Saturday, April 13, 2013

WORMED - Exodromos - Cd / Willowtip / Hammerheart



WORMED sind ein wahres Phänomen, keine andere Band kann es sich leisten, nach dem Debüt 10 Jahre verstreichen zu lassen bis das Nachfolgealbum aus dem Presswerk kommt, ohne von den Fans abgemahnt oder vergessen zu werden. Aber die Präsenz der Spanier ist ungebrochen, in all der Zeit tauchten sie immer wieder auf, spielten hier und dort und überzeugten. In den 15 Jahren Bandgeschichte ist wahrlich nicht viel am Material zusammen gekommen, so zumindest der Eindruck nach außen, ausreichend, um immer wieder zu punkten war es allemal. Und nun steht endlich das 2. Album ins Haus. Und was für eins das geworden ist, das kann ich euch sagen. Hier trifft sich alles, was an Technik, Brutalität und sinisterer, kalter Atmosphäre möglich ist. Das übertrifft den Erstling um Längen, aber das war voraus zu setzen. Stellte euch vor, ihr nehmt einen Pinsel. Oder irgendjemand mit rudimentär künstlerischem Verständnis jenseits von Ausmahlbüchern. Und dann wird mit Schwung die Leinwand gefärbt, und zwar mit der üppigen Fülligkeit eines Rubens, dem abstrakten Verständnis eines Picasso und der volkstümlichen Verbundenheit eines Bob Ross. Das geht nicht? , das ist ein vollkommen interpretationsresistentes Durcheinander? , das sähe mal richtig Scheiße aus? Genau, ein Ding der Unmöglichkeit! Aber akustisch, da funktioniert das durchaus, so wie WORMED es mit einer Leichtigkeit beweisen, die den Hörer in Staunen versetzt. WORMED sind technisch und abstrakt, ungemein brutal und eingängig und auf ihre spezielle Art im luftleeren Raum unglaublich finster. Die machen in ihren Stücken ein paar Sätze, an die sich bisher wohl niemand heran getraut hat, die experimentieren und entlocken ihren Instrumenten Töne und Kombinationen, an die bisher bestimmt niemand geglaubt hat. Begleitet wird das alles von  buchstabenfernem Geschnorchel, das manchmal ziemlich konträr zur Musik anmutet. Die ist nämlich im Gegensatz zu dem sonoren Gullirülpsen gespickt mit unterkühlter Ästhetik, resultierend aus einem wahnwitzigen Songwriting. WORMED interpretieren Death Metal auf ihre ganz eigene Art, voller Breaks ohne zu nerven und den Fluss zu verlieren, voller mutiger Ausschweifungen, ohne an ungezähmter Härte einzubüßen. Das Album steckt voller hintergründiger Melodien, denen ein fast psychedelischer Charakter innewohnt. Das überlange „Xenoverse Discharger“ watet knietief durch solch abgedrehte Ideen, verlangt viel Aufmerksamkeit und verliert sich in seinem Kälte und Abgeklärtheit in sich selbst. Das Stück ist das Aushängeschild dessen was passieren würde, wenn WORMED noch einen Schritt weiter gehen. Wer sich diesbezüglich Sorgen macht, kann jedoch beruhigt werden, auch wenn sie sich nicht mit durchblasten zufrieden geben, auch das ist ein Trademark der Band. Die lassen auch gern mal die Zügel locker und prügeln die Gäule bis zum Genickbruch. Nur zufrieden geben sie sich damit nicht, und das scheint mir die Triebfeder der Band. Immer noch einen drauf setzen, immer noch um eine Ecke schreiten und dabei den Bezug zur Basis nicht einbüßen. Und schon nach der ersten Runde war mir klar, das Planspiel aus Spanien ist in allen Beziehungen geglückt. Ob sich 10 Jahre warten bezahlt gemacht haben? Scheint so, denn der Eindruck, dass die Herren etwas länger brauchen um ihr Vorhaben zu Ende zu denken, als andere das gemeinhin für sich in Anspruch nehmen, wird durch das Ergebnis bestätigt. „Exodromos“ ist das komplexeste Album das sich seit langem mit so viel Macht dem übervollen Markt erfolgreich entgegenstemmen wird, denn wer gewöhnliches und banales sucht, der wird nicht fündig. Und trotz oder gerade weil WORMED Anspruch und blutige Haue auf gesteigertem Niveau zu verknüpfen wissen, bei all der hochgestochenen Musikalität nicht unzugänglicher werden, wird die Scheibe einschlagen wie ein Meteor. Ich kann nur jedem Interessierten zwingend empfehlen, die Band auf ihrer neuen Spaceodyssee zu begleiten. 
10 /10

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