Wednesday, April 24, 2013

YEARS OF TYRANTS - Leading The Blind - Mcd / Kaotoxin Records



Die ultra technischen Alben sind angeblich extrem selten. Im Falle der Pariser Deathcore Verbrecher YEARS OF  TYRANTS offensichtlich sogar so rar, dass es 3 Jahre gedauert hat, bis es jemand bemerkte. Seit 2010 rottet die Ep auf Halde, da sich wegen ihres exklusiven Charakters niemand traute, die Finger darauf zu legen. Bis sich ein Label als blind genug erwies, dem Aufruf zur Marktrevolution zu folgen. Klar ist es unbestritten, dass der Vierer seine Instrumente über dem roten Strich beherrscht, dass der musikalisch, künstlerische Anspruch in den Reihen der Protagonisten verflucht hoch gesteckt ist. Der interne Qualitätsanspruch bleibt auch unangetastet. Was aber frage ich, nützt es, wenn die Klampfe rattert und sich in andere Sphären frickelt, wenn sie dem Zuhörer keine Chance lässt ihr über längere Zeit zu folgen? Was nützt ein behändes Schlagwerk, das sich ohne sauerstoffverlust überschlägt wie Cobra 11 am Autoschnellstraßendamm und doch nur Blech zurück lässt. Was bitte schön macht es so reizvoll, einen Set mit dermaßen vielen Breaks  voll zu stopfen, dass ich mir gezwungenermaßen vorkomme wie ein Alzheimerpatient im Olympiastadion. Absolut verwirrt und orientierungslos. Das wirkliche Talent von YOT liegt darin, ein heilloses Durcheinander anzurichten und am Fan vorbei zu rasen, extreme Kühle auszustrahlen und mit Ingredienzien zu jonglieren, mit der nahezu jede Deathcore Band aufwartet. Der Wiedererkennungswert sinkt gen Wasserstandspegel. Es freut mich, dass zumindest das Label von dem Durchschnittsgefiedel überzeugt ist und ihm Seele zuspricht. Ich halte es für arrogant und gefühlskalt, auf Dauer anstrengend und die jazzigen Anleihen sind keine Ausrede für überhaupt nichts. Produziert wurde im Iguana Studio, das einst Necrophagist, oder besser Muhammed und Prügelknaben einiges an Spektakulärem entlockte. Deshalb stimmt der Sound auch und auch das künstlerische Potential des Gitarristen steht dem mal wieder auf Eis liegenden Necrophagen nicht unbedingt nach. Nur die Richtung ist die eines emotionslosen, synthetischen Kunstproduktes, auf der Suche nach Antimaterie im luftleeren Raum. Die Riffs und Beatdowns sind einfach zu gewöhnlich um den Hauch des Außergewöhnlichen an sich vorbei ziehen zu lassen, die Growls zu sonor um echtes angewichstes oder zorniges Gefühl zu transportieren. Der Death Metal Part, der an Bands wie Gorguts und Cryptopsy erinnern mag, versinkt in banalen Zutaten der Deathcore Szene. Es ist in der Regel nicht genug, zu frickeln wie der Hahn auf der Henne und unverhofft zum Abschuss zu kommen, das Gesamtbild muss stimmen. Und Spaß machen sollte es auch, einen mit ausgerenktem Kiefer im Fahrtwind stehen zu lassen, ist unfair. Aber daraus macht sich das Pariser Quartett gar nichts, zwirbeln lieber für sich ein ums andere mal den Verstärker gegen die Wand, überschätzen die Wirkung der eigenen Fähigkeiten und setzen ihre Reise lieber allein fort. Melancholie und Traurigkeit werden vom Label zusätzlich hinein interpretiert, was aber voraussetzt, dass Düsternis mit Tiefgang irgendwelche Tantiemen an der Musik hätte. Und da wird der Sucher nicht wirklich fündig. Mal unpassend auf dem Keyboard zu heulen, um feminine Interessen ins Spiel zu werfen, ist mehr als dürftig. Die spielen sich doch lieber in Selbstbeweihräucherung an den Eiern und zaubern Knoten in die Saiten. Für in modernen Zeiten Erblindete sind YOT sicher ein lecker Fressen und begnadete Genies, für diejenigen unter uns, die noch echte Songs suchen aber lediglich ein ungehöriger Schlag in die Fresse.  Der Pariser Irrläufer soll die Lücke zwischen Beneath The Massacre und Necrophagist schließen, sie zittern leider nur mühevoll zwischen den Polen und bleiben doch im Niemandsland hängen, denn so groß ist die intellektuelle Spannweite dieser Mcd bei weitem nicht. Am Ende steht hier auch nur eine Band von vielen in der langen Schlange des erträumten Erfolges. 
5/10

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