Tuesday, April 2, 2013

OCTOBER TIDE - Tunnel Of No Light - Cd / Pulverised Records



Mädchenmusik, Schlüpferstürmermucke, Wolf im Schafspelz Attitüde, in irgendeine so geartete Richtung geht die Musik von OCTOBER TIDE doch wohl eindeutig. Einen auf harten langhaarigen Nordmann machen und dann mit elektrisch verzerrten Balladen unterm Heizpilz hocken, und den Mädels was vorgaukeln. Ich hielt die meisten Metalheads ja immer für a – sexuell, die widmen sich nur ihrer Musik und reden allerhöchstens mal übers Vögeln. Bei den Schweden scheint das aber die Masche zu sein, geschlechtsspezifische Unterwäsche vom warmen, weichen Alabasterkörper auf den Flokati zu zaubern und die Trägerin in die Kissen. OCTOBER TIDEs´ neues Album ist vollgepfropft mit tränenschwangeren Mitleidsnummern, mit Melancholie und Melodie wie ein übervolles Einkaufsnetz beim Ausverkauf für Damenschuhe. Und das zieht sich dann in gewollt überlangen Nummern durch ein doomiges Endlosalbum, das nichts von der Düsternis sonstiger Doombands aufweist, auf schwere Riffs glatt verzichtet und eigentlich nur bittersüß schön sein will. Das gaukelt dann eigene Verletzlichkeit vor, beeindruckt mit gehobener Musikalität und macht Frauen blind und willenlos. Der Act um ex – Katatonia Charakterkopf Fredrick Norrman weiß aber auch ganz genau, wie er mit Beschaulichkeit und Ruhe an Nektar und Ambrosia kommt. Und das ohne Gewaltausbrüche, womit sie sich das bärtige Publikum ganz geschickt vom Hals halten. Bevor hier so ein volltrunkener Bierkessel reinstolpert, schreiben wir lieber eine weitere Ballade und suggerieren die nahende Sperrstunde im Etablissement der Frauenversteher. Zu Unterstützung hat sich Herr Norrmann diesmal (denn der interne Verschleiß ist beachtlich) Volturyon Frontschnauze Alexander Högbom geholt, der mit seinen erdigen Growls einen angenehmen Kontrapunkt für die sonst so verspielte Musik darstellt. OCTOBER TIDE musizieren als hätten sie alle Zeit der Welt und die eigene Uhr würde nicht ticken, die verzaubern sich und die schöne Seite des Metal mit 8 Minuten Stücken, in denen nicht mal Wiederholungsgefahr besteht. Die stecken voller grandioser Ideen in punkto Weichzeichnen. Dass die dabei entstehende Schleimspur knöcheltief in Katatonie gefangen hält, auch das erweist sich als  Absicht. Klar doch, liegt das musikalische Konzept wohl wirklich noch am dichtesten bei der Vorgängerband Katatonia, zumindest aufgrund des besinnlichen Äußeren. Die Black Metal Anteile sind dabei aber genauso verschwunden, wie dazugehöriger Gesang von einst oder die staubfreie Wunderstimme von Jonas Renkse. OCTOBER TIDE sind dann doch wieder mehr Metal, als Katatonia das in heutiger Zeit überhaupt noch sein wollen. Na die machen erst Mädchenmusik, da lohnt das Anziehen überhaupt nicht!
Mit „Tunnel Of No Light“, gelingt der Band eine geschmackliche Gratwanderung zwischen Doom, Death und amouröser Behaglichkeit. Der große Wurf wird es nicht werden, dafür ist das Tränenmeer zu tief und der Gehalt an echtem Rock und Metal zu gering. Der Beigeschmack verwässerten Kanisterweins beim Candelight Dinner auf der Seeterrasse schwebt da immer irgendwo im Verborgenen. Aber wenn die Alte gut abgefüllt ist, kann man ihr zärtlich jeden Scheiß ins Ohr brüllen, die horizontale Dialogposition wird in jedem Fall eingenommen. Also brennt wohl doch noch ein Flämmchen im Tunnel, und selbst wenn sich hinterher herausstellen sollte, dass die Band gar nicht von Liebe und Romantik gesungen hat, der Adler ist gelandet! Denn während in der Zwischenzeit ein Großteil des Publikums aus Langeweile vor dem eigenen Katzenjammer flieht, sind die eigentlichen Zielpersonen dahingeschmolzen wie Milchschokolade unter der Mittagssonne. 
6/10

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