Tuesday, May 21, 2013

LANTERN - Below - Cd / Dark Descent Records



Dass der Finne eines der besten Bildungssysteme Europas hat, und dieser Fakt ihm rein gar nichts nutzt, beweist sich in der Tatsache, dass er gleichzeitig prozentual eine der höchsten Alkoholikerraten an der Leine spazieren führt. Mag es an Strukturschwäche, wirtschaftlicher Bedeutungslosigkeit oder dem stiefkindlichen Verhältnis zu den ihn traditionell einkesselnden Russen und Schweden liegen, oder hat es was mit perspektivischer Chancenlosigkeit in einem Land das nur aus Wald und Seen besteht, zu tun? Es gibt wahrscheinlich schon genug Holzfäller, Förster und Rentierschlittenlenker dort oben. Was aber daraus geboren wurde ist die düstere Seele in der Metalszene, da gibt es so viele traurige Suizidalverdächtige, die ihre Depressionen in niederschmetternde Kompositionen sägen, der Faktor Angst dominiert gar deutlich. Old School und Doom, dafür sind sie dort bekannt, großartige, gleichwohl verstörende Acts lassen seit Angedenken des Death Metal ihre verzweifelten Kanons aus den Forsten und Hainen ertönen. Seit einiger Zeit gehört das Duo LANTERN zu jenen Erschreckern. Deren Laterne flackert in künstlerischer Hinsicht halbwegs anständig, manchmal unerschrocken Licht spendend und in vergleichbarem Anteil unter den Stürmen der Zeit zitternd. Im Gegensatz zu ihren Kollegen versuchen sie sich ein ganzes Stück epischer, technischer und schieben die meisten Stücke auch mit mehr Energie, mehr Geschwindigkeit an. Das kann sowohl interessant und mitreißend klingen, als auch nerven. Interessant, weil sie aus ihren Instrumenten intellektuell betrachtet einiges heraus hohlen, die Leadgitarre weinen lassen was das Zeug hält und bei den Riffs gern Black Metal dominiert schreddert, und auch wegen des latent orientalischen Kicks. Der Drummer rattert meist schwarz und unauffällig aber stabil an seinem Kit, und auch die sehr gut verständlichen Vocals kratzen heiser am Gipfel des Wohlgefallens. Und nervig weil alles nach dem gleichen Strickmuster geschieht, wirkliche Spannung und Aufregung scheinbar  vermieden werden soll. Durch toxische Substanzen oder persönliche schwarze Löcher Geschädigte benötigen aber auch eine Konstante, einen festen Rhythmus und können kaum mit Abweichungen von der Tagesordnung umgehen. Aus diesem etwas augenzwinkernden Blickwinkel des nicht ganz zurechnungsfähigen Betrachters sollte sich so etwas wie Verständnis breit machen. Man kann es auf Dauer aber auch unvoreingenommen langweilig finden. Zusätzlich, und da kommt die Band nicht umhin, ist der Sound zu schrill und drückt keine Mücke an die Wand. Die meiste und beste Arbeit leistet tatsächlich das Klangspektrum, dass sich von den 6 Saiten ergießt, klassische Momente sein Eigen nennt, wenige aber gute Riffs vorstellt, auf die Tränendrüse drückt, technisch sehr umgänglich mit dem Ohr anbändelt und nie aufhört noch mal einen neuen Aspekt zwischen Death und Black zu suchen. Die Bestie zerrt beständig an der Kette, aber lösen will sie sich nicht so recht, qualitativ ist das wonach sie schnappt bestimmt kein Kindergarten, das blutig Reißen und Zerfleischen will ihr aber nicht so recht gelingen. Bedauerlich, dass ihr Geifern nur bedingt funktioniert, sie bei allen bösen Absichten strauchelt, und dass bei den Herren trübsinnig vor kompromisslos und aggressiv geht, die wahrscheinlich besseren Momente in einem verschwommenen Sound absaufen. Eine anständige Produktion mit echten Bässen und klareren Strukturen hätte wohl noch ein paar Körnchen auf der Waage des positiven Geschmacksempfindens drauf gepackt, das Album im positiven Sinne gelevelt. So müssen wir uns halt Mühe geben, um all das mitzubekommen, von dem wir hoffen, dass es da irgendwo drinnen steckt. Ganz weit unten, so wie es der Albumtitel suggeriert und gleichzeitig auf die psychische Verfassung von 2 Ganztagsgestörten anspielt. 
6/10

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