Thursday, May 2, 2013

DECREPITAPH - HUMILIATION - Split 7 - Eldritch Lunar Miasma Records



Elektrokutioner und sein DECREPITAPH sind wie das Geschwisterpärchen, das durch den Wald schlendert und Brotkrümel fallen lässt. Die dienen in diesem Falle aber eher nicht dazu, den Rückweg zu finden, denn rückwärts will sich der Meister nicht bewegen, sondern dazu, dass seine Gefolgschaft immer auf Spur bleibt. Das Duo Elektrokutioner / Sinworm liebt es offensichtlich, jeden Song einzeln zu veröffentlichen, bis es irgendwann doch wieder für ein Album gereicht hätte. Daraus lässt sich natürlich kein Vorwurf erheben, für Vinylsammler ist da schnell der Koffer voll, und das ist auch schön. Außerdem verbirgt sich dahinter ein bodenständiger Undergroundgedanke. Und Elektrokutioner, der auf so vielen Hochzeiten Strumpfbänder abtanzt, so viele Projekte zu laufen hat, weiß ganz genau, wie wichtig gegenseitiger Support ist und vor allem wie viel Spaß das macht. Quasi ist er der amerikanische Johansson, nur mit eigenem musikalischem Hintergrund, heimatverbunden. Deswegen ist die Musik herrlich stumpf, wie ein verrostetes Fischmesser, kommt ohne technischen Firlefanz aus und gibt sich keine Mühe, den Staub der Jahrzehnte abzuschütteln. Da zeigt sich das neue Stück ebenso unflexibel wie alles was unter dem Banner Elektrohansson erschienen ist. Dieses sture Vorgehen ist Markenzeichen des amerikanischen Traditionalisten, der die Keule dem Sezierbesteck vorzieht, der mit grobmotorischen Tönen mehr als zufrieden ist. Das sich da nun nicht der Gipfel der Genüsse aus einer makellosen Schale pellt steht wohl außer Frage, denn wo ranziger Friedhofscharme drauf steht, sind keine frischen Leichen drin. Ist gewiss nicht ihr bestes Stück, das das Duo präsentiert, immerhin aber bleiben wir von unangenehmen Überraschungen verschont.

Der Partner bei dieser Aktion sind HUMILIATION aus Malaysia, die gerade ihr 4. Album veröffentlichen und kurz zuvor noch eine herzlich trockene Umarmung mit ihren amerikanischen Kollegen durchstehen mussten. Deren Musik ist dann nicht wesentlich different zu der der Kumpels, vielleicht etwas flotter, aber genauso old school verwurzelt wie auch unspektakulär. Ein simples Riff als Grundidee, darum herum dezent aufgebauscht, das Tempo etwas zügiger als die schlotternde Dampframme von der Westküste und zu ist der Karton. Ein paar Kanonenschläge und Säbelrasseln, etwas Kriegsspinnerei dann unterscheidet man sich zumindest lyrisch, eine Rolle spielt das aber nicht. Auf den großen künstlerischen Anspruch und Tiefgang muss bei dem Release niemand hoffen, wer die 7er in die Hand nimmt, weiß das im Grunde aber schon vorher. Nun bleibt es an euch hängen, ob ihr für rund 9 Minuten Musik Geld ausgeben wollt, denn geeignet ist diese schmale 7er eher für Puristen und echte Sammler denn als Gebrauchsgegenstand. Klar, wer die Musik nicht mag, das Format aber aus praktischen Gründen bevorzugt, der macht auch ohne den zu erwartenden Hörsturz das Portemonnaie schlank. Kann man auch in den Kirschbaum hängen, wenn man’s vorher mit Spiegelfolie beklebt, als Frisbee für den Hund, wobei die Dauer des Gebrauches wohl recht beschränkt sein dürfte. Vielleicht kann man sich mit genügender Stückzahl auch den Keller fließen und dort zwischen Gurkengläsern und Kartoffeln ein abspritzbares Kämmerchen einrichten. Weil beide Bands wenig Fantasie mit ihrer Musik haben, alles nur immer uni – graus sehen, dürft ihr mit deren Produkten umso kreativer sein. Natürlich reicht es auch, wenn ihr euch mit den Ergüssen aus der düster, doomigen Todesfeder den Rest gebt.
6/10

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