Tuesday, May 7, 2013

OPHIS - Effigies Of Desolation - Do – Cd / Cyclone Empire



OPHIS waren niemals eine Band für Hysteriker und Choleriker, diese Tür bleibt auch für alle Zeit verschlossen, selbst wenn sie die  reinen Pfade des Doom zeitweise verlassen und über raues Gelände brettern. Jede Meile, ob nun knarziger Death Metal oder nihilistische Schwermütigkeit legen sie in ihrem Hamburger Schlafwagen zurück. Die Strecke, die sie da so vor sich hin klappern, rumpeln, schweben und im Freud’schen Sinne gar unter der Decke leiden, ist nicht wirklich eben, nicht spektakulär, vielleicht sogar viel zu unaufgeregt. Und trotzdem rollt die Bahn, quert jeden Bahnhof und lässt sich auch mit Besatzungswechseln nicht ausbremsen, denn Haltesignalen wird in der internen Fahrdienstvorschrift keine Bedeutung beigemessen. Wahrscheinlich ist aufgrund des Trägheitsgesetztes so viel Masse auch nicht leichtfertig zu stoppen. Also geht die Reise seit vielen Jahren in gemächliche, beständigem Tempo durch die Nacht, egal ob sich der Kurs kreisförmig oder gezielt dorthin bewegt, wohin die Band das Ruder befielt. So kann es geschehen, dass in ebenjenem Schlafwagen gelangweilte Passagiere immer mal wieder eingeschlafen sind, unerweckbar der Umarmung komatöser Zustände nachgegeben haben. Ebenso gut kann es sein, dass die Luft so bleihaltig ist, dass das Atmen schwer fällt und das Hämmern uralter Motoren und Maschinen ein Hinweggleiten unmöglich macht. Zahlreiche Bahnkunden werden die Leistungen von OPHIS, ihre überdehnten Songs und ihre walzenartige Melancholie mit Leidenschaft würdigen und verehren, sich mit einer Dauerkarte im Salon niederlassen.
Jenes neue Doppel – Digi – Dingsda vom Imperium enthält Teile der Frühwerke, schweres Kanonenfutter, düstere Verzweiflungsverzerrungen, klassische Doom – Stücke und weinerliches Unkraut. Auf den Punkt handelt es sich um das Gähnen und  Strecken der Jahre 2004 -2007, respektive einer Anzahl von Live und Demosongs. Der Lavastrom mit mal mehr, mal weniger Gefälle Richtung verwüstetes Land beginnt mit der 2007er Langrille „Stream Of Misery“, was den musikalischen Hau der Akteure ziemlich genau beschreibt und schon seinerzeit den Musikexorzisten rezeptpflichtig an der Proberaumtür hätte schellen lassen müssen. Es schließt sich dann die 2004er Ep „Nostrae Mortis Signaculum“ so wie das Bonuszeug an. Der „Schmerz“ währt grammatikalisch wohl etwas fragwürdig bis ans Ende, Pazuzu wird mit beeindruckend massiver Wucht angerufen, das ganze Repertoire ist sehr präsent, sehr sinister und hat den Charakter einer Brechstange, die sich viel Zeit lässt, Stahltüren aus den Angeln zu wuchten. Was sich bietet, ist ein künstlerisch morbides Mahlwerk, ein ausdauernder Knochenbrecher für Fans. Dieser Version des Doom, der auf seine ganz spezielle Art ereignisreich ist, ohne dass man es von außen gleich bemerkt, funktioniert nicht wie ein vom Winde angefachtes Steppenfeuer, sondern viel mehr wie die verglühende Asche danach. Erst mal ist sie Zeichen für Vernichtung und Vergehen, späterhin aber Garant für einen nährstoffreichen Boden. Also sollte die finstere, zornesgleiche Musik der Hansestädter gar nicht zwingend als tageslichtabweisend verstanden werden. Oder doch, ohne gewollt negative Ausstrahlung geht ja auch die Glaubwürdigkeit verloren.
Ob es letztendlich von Nöten ist, die Neuauflage zu erwerben, liegt ganz im Auge, oder eher am Verstand des Betrachters. Da beide Originale wohl nicht mehr marktpräsent sind, könnte das Zwiebelleder berechtigt entleert werden … wenn ihr denn auf aggressive Action verzichten könnt und gern die morsche Keule träge rotierend in eurem geistigen Anus bevorzugt.

No comments:

Post a Comment