Thursday, May 2, 2013

ARROGANZ - Kaos.Kult.Kreation - Cd / Blacksmith Records



Arroganz jonglieren auf ihrem neuen Album provokant mit 3 x K, was ich großzügig mit dem Morgenritual eines durchschnittlichen Mitteleuropäers übersetze, Kaffee, Kippe, Kacken! Aber im Bandkontext steht das erste K für Kaos in eigenwilliger aber nicht umgehbarer Schreibweise. Chaos nun höchst selbst ist die Abwesenheit jeglicher Struktur, das absolute Durcheinander, Verfall, Verwirrung und der Gipfel der Unordnung. Das erste K beschreibt also ein gewöhnliches Kinderzimmer, das aufgrund ungefährlich aussehender, einlatschbarer Objekte ein größeres Gefahrenpotential birgt als ein südostasiatisches Minenfeld. Wenn dann noch nicht so genau differenzierbare Gerüche und Geräusche unter dem Bett hervormäandern, dann befinden wir uns im 9. Kreis der Hölle und somit im Zentrum des Chaos! Singen Arroganz über Kinderzimmer?

Das 2. K steht für Kult. Nun kultverdächtig ist die arrogante, oder höflicherweise selbstsichere Art der Musizierenden mit der sie die Stücke des Albums runterrotzen. Im  Bewusstsein dessen, das sie dem musikalischen Krönungsritual mit allen Ehren noch ein Stück entfernt sind, klingen sie schon jetzt, als hätten sie alle einsackbaren Pokale bereits in den weiten Manteltaschen der nun ja … Arroganz. Aber Niveau sieht auch nur immer von unten aus wie Arroganz. Nach diesem Motto erschaffen sie sich ihren eigenen Kult und musizieren ganz im Sinne von dicken Eiern und breiten Schultern mit hoch erhobenem Haupt in Richtung 3. K.

Das nun steht für Kreation. Da wird’s biblisch, die Genesis kommt ins Spiel. Und jetzt dampft die Überheblichkeit wirklich aus jedem feuchten Körperspalt. Jetzt werden die Randpolen göttlich, fühlen sich berufen, der Genesis mit schwarzer, bleierner Kritik zu Leibe zu rücken. Wozu Gott 6 Tage brauchte, reicht der Band eine knappe Stunde um den Prozess am Schwanze zu packen und zurück in das schwarze Loch zu stoßen, aus dem alles überflüssige Leben kam. Dadurch erzeugt das Gespann vom äußersten Zipfel der Nation wieder Chaos und schließt somit den Kreis. 

Zusammenfassend ließe sich über das Album sagen, wenn man denn der Interpretationswut freien Lauf ließe, Gott wohnt im Kinderzimmer unterm Bett und hat den weißen Kittel voll, weil da ein unheiliges Trio mit K´s auf der Stirn einen Feldzug gegen die Sittlichkeit und den Anstand, gegen Moral und Bescheidenheit führt. Und trotz so einiger Unstimmigkeiten und einem viel zu langen Album scheinen sie auf der Gewinnerstraße. Wenigstens sind sie laut und rücksichtslos genug, um den Zottelbart unter die Matratze zu jagen. Also ich überschlag mich jetzt nicht, weil mir das Album so gefällt, sondern weil ich die Art mag, mit der die Band die Dinge angeht. Und ich nehme den Interpretationsspielraum den sie da so achtlos hingeworfen haben, dankend an. So preisen wir dn Kult, versuchen uns im Kaos zu orientieren (was nicht so schwer ist, wenn wir uns auf die Musik konzentrieren – die ist nicht so wirr und kompliziert wie impliziert) und betrachten die Kreation, die die Band als Eigentum ins Licht stellt. Eine Kreation, über deren Kreativität ruhig gestritten werden darf, die aber viel mehr richtig gute Momente beinhaltet, als das sie mit Belanglosigkeiten betteln geht. Für ein tatsächlich außergewöhnliches Album, das uns suggeriert werden soll, fehlen aber noch ein paar Pfund Bauchspeck. Das wissen die sicher, denn auch auf geernteten Lorbeeren sollte sich niemand mit Verstand zu lange ausruhen. 
7/10

No comments:

Post a Comment