Sunday, May 26, 2013

JOHANSSON & SPECKMANN - Sulphur Skies - Cd / VIC Records



Es ist das größte und scheinbar einzige Hobby des Herren Johansson, neben seinen regulären Bands versteht sich, nach namhaften Musikern innerhalb der Szene zu suchen, denen er seine Kompositionen auf den Kadaver tätowieren kann. Und dieses mal ist es eben Speckmann. Der nun aber ist scheinbar nicht für einen kryptischen Bandnamen bereit, hat aufgrund seiner extrem langen Präsenz im Death Metal nichts zu verbergen. Als der Mann, der einst den Faden aufnahm, lebt er so viel Selbstbewusstsein, dass dieses Projekt schlicht JOHANSSON & SPECKMANN heißt. Aber Johansson steht vorn, dass auch berechtigt, klingt die komplette Scheibe doch auch nach ihm, nach alter schwedischer Schule fast ohne Kompromisse. Nur die Friedhofsharmonien anderer namhafter Vertreter bleiben außen vor. Das ist bekanntlich auch nichts für Rogga. Inwieweit Speckmann selbst involviert ist, ist mir nicht bekannt, wird aber schon ein Wörtchen mitgeredet haben, der graubärtige Priester. Dass er mindestens gleichberechtigt ist, zeigt er, indem er alle Vocalparts übernimmt und sein schwedischer Kunpel die Klappe hält. Rauchig und gepresst wie Froschlaich im Herbarium quetscht er seine Stimme zwischen die schweren Riffs und die begleitende morbide Atmosphäre. Lediglich im Chorus darf Jonasson mal mitmischen. Aber der Rhythmus und sämtliche soundintensive Ausrichtung weist nach Nordeuropa, mit nur wenigen typischen Master Zugaben. Vielleicht sind die Stücke etwas trockener und latent US – thrashig im Speckmann Sinne, das könnte zutreffen. Überraschend ist das Ergebnis des Albums nicht wirklich, sind beide doch viel zu routiniert um wirklich noch für große aha – Effekte gut zu sein. „Sulphur Skies“ ist brauchbare und unterhaltsame Kurzweil, viel mehr nicht. Klar, das Gebotene macht einen überaus starken Eindruck, knallt wie klumpige Puddingsuppe vor den Sabberlatz und reißt jeden mit, der die Werke der beiden schätzt und liebt. Jedes Stück hat enormen Drive, leistet sich niemals Aussetzer und schreitet in straffem Marschtempo die Reihen der Gefallenen ab. Den Helm auf Hochglanz polieren, das dürft ihr aber nicht erwarten. Dahin wollen die beiden sicher auch nicht, die ziehen stur ihr Ding durch, das sie seit gefühlten Äonen ins Blei ritzen, bleiben sich mit jedem Anschlag treu. Die Mischung, die wie gesagt zu Lasten des Schweden geht, macht aus „Sulphur Skies“ aber auch so was wie ein Unikat, ein Monstrum auf Klumpfüßen, beißend und sabbernd, selbst wenn mancher Zahn etwas locker sitzt. Wer hat denn schon mal Speckmanns Kehlkopfquetsche auf Elchtod gehört, das allein macht eine Rille wie eben diese zu einer Kaufempfehlung. Da ist es beinahe egal, dass die musikalische Seite nicht viel mehr bietet, als wir es von den Brüdern im Geiste sonst auch gewöhnt sind. Die Verbrüderung dürfte sich auch irgendwie selbst erklären, da muss jedem klar sein, wohin die Reise geht. Dass es nie mehr als stumpf, hart und ehrlich zugeht steht doch wohl außer Frage. Ein Dutzend Brechstangen lang ziehen die uns die rohe Keule über den Kopf, verlassen den Tempofpfad, der flott angespielten Nackenbrecher nicht ein einziges mal, und kümmern sich nicht die Bohne darum, dass sie keinen herausragenden Burner mit aufgenommen haben. Da bekommt man das Gefühl, und Recht haben sie ohnehin, dass sie niemandem was beweisen müssen, solange die Gitarren sägen und die Drums poltern. Solange der Spaß unverkrampft, extrem locker und doch stahlhart an den Mann gebracht wird. „Sulphur Skies“ steht für metallische Ungezwungenheit zwischen den Kontinente, dafür dass kantige Musik Vergnügen vermittelt, selbst wenn sie aufgrund ihrer Ausrichtung gar nicht so klingt. Death Metal ohne Schleife und überflüssiges Lametta, einfach nur direkt. War doch von vornherein klar, oder? 
7/10

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