Friday, May 3, 2013

PAGANIZER - World Lobotomy - Cd / Cyclone Empire



Uuuund da isser wieder, der Meister der Umtriebigkeit, der Herr der Alben, der Mann an dem die Gitarre festgewachsen ist. Muss er essen, trinken, schlafen, scheißen?... natürlich nicht, der Held der metallischen Spontanerektion braucht keine Babypause. Mr. Johansson funktioniert frei nach Descartes erstem Grundsatz  „Ich musiziere, also bin ich!“. Wer mit allen Kumpels und wildfremden Typen die die eigene Schneise kreuzen immer gleich eine Platte macht, der kann sich seiner Kreativität doch ums Verrecken nicht mehr bewusst sein. Der stellt doch auf automatisch, genauso wie eine Kuh die auf die Wiese kackt, hebt einfach den Schwanz und platsch da liegt der Haufen. Nicht dass ich Schaffen dieses Vollzeitirren mit Fleckviehscheiße vergleichen wollte, weit gefehlt. Bei all dem Krempel den der Meister raushaut ist so gut wie nie ein Griff ins Klo dabei gewesen, nein ganz im Gegenteil muss man über die Qualität der vielfältigen Kreationen nicht diskutieren. Wir hören den Namen und das dazugehörige Projekt und wir wissen was kommt. Weil er weiß was wir wollen? … mhhh…eher nicht, das dürfte ihm völlig an der Hose vorbei gehen, er kann nur halt nicht anders als alles was zwischen den Nervenenden blitzt auch hörbar zu machen. Über den krummen Daumen tragen bisher um die 70 Releases seinen Stempel und nichts davon gehört in die Ecke gekehrt oder fortgespült. 

Tja und nun kehrt er mit seiner Hauptkampftruppe zurück, spuckt das nunmehr 9te Komplettpaket aus und strahlt die gewohnte Selbstsicherheit aus, die ihm zu eigen ist. Da growlt das wandernde Baseballcap wieder herzerfrischend hinterm Mikro und stachelt seine Kompanie an ebenbürtig entarteten Irren zu neuen Schandtaten im gewohnten Stile an. Die legen sich ins Zeug, als wäre es das erste mal und aller Enthusiasmus noch frisch, das Konstrukt PAGANIZER noch so jung wie der Frühling. Keine Abnutzungserscheinungen, keine Kratzer am eigenen Image, immer noch frisch und fröhlich dabei, das zollt mir Respekt ab. Die Schweden tun einen Scheißdreck um am eigenen Prinzip zu rütteln, verändern nichts und umgehen die Gefahr der Langeweile ohne mit der Wimper zu zucken. Morbide Melodien, straff gewickelter Erzählstil, partiell crustige Riffgewalt, im Grunde alles was zu einer schwedischen Bleitorte gehört. Die Bude rockt und fertig ist der Lack. PAGANIZER setzen nicht auf genreübergreifende Glanztaten, nicht auf artfremde Testläufe, nicht auf technisches Chaos und pseudoanspruchsvolle Disharmonien. PAGANIZER bleibt der rohe und sympathische Old School Tieftöner, der sich über seine Wurzeln im Klaren ist und auch immer eingängig sein will. Unter dieser Prämisse gelingt auch Nummer 9 ohne anzuecken, bedient uns mit reichlich Bangerfutter und macht immer noch lange nicht satt. Gleich nach dem Intro wird sich niemand schwer tun, voll einzusteigen, denn komplizierte Strukturen überlassen PAGANIZER gern jenen, die noch ein paar zusätzliche Knoten in den kleinen Gelenken vertragen können. „World Lobotomy“ bietet ein weiteres mal leicht verdauliche Kost, was aber bitte nicht mit belanglosem Einerlei verwechselt werden sollte. Auch diese Scheibe funktioniert weil sie flexibel schwere Riffs und melodiöse Friedhofsatmosphäre verknüpft, weil sie den Punk nicht vergisst und jede Menge Spaß mit der blutigen Keule verbreitet. Somit ist Johansson und Vollzeitkräften ein typischer Vertreter schwedischer Bleikunst entwichen, der zeitlos durch die Äonen rocken und knüppeln wird, wie all seine Vorgänger und hoffentlich noch viele Nachfolger. 
8/10

No comments:

Post a Comment