Wednesday, May 22, 2013

BURIAL VAULT - Incendium - Cd / Apostasy Records




BURIAL VAULT    haben sich auf ihrem neuen Melodienorgasmus etwas ganz Spezielles vor die intellektuelle Flinte geholt; „Fahrenheit 451“, einer der wohl berühmtesten Romane, in dem es um Diktatur, Staatsparanoia, Volksverblödung, Verbot von Büchern und genereller Eigennutzung der grauen Zellen geht. Neben „1984“ eine der beängstigendsten Utopien, die keine ist und niemals war. Und an ein wenig unterhaltsames Thema wagen sich nun 5 Norddeutsche, singen von Unterdrückung und Neugier, Verzweiflung und irgendwo auch vom Schimmer am Horizont. Somit ist nahe gelegt, dass es der Band lyrisch zumindest um Anspruch geht, und plakative Geschichten von Tod, Teufel, nacktem Fleisch und ekligem Gekrötze nichts im Radius der Akteure zu suchen haben. Aber wie nun setzen sie das Vorhaben musikalisch um? Tja und auf dieser Ebene hat der Kahn immer mal wieder Schieflage, auch wenn er wacker den Kurs hält. Mit einem Stilmix aus Death und Black Metal, der immer, manchmal zu verkrampft, auf melodiöse Vielfalt ausgerichtet ist, versucht die Band dem konzeptionellen Anliegen ihrer Texte Ausdruck zu verleihen. Und kreativ ist es zumeist tatsächlich, Leadgitarren flitzen und beweisen sich mit schöngeistigem Bangerfutter, die Vocals jonglieren wie ein Paarlauf zwischen Growls und Screams, und ein Göteborg – Solo nach dem anderen gibt sich die abgeriffelte Klinke in die Hand. Den Parts, bei denen Melodic Death Metal wie eine weiße Fahne vom Balkon hängt, fehlt im Nachklapp leider Biss, die wahrlich zu weich angesetzten Spielerein verfusseln sich schnell mal in Selbstgefallen. Dann gibt es Momente, die sind nahezu gewöhnungsbedürftig, wenn beinahe poppiger, cleaner Gesang die Nägel durch die Socken schießen lässt. Melodien gut und schön, ein guter Musiker muss sich auch selbst bestätigen, wenn sich der Spaß aber zwischendrin immer mal wieder auf die eigenen Füßen tritt, dann ist es irgendwann nicht mehr ganz so unterhaltsam. Bei Gasalarm steht dann eher Black Metal auf der Agenda, und dann geht das Tempo forsch in Angriffslaune über, dann wird straff und aggressiv gespielt. Leider aber doch zu selten, so fehlt dem Album der Nachbrenner, der einen dazu bringt, die Scheibe noch mal hören zu wollen und jeden Song zu rocken. Etwas kompakter wäre interessanter. 

Aber seien wir mal nicht so, denn klar ist trotzdem, dass der Band eine Rille gelungen ist, die in künstlerischer Hinsicht kein Blatt vor den Mund nehmen muss. Wenn die Musiker entschieden haben, ihre Stücke gern etwas getragener und ausführlicher zu gestalten, dann ist das auch legitim. Spannend ist doch zu sehen, wie sie ihre vielen Einzelideen zusammensetzen, wie sie ihre Instrumente gegen jegliche Kritik erhaben, beherrschen. Zusätzlich stolpern wir immer mal über akustische Lichtblicke, die zur Bestätigung des musikalischen Anliegens auch berechtigt dorthin gehören. Und da die Jungs es offensichtlich nicht darauf anlegen, die brutalsten, rohsten und rücksichtslosesten Schergen unter Gottes blauem Himmel zu sein, passt das schon. Wer es eben gern harmonisch und eine klitzekleine Spur düster, vertretbar aggressiv und endlos verspielt mag, der heiratet entweder seine Jugendliebe, wird mit ihr gemeinsam fett und faul, oder kauft sich „Incendium“, und bringt das Planspiel Dauerbeziehung in etwas unter einer Stunde durch. 

Aufgenommen wurde im Soundlodge (oder muss das korrekterweise – in der – heißen?), was jedem klarmachen sollte, dass der Sound messerscharf und bis in den letzten Winkel stimmig ist. Der erwähnte dezente Druckverlust ist ursächlich bestimmt nicht hier zu vermuten. Unterm Strich ist es ein passables Zweitwerk geworden. 
6/10

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