Friday, April 5, 2013

WANDERSWORD - Waiting For War - Cd / Blasphemour Records



Auch der Russe hat das Recht, sich in seine Vergangenheit zu flüchten, nach dem Ende der Sowjetrepublik nach der eigenen Freiheit im Gestern zu suchen. Das scheint vielen in dem chaotischen Unbill nach 91 auch bitternötig. Die verdammten Schnapspreise steigen wahrscheinlich immer noch, und am anderen Ende der Waage müssen überfüllte und veraltete Kliniken immer mehr Blinde versorgen. Ein paar Neureiche und zahllose Existenzbedrängte, natürlich kristallisieren sich aus solchen Konstellationen auch Subkulturen. Und eine ist eben Metal in Verknüpfung mit den Urvätern des Riesenreiches, von der einstigen roten Staatsführung verpönt, aber immer noch Realität, den schwedischen Wikingern. Na und da die Pagan-, und Nordmännerwelle eine der populärsten im Muschimetal ist, steht es auch den Normannenslawen…? frei, sich darin zu verdingen. WANDERSWORD schleifen die Äxte (nicht eben scharf und rostfrei), zimmern Drachenboote (auch nicht wirklich wasserdicht), brauen Met (und kippen Hochprozentigen dazu), sie ziehen in Schlachten und bluten, erobern und stecken Verluste ein. Es ist alles da, was Fans von Equilibrium über Wintersun bis Amon Amarth von ihren Neuzeitrecken erwarten. Heldensagen und Waffenklirren, bärtige Männer in tiefem Schnee und barbusige Blondinen bei Saufgelagen. Blut und Schweiß werden vergossen, es wird gestritten und gelacht. Genauer betrachtet wirken die Rus des 21. Jahrhunderts mit den Instrumenten aber auch recht plakativ, führen ihr Eigenleben nur, weil sie die Versionen der Vorbilder übernommen haben. An WANDERSWORD ist kaum was spezielles. Vielleicht dass der Frontmann aufdringlich und leblos growlt, dass der Bass im Gegensatz zu anderen einiges trockner staubt, wie der Sound das weitestgehend tut. Das bezieht sich zumindest auf die Stücke, die eine offensivere Death Metal Note anstreben und auf Beiwerk wie Keyboard, Flöten oder anderes Spanakel verzichten. Davon gibt’s naturgemäß weniges, den Spagat zwischen dem was Amon Amarth und die andere Seite der geschminkten Fantasiekrieger darstellen, versuchen sie zumindest. Dann wabern keyboardgetragene Abgesänge über etwas blutarme Schlachtfelder, die Leadgitarre treibt ihr übliches weinerliches Spiel mit den Emotionen der Hinterbliebenen, und ohne Vorankündigung schwappt die nächste Angriffswelle über das Feld, spült alle Trauer wieder dahin, reitet primitiv und knackig betagte Gäule zu Tode. So geht das ein Album lang hin und her, mit Melodien, die den Recken zu Ehre gereichen sollen wird nicht gegeizt, mit direkten Rammböcken aber auch nicht. Manchmal groovt das sogar auf befremdlich moderne Weise. Auf Stimmung wird beständig gesetzt, und die Tasteneule leistet dabei wohl den kreativsten Part. In Verbindung mit der Leadgitarre, die ihre Ideen auf diversen Raubzügen beständig auffüllt. Aber auch Filmsoundtracks kommen in die engere Wahl, um den Anspruch an Authentizität zu komplementieren. Traditionell folkloristische Töne für die Babuschka werden alternativ eingeklebt, insoweit sie ins Konzept passen, und die Musiker glauben, das Konglomerat noch beherrschen zu können. Dazu raspelt der Sänger in Muttersprache seine Geschichten runter, so manches mal mit Unterstützung, aber immer ohne sonderliche Regung. Das klingt häufig wie „ Na ich mach dann mal.“. WANDERSWORD treten den Beweis an, dass es heute reicht, die Instrumente mit einigermaßen Selbstsicherheit zu bedienen, der Rest ist (fast nur) Recycling. Es bestätigt sich also ein überschaubares Durcheinander, in dem sich die Band selbst noch nicht so wirklich gefunden hat. Für Discounterware allemal genug, erfüllt seinen Zweck und macht satt. Meist sehr schnell! „Waiting For War“ ist eine deutlich mittelprächtige Scheibe, die mehr zu sein vorgibt, als sie eigentlich kann. Vor dem Krieg zählt Aufrüstung, niemand der siegen will, zieht mit verbeulten und gebrauchten Gegenständen an die Front! 
5/10

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