Tuesday, May 14, 2013

GREEDHALE - No One In Their Right Mind - Cd / Bizarre Leprous Prod.



In GREEDHALE aus dem schönen Tschechengrindle findet sich so einiges wieder. Von Beginn an muss klar sein, dass unseren östlichen Nachbarn von Böhmen bis Schlesien über eine einmalig aktive Szene verfügen, die immer wieder und beständig qualitativ beeindruckende Musiker und deren mitgeschleifte Alben aus diversen Verstecken zieht. Bands die sich international mit aller Berechtigung schnell einen Namen gemacht haben und die auf den Brettern brennen wie selbstgebrannter Grubenfusel. Alles sehr lebendig und enthusiastisch – wissen wir eigentlich. Wo also stehen da GREEDHALE? Zum einen zockt die fast komplette Besatzung des Death & Grind Kreuzers Devastathor vor Ort, was nahe legt, dass es sich hier um einen Namenstausch mit musikalischem Richtungswechsel handelt. Desweiteren finden wir erfreulich kompromisslose Vergleiche zu Extreme Noise Terror, Napalm Death aber auch Nasum und Rotten Sound. Die neue, alte rissige Geradlinigkeit beinhaltet also urwüchsigen Hardcore und rasend schnell und klug konstruierten Grindcore mit entsprechend lyrischer Botschaft und somit auch einen gewissen Anspruch für Korrektdenker. Kritisch, aufrichtig in Sachen Musik wie auch mit gewollt provokanter Aussage, das sind die Kernstücke eines Albums, das vielleicht als Debüt verstanden werden muss, da sich die Band nicht nur wegen des neuen Namens an einem Wendepunkt befindet. Ansonsten sind sie wohl kaum grün hinter en Lauschern, gingen sie mit dem Vorgänger doch schon seit 97 auf die Bühne. „No One…“ nun ist ein Geschwindigkeitsrausch in dem nahezu jede Geschichte unter 2 Minuten zu einem harschen Ende geführt wird. Das ist sicher nicht unorthodox wenn die Babuschka Grindcore auf das Banner gestickt hat, was wirklich bemerkenswert ist, ist die Tatsache, dass es den 4 Zappelkaspern gelingt, ihre Version von Old School „Kleinholzspalten und Betonstiefel gießen“ mit technischen Aspekten zu versehen, die wirklich an das heran reichen, was namhafte Clubfüller vorgelebt haben. Mit der richtigen Einstellung, genug Puste und einem offenen Kopf rütteln sich solch ausgezeichnete Szenealben eben auch mal die Kruste festgefahrener Gewohnheiten ab und lassen durch den Panzer brutaler Abgebrühtheit gern das Glimmen eines neuen Durchstartens erkennen. Latent grooviger dreschen sich GREEDHALE vereinzelt auch durch Songs, die etwas aus dem Zeitrahmen schlagen, nun aber weiß Gott nicht in die Verlegenheit geraten, die 3 Minuten Marke zu sprengen. Ein wenig mehr an Spielzeit bedeutet dabei nicht zwingend mehr Inhalt, nur etwas weniger der Erdanziehung unterliegender Bleifuß, etwas weniger Hardcore, aber immer noch Grind. Dann schleicht sich verhalten eine dezente Rock Attitüde ein und der liebreizend ins Ohr stechende Radau wird tanzbarer. Solche Nummern erscheinen unter den 17 insgesamt recht rar, bieten so aber einen nennenswert positiven Kontrast, einen Kontrapunkt der auch hier wieder beweist, mit wie viel Köpfchen die Stücke geschrieben und arrangiert sind. Das Hauptaugenmerk des Albums liegt also gar nicht so offensichtlich auf den „Pogo - Punk – Fresse - Blutig“ Aspekten, sondern ist eindeutig an einem ausgewogenen Konzept interessiert. Dann dürfen nämlich auch Riffs verarbeitet werden, die selbst im Death Metal Bestand hätten, nur dass sie hier wesentlich zackiger und kürzer ausfallen. Über den Tellerrand anderen auf die eingestaubten Stiefel kotzen, das Talent möchte ich GREEDHALE aufrichtig und von Herzen bescheinigen, ihnen einen Orden mit selbstgewähltem Inhalt an die Bluse knoten und ein Album loben, das sich aufgrund seiner vielen unterhaltsamen und intelligenten Ideen einen Platz im Zentrum des aktuellen Grindcore verdient hat. 
8/10

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