Monday, April 8, 2013

REIGN OF VENGEANCE - The Final Solution; The Final Rebellion - Mcd / Synister Empire Records



2011 erschien das Debüt sehr versierter Vielmusiker, Individualisten und Ausnahmetalenten aus Arizona, das einiges an Desorientierung zurück ließ, technisch durchweg ansprechend war, aber irgendwie auch noch ohne direktes Ziel in den eigenen Reihen. So zumindest war mein subjektiver Eindruck. Das agile Konstrukt aus Mitgliedern von Origin, Cephalic Carnage, Rebirth, aus Musiklehrern und studierten Musikern, Songwritern und elitären Einzelpersonen, die vor Selbstüberzeugung platzen, ist nun wieder zurück. Und was soll ich sagen, diesmal treiben sie es auf die Spitze, was passieren kann, wenn man sich Peyote rektal mit einem Sahnesiphon in den Tunnel zwirbelt. REIGN OF VENGEANCE sind auf mehreren Ebenen provokant und diskussionswürdig. Außerdem entfernen sie sich maximal vom Death Metal, bis zu dem Grad, an dem das Genre eben noch greift. Dass ist der wohl größte Spagat, den die Band momentan zu strecken willig ist. Sie benutzen vieles was im klassischen und modernen Death Metal möglich ist, arbeiten aber genauso mit Thrash Elemente, wie auch Hardcoreanteilen, Effekten auf den Instrumenten und Melodien, die nicht eben konventionell sind. Auf diese sehr eigenwillige Weise entsteht viel eher der Eindruck eines Crossover – Projekts, als einer echten Death Metal Band gerecht werden zu wollen. Und dann haben wir da noch das Sprachrohr und Bandinitiator Marshall Beck, der über weite Strecken auf Growls verzichtet, den Crossover Gedanken massiv unterstützt, dessen Gesang den Versuch diverser Variationen unternimmt, und immer wieder gedoppelt wird. Da ist viel aggressiv, cleanes Zeug dabei, dass einer Band wie DRI auch abgekauft würde. Und der Mann schwebt in kryptischen Allmachtfantasien, erzählt uns Geschichten von der Auferstehung des Horus und der Unterwanderung der Menschheit, irgend so ein Mulm. Aber ich glaube der hält das für echt und schiebt uns ein schräges Verschwörungsbild unter à siehe Cover. Auch das ist beabsichtigter Part der Provokation. Auf musikalischer Ebene funktioniert die aber besser, lässt sich nicht mit bloßer Spinnerei wegwischen. Klar muss sein, breitentauglich ist das alles nicht. Echte Riffs kommen im Gegensatz zum Erstling häufiger vor, progressive, künstlich aufgebauschte Parts stehen aber immer noch Gewehr bei Klumpfuß. Die melodische Komponente verschiebt sich leicht ins Soundtrackhafte. Und das ist nicht mit epischem Quast zu verwechseln, denn den Herren hier gelingt es, unbewusst immer wieder das Feeling 50er Thrash Filme anzuzapfen, wenigstens ideologisch. Dann hopsen Marsianer aus Margarinedosen und übernehmen die Herrschaft über den Planeten mittels Riesenspinnen und Strahlenkanonen aus umgedrehten Eistüten, die Gehirne wachsen und Menschen auf Däumlingsgröße schrumpfen lassen. Dass das nicht die einzige Farbe ist, mit der die Band ihre Proberaumwände pinselt dürfte dennoch klar sein. Sie nutzen genauso klassische Solis, viele Breaks, progressives Songwriting und erreichen ein Maß an Komplexität, das dem Hörer häufig mehr abverlangt, als er bereit sein wird zu geben. Wenn melodiöse Strukturen die Leadgitarre beflügeln und die schräges bis latent grusliges Gut ausspuckt, dann wehrt sich die Rhythmussektion den schnöden Begleiter zu spielen und schiebt eigene Solistenattraktionen darunter. Zudem gelingt es dem Sänger nur selten, seinen Senf in der Tube zu behalten, also muss auch der noch eine weitere Spur belegen. An manchen Stellen ist das einfach zu viel, und der Sound hält das Chaos nicht mehr zurück. Am Ende überfordern REIGN OF VENGEANCE nicht  sich selbst, sondern das angestrebte Zielpublikum. Begnadetes musikalisches Verständnis ist nicht das Patent für Erfolg und kaum der Heiland sowie Freudenstifter für die Massen. Fakt ist, auch das neue Werk der Amerikaner will kein Fastfood sein, liegt aber unter Umständen trotzdem wie eine Bleivergiftung im Magen. Es ist mutig und spricht von (spekulativ) drogenverseuchtem Weitblick, sich an so etwas heran zu wagen. Das Debüt, das ich besser fand, ein ganzes Stück zurück zu lassen und offen für Wege jenseits der Schnellstraße zu sein, ist eben ein Entwicklungsschritt der internen Evolution. Für mich persönlich ist es trotzdem nicht mehr als lediglich interessant, denn den wirklich mitreißenden Teil muss ich verpasst haben. 
6/10

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