Thursday, April 18, 2013

GROT - I Have No Mouth And I Must Scream - Mcd / Hammerheart Records



Kevin Talley wagt den Spagat zum transatlantischen Schulterschlag mit 2 spröden Ir(r)en und nennt das Projekt schlicht GROT. Weniger schlicht ist der Titel der Veröffentlichung. „I Have No Mouth And I Must Scream“, hier ist der vermeintliche Spielraum für wilde Interpretationsfreiheit groß. Weiß man aber, dass Kevin die Songs selbst geschrieben hat, und er ganz deutlich alten Fetus Zeiten nachhängt, dann wird sich auch die lyrische Ausrichtung schnell von selbst erklären. Unterstützt wird er von John Roche von Gamma Bomb, der die Saiteninstrumente zu grooviger Vollendung führt, und Eoin Broughal, der seine Stimme hier noch cooler zum Wirken zwingt als schon bei Warpath. Mr. Kriegspfad passt sich auch wunderbar dem Songwriting an und kommt mit seiner Darbietung dem Original - Spirit alter Fetus Alben sehr nah. Das Organ groovt im rissigen Takt mit den Instrumenten, und einen kleinen Unterschied zum großen allessehenden Onkel gibt es dennoch. Diese beiden Iren bremsen Kevins´ Fetus Ambitionen mit einem europäischen Grindsound, der der Band sozusagen das rote Band für überseeische Zusammenarbeit garantiert, und verhindert, dass Mr. Fetus sich selbst lediglich kopiert. So wird die Mini, die in Cd Format und als 7er erscheinen wird kühler, roher und trockener, als die typischen amerikanischen Klonerien. Auch bezeichnend für den europäisch geprägten Part ist die Coverversion von Napalm Deaths´ „Unchallanged Hate“, die aber nun wieder auch einen leichten Hauch unvermeidlicher Amerikanismen transportiert. Warum?, das Stück ist partiell zumindest durchaus groovig, bringt aber wie das Original Muskelstränge zum reißen. Die anderen 5 Stücke sind ureigene Talley Nummern, dessen Feder schon nach der fulminanten Eröffnung mit „Commodities“ nicht mehr wegzudenken ist. Ob aus dem Projekt tatsächlich eine Band erwächst, dies vielleicht bereits geschehen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Fest steht aber, dass Kevin bei all seiner prominenten Überbeschäftigung immer noch Zeit hat, sich an alte Tage zu erinnern. Und dafür hat er sich vielleicht 2 Herren gesucht, die ihm physisch nicht jeden Tag auf den Teppich pinkeln, spekulativ und ungesichert um einen gesunden Abstand zu wahren und die Sache entspannt anzugehen. Denn entspannt, nichtsdestoweniger auch brutal klingt das Ergebnis des Geburtsschreis einer möglicherweise irgendwann kultigen Band. Mit dem wenigen Material das es bisher zu hören gibt, macht sich nämlich schon die Vorahnung einer tadellos funktionierenden Bühnenbombe breit. Allein die Drums sind erwartungsgemäß eine Lecke, fliegen die Stöcke und Pedale doch nur so über straff gespannte Häute, verprügeln gegerbtes, als gelte es den Schlachtenlärm zweier Weltkriege und zahlreicher Lückenfüllerkonflikte zu intonieren. Die Gitarre schmettert passend wohlgetimte Aggressionen in Form von sofort zündenden Riffs dazwischen, ab und an dürfen auch die hohen Saiten kurze Intermezzo geben. Vordergründig und gewollt knallt die Mini aber nur, hält sich wenig mit komplexeren Ansprüchen auf und verlegt sich nicht den Weg mit dem Irrglauben, die hohe Kunst des metallischen Musizierens bezieht sich nur auf progressives Fingerspiel. Dafür hat Mr. Talley zu viel Professionalität in seinem Blut. Vielleicht lebt er hier auch die Sachen aus, die er bei SFU, Hate Eternal und weiß der Geier wo noch, nicht in Gänze umsetzen kann/konnte. Seine Stücke gehen das Thema immer direkt an und sind vorzugsweise und ohne Ansatz eingängig. So auch hier, wo ihr wiederholt das Gefühl erleben werdet, mit brutaler Gewalt auf einem im Funkenregen explodierenden elektrischen Stuhl ins Nirvana gepfeffert zu werden. Und irgendein Arsch hat den Schwamm vergessen. „ I Have…“ ist fraglos überzeugend, spielt mit den Erfahrungen aber auch mit den Klischees von Kevins´ Fetus Zeit und lässt hoffentlich noch mehr interessante Gewaltakte auf unsere Köpfe prasseln. Mehr als nur ein guter Anfang, das sei versprochen! 
9/10

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