Friday, April 26, 2013

HELLBASTARD - Sons Of Bitches - Cd / Selfmadegod Records



Da sind sie also wieder, die britischen Pioniere des Crust, die Namensgeber einer verrohten Punkjugend, einer Bewegung, die tief in den 80ern wurzelt und viel sperriger, härter aber ebenso primitiv war, wie der Punk selbst. Und wenn man heute das Ohr an deren Absichten legt, an deren Variante des Crust, dann ist mir die schwedische Version bald lieber, denn so viel vom 3 Akkorde Terror mit Rockattitüde haben HELLBASTARD gar nicht inne. Das liegt vor allem daran, dass deren Musikalität viel breiter angelegt ist. So als würde man einen Uniprofessor in die Grundschule schicken. Na…das mag jetzt etwas überzogen sein, aber die Richtung stimmt. HELLBASTARD interessieren sich jedenfalls nicht ausschließlich für die rohe Kante des Außenseitergeschäftes, sie klingen viel eher nach Rage Against The Machine auf Thrash mit nett dreckiger Kerbe. So ist nicht nur Frontmann Scruff stark an Zack de la Rocha orientiert (oder anders herum), selbstreden ist seine Art des vokalen Vortragens um einiges kehliger, nein auch die Arrangements haben häufig diese stakkato gleiche Präsenz. Dazu gibt es aber wesentlich härtete Thrash Metal Riffs, die generell bei anderen UK Bands oder unbenannte schwedischen Rabauken lange zu suchen sind. Dieser Fakt macht HELLBASTARD schon zu etwas speziellem, aber irgendwie auch nicht gleich als Crustband erkennbar. Viel mehr steht hier seit 3 Dekaden (mit Pause) eine Band hinter den Läufen der Outsider – Musikgeschichte, die scheinbar ohne offensichtliche Einflussnahme aus Zutaten der Szene ihren eigenen Topf auf dem Feuer hat. Das Ergebnis ist viel mehr interessant als eingängig, gar nicht wirklich kurzweilig und musikalisch irgendwie auch anspruchsvoll. Immer in Relation zu anderen bekannten Crust – Acts, die nicht so kreativ agieren und sich meist fein im Gatter der eigenen Vorgaben aufhalten. Diese aktuelle Mcd (vorher bereits im stilechten Vinyl auf Patac Records präsentiert), enthält Stücke von der letzten Splitt mit Dresden aus dem letzten Jahr. Warum man so was macht ist mir etwas schleierhaft aber steht kritikfrei, wahrscheinlich haben sie sich mehr Resonanz erwartet und gehen nochmal den Solopfad. Hinzu kommt der opening track vom 88er Debütalbum in neuer Fassade und zeitgemäßem Sound und eine obergärige Reggea –Oi – Nummer die scheinbar lustig sein soll, das lyrisch aber gar nicht so bestätigen will. Jene vorgetragen in gestelzten Pseudorastafari Vocals. Dieser Dreadlock – Aussetzer will so gar nicht zum Rest der Songs passen, aber wohl den gemeinsamen Nenner hinsichtlich sozialkritischer Komponenten heraus streichen. Oder die wollten einfach mal dummes Zeug machen und sich selbst karikieren, kann auch sein. Mich in meinem eingelebten Kadaver überzeugt die Mini nicht zur Gänze, da sie mir stellenweise viel zu glattgezogen, aber auch partiell zu ruhig erscheint. Die Aggressivität, die andere, die ihre Fußstapfen als unpassend empfanden, in ihren Releases entwickelt haben, sind mir wenn es speziell um nicht eben aufwendiges Schlagmichtot mit Veganerleibern geht, sympathischer. Oder irgendwie authentischer, insofern mit üblichen Erwartungshaltungen spekuliert werden darf. Aber es ist wohl auch ein Fehler HELLBASTARD mit den bekannten Maßstäben des Genres zu messen, die wollten wohl immer schon mehr und konnten es dementsprechend auch. Wenn der Crustler häufig den Metal belächelt, dann stellt das für einen der Urväter der Szene überhaupt kein Problem dar, daraus entwickelt sich für die Briten keinerlei Diskussionswert. Die hacken Thrash Metal mit prägnanten Riffs mitten in den Punk, entwickelten somit eine Inselvariante des amerikanischen Crossover, eine die aber überhaupt nicht partytauglich erscheint, im Gegenteil sogar von tiefer Ernsthaftigkeit geprägt ist. Dass lässt sich weder richtig lieben noch richtig hassen, bedarf der individuellen Anfallstauglichkeit, um sich darüber eine Meinung zu bilden. Also bitte, da müsst ihr wohl selbst durch, wenn ihr euch traut. 
6/10

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