Friday, April 12, 2013

GRAVEYARD GHOUL - Tomb Of The Mouldered Corpses - Cd / Final Gate Records



Brrrr, gruselig, die reitenden Leichen sind wieder auferstanden, nur ohne Pferde, dafür mit dicken, staubigen Elektrogeräten zum Stimmung machen. Wo kommt denn so was her, haben die selbst die Retrowelle verschlafen und schleppen sich nun hinter dem letzten Zug her? Ich vermute ja, jemand hat die vor ca. 25 Jahren mit einem Autopsy Demo in eine Nekropole gelockt, die Tür zugeworfen und den Schlüssel in der Nordsee ersäuft. Und da hatten die eben nichts anderes mehr zu tun, als das olle Band zu hören, bis es leierte. Diesen Sound als den einzig existenten verstanden, ziehen Äonen an musikalisch, metallischer Evolution an den sich dem Tode nähernden Gestalten im Dunkel vorbei. Und irgendwann, erst kürzlich, wird der Friedhof im Zuge von „Schöner Wohnen“ platt gemacht, weil ein Erlebnispark drauf soll. Und dann öffnet sich die Tür der Gruft einen Spalt, und blasse Gesichter wenden sich mit blinden Augen dem Lichtkegel zu, der plötzlich warm und angenehm die feuchte Kühle der Finsternis durchbricht. Dann humpeln und stolpern 3 abgemagerte, dem Kannibalismus sehr nahe Zerlumpte in die Neuzeit. Was bitte sollen sie nun machen, was können sie überhaupt noch? Ja , genau, Autopsy. Und da seinerzeit Black Metal kein Hinderungsgrund war, ist die Grenze meist schwimmend, und steinzeitliches schwarzes Gedepper fließt mit ein. Nachdem ein Proberaum okkupiert war, die Vorbesitzer sind geflohen, weil die Pussies den Geruch von einem ¼ Jahrhundert ungewaschen seins nicht ertragen konnten, wurde der Holzofen angeschmissen, und ab geht die Reise durch die Epochen. Der Scheiß ist so befreiend primitiv und technikresistent, dass es eine Freude ist, dem Summen der Wurzel von ganzen Generationen wieder mal in Reinform zu lauschen. GRAVEYARD GHOUL sind wohl echte Spezialisten, wenn es um Minimalismus geht, die Musik ist alles andere als filigran, oder gar schön anzuhören. Den Maßstäben von moderner Brutalität entspricht sie schon gar nicht. Ihre wahre Bestimmung finden sie letztendlich sogar im Doom, atmen den schwarzen Sabbat und bewegen sich im antrainierten Tempo einer noch nicht vom digitalen Wahn befallenen Zombiearmee. Die lieben, neben Scheppern und Rütteln selbstverständlich, Gänsehaut – manufaktierendes  Leisetreten und unheilig grimmiges über Totenäcker schleichen. Vertrocknete Kehlen heulen nach halbwegs frischem Fleisch, und die darunter mäandernden Füße behalten bei jedem Schritt Bodenkontakt. Nun gut, wenn der Song schon mal „Walking Dead“ heißt, dann muss er auch authentisch sein. Scheiße, Zombies rennen nicht, scheiße auch! Dass die Nummer sich über die doppelte Spielzeit schleppt, die die sonstigen Nummern zur Selbstverwaltung aufbringen, markiert den besonderen Stellenwert des Stückes. Denn ansonsten darf es gern etwas straffer an das Gekröse gehen, von doomigen und markanten Riffs, denen der blanke Schrecken des Wiedererkennens nachhallt, bis hin zu polternden Mid – Tempo Kanonenschlägen, darf der Hörer sich im Blutbad längst vergessener Schandtaten suhlen. Riffs stellen sich in Form von effektiven Nackenbrechern auf, als gäbe es nichts selbstverständlicheres, dabei sind sie an gewollter Schlichtheit kaum zu übertreffen. Die Bassspur fädelt sich randwärts durch das Gestrüpp, wirft sich ab und an mit cooler Betonung in die Mitte, und holt weiter aus, als es ein unauffälliger Begleiter gewöhnlich vorhat.  „Poetry Of Death“ ist wenig poetisch, dafür ein zielgerichteter Geschmacksterror gegen alles was die Finger auf dem Griffbrett nicht still halten kann, gegen alles was ohne Talent zu singen versucht, gegen alles was Death Metal für einen Kreischkurs oder ein Schmuseseminar hält. Die Musik darf billig sein, der Sound nicht bis in die letzte Rille ausgefeilt, und trotzdem hat des Ergebnis mehr Seele als Millionen von Pseudobrutalmelodiecorlern je aus ihren jungen und schlaffen Ärschen furzen werden! Wenn ich ein solches Album im Ohr habe, dann weiß ich, als wir einst die ersten Schritte gemacht haben, die Richtung intuitiv die richtige war! Wer auf Höhlensound aus der Mottenkiste steht, und dabei mehr als nur Nostalgie erfahren will, dem steht diese Scheibe pflichtbewusst ins Haus! 
8/10

1 comment:

  1. Die Platte heißt doch "Tomb of the mouldered Corpses"?!?!

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