurblauen Himmel, von dem die Sonne warm strahlt und kleine  weiße Wattewolken ihre Runden am Firmament drehen. Vögelchen zwitschern und Grillen zirpen. Einen Makel haben das Gänseblümchen und seine einlullende Szenerie allerdings. Der Boden auf dem das alles wächst und krabbelt, ist zerfurcht und blutgetränkt bis tief unter das Wurzelwerk. Somit wäre der Ruhepol von „Ascending To The Worms“ beschrieben, der sich auf das Intro und das Instrumental „ A Peaceful Descent“ beschränkt. Denn augenblicklich verstummt alles harmonisch beieinander krabbelnde Insektenvolk und die letzten überlebenden Frühblüher werden von neu heranrasenden Granaten ausgemerzt. Das Hauen und Stechen beginnt und die Brutalität mit der es durchgeführt wird entspricht ganz amerikanischen Gepflogenheiten. Es groovt, kracht, blastet und zeigt sich in der Art seiner dargebotenen Tötungspraktiken doch ziemlich kreativ. Dafür, dass die Band bisher über wenig Fronterfahrung verfügt, machen sie diesen Nachteil mit viel Enthusiasmus und überbrandender Energie wieder wett. Die haben so viel Feuer, dass sie den überschüssig produzierten Vernichtungsstrom gut und gern mit Zinkeimern in benachbarte Bandcamps kippen könnten, dort wo Einfallslosigkeit des müden Kriegers ständige Begleiterin ist. Im Frontabschnitt von EUPHORIC DEFILEMENT ist in Zukunft jedenfalls mit  keinem Durchbruch feindlicher Kräfte zu rechnen. Kräfte wie Langeweile, Unvermögen und Oberflächlichkeit müssen sich einen anderen Gegenspieler suchen. Von hier geht mehr gezieltes Sperrfeuer aus, als es einzustecken gilt. Und was gilt es einzustecken? Klar, irgendwie rast die Band auf dem gleichen Truppentransport in die Nacht wie viele amerikanische und internationale Kollegen, klar ist das brutaler Death Metal mit all seinen Ausschweifungen und Beschränkungen. Aber dafür hat das Album irrsinnig viel Drive und ändert ein ums andere mal die Richtung. Auf die ständig gleichen Riffs und Arrangements, auf lediglich in Blut geschriebenes Songwriting müsst ihr verzichten. „Ascending To The Worms“ ist nicht nur nach Maßstäben eines Frischlings beachtenswert, sondern ist durchaus auch in der Lage, Veteranen einige Vorlagen hinzublättern. Es gilt die Köpfe aus den Schützenlöchern zu stecken und sich mit Genuss ein paar Schläge einzufangen. Wenn Riffs sägen und Drums sich überschlagen, wenn Coolness siegt und das Hackmesser große Brocken aus überfetten Keulen schlägt, wenn Gurgeln monoton aus dem verstopften Gulli rülpsen und die Geschwindigkeit den Bedürfnissen des Moments angepasst wird, dann ist es Zeit die Karabiner durchzuladen und sich in den Bleihagel hinaus zu wagen. Wenn die Stalinorgel mitreißend jodelt und der Rhythmus der Einschläge etwa beschützend eingängig auf Gegenkurs geht, dann erhöht sich der Spaßfaktor und lässt so etwas wie einen leicht schwächelnden Sound schnell vergessen. Es ist verdammt gut, dass Unique Leader wieder eine Band im Programm haben, die weiß wohin sie will, und von der wir wissen woran wir mit ihr sind. Keine Spur von übertechnisiertem Neometalüberflüssigkeiten, von prolligen Rotzerchaos und Selbstüberschätzung. „Ascending To The Worms“ ist ein bodenständiges Album mit der Ausstrahlung eines nostalgisch verkommenen Schlachthauses, was bitte sehr könnte angenehmer sein? Empfohlen für Gorgasm und Disgorge – Junkies! 
8/10

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