Thursday, May 30, 2013

QUEST OF AIDANCE - Misanthropic Propaganda - Cd / PulverisedRecords



So klingt Grindcore in Zeiten von nicht planmäßig stattfindender Erderwärmung! Irgendwas muss uns ja die Enttäuschung nehmen, dass die natürliche Apokalypse nicht wie geplant ins Rad der Geschichte greift,  irgendwas muss jetzt dafür einspringen, dass die Polkappen ein wenig unter Hitze gesetzt werden. Und da ist extraterrestrische Hilfe gern gesehen, oder wenigstens Ersatz aus Schweden. Da QUEST OF AIDANCE Pate für Sci – Fi -  Death Grind stehen, müssen die mit ihrer spacigen Meise nun Verantwortung übernehmen, und den Eisbären und Pinguinen, je nach territorialer Gepflogenheit, das Langstreckenschwimmen antrainieren. Aber ob die das Zeug zum fauna-tauglichen Überlebenscoach haben?  Am ehesten sehe ich die Band aus Südschweden als Mischung aus Nasum und Blood Red Throne. Ich weiß, der Vergleich hinkt ziemlich, aber die grobe Richtung dürfte wohl hinkommen. Den Zielsensor haben die Terrorspechte und wackere Kämpfer gegen 3 Akkorde – Verbleiung auf einen viel moderneren Quadranten ausgerichtet. Melodie spielt eine ebenso große Rolle, wie Synthies. Künstliche Tonfolgen, bei denen die Weltenraumbegeisterung immer wieder tragend wird, lässt das Gefiepse teilweise nach einem Theremin klingen, das besser zu Star Treck passt als in die skandinavische Provinz. Es geht aber auch dick wabernd oder nur rudimentär begleitend – oder gar nicht, wenn es an den richtigen Stellen die Schnauze hält. Ständiges Rampenlicht ist für das Instrument löblicherweise nicht vorgesehen, dient es doch eher der Untermalung… wovon auch immer. Wer also nach den klassischen, eben erwähnten Bands im direkten Einflussbereich von QUEST OF AIDANCE sucht, der mag enttäuscht in seinen Raumgleiter steigen und andere galaktische Nebelbänke abgrasen. Viel eher werden Fans von In Flames fündig, deren deutlich zu sauber gestrickten Sound und deren Verspieltheit machen sie sich nämlich auch zu Eigen. Dann frickeln sie sich auch ganz gern mal einen zusammen, wobei die Solis immer öfter den homogenen Anschluss verlieren, irgendwie separat stehen, und somit wie aufgezapft erscheinen. Instrumentale Liebeleien können sie auch, legen sie damit erst mal los, wird es warm ums rotte Herz, dann schmilzt die Kalkschicht und die Gefäße weiten sich, weil die Musik plötzlich mehr zur Jazz – Lounge auf MDR – Figaro passt, als auf ein, wie modern auch immer, Grind und Death Metal Album. Keyboardteppiche werfen einen orchestralen Schleier über das ein oder andere Riff und geholzt wird mit Begeisterung bis in den letzten Zipfel einer feinmechanisch ausgebürsteten Produktion. Generell ist mir das schon viel zu sauber, die dreckige Ehrlichkeit eines Knüppels fehlt mir völlig. Und dennoch will ich an der Kreativität der Protagonisten nicht zweifeln, schreiben und spielen sie einen durchweg straff strukturierten Set, mit einigen spannenden Wendungen und ohne Langeweile. Wer nach kerniger Authentizität einer wütenden Krawallkombo strebt, dem sein bei diesem etwas zu kleinlich geschmiedeten Eisen gebührender Abstand geraten, denn die Musiker überlassen nicht etwaiger Spontanität und kneifen auch kein Auge zu, wenn ein Hit mal nicht punktgenau sitzt. Auf rohe und kantige Sprödheit verzichten sie gern zugunsten hoher Musikalität, die unbedingt und permanent präsent sein muss. Am Ende sollte man gar nicht glauben, dass das so funktioniert hat, wenn man weiß, dass die einzelnen Komponenten aus diversen Studios stammen und erst in den  Panic Room Studios zusammengefügt wurden. Da hat also auch der Produzent noch die Hand drauf und streicht der Band möglicherweise ein gewisses Quäntchen an Handlungsfreiheit. Wenn die aber ihre Vielschichtigkeit, mit diversen Effekten und synthetischen Klängen, ihre Raserei und ihr internes Verständnis von Harmonien mit Vocals ähnlich eines freilaufenden Tränenschleiers, so verstanden und präsentiert haben wollen, dann fügt sich das Bild. Ist aber trotz akut aufgepepptem Antlitz ein gutes Album geworden, eines dem es nicht an Drive fehlt, sehr wohl aber an erdiger Glaubhaftigkeit. 
6/10

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