Saturday, May 4, 2013

VICTIMS OF CREATION - Symmetry Of Our Plagued Existence - Cd / Cyclone Empire



VICTIMS OF CREATION sind auf ihrer Heimatinsel Malta seit mehr als 20 Jahren unterwegs, und das als Doom / Sludge Band natürlich mit extrem gemächlichem Tempo und mit aller Zeit der Welt. Da muss sich doch wirklich keiner wundern, dass sie erst jetzt ein Album veröffentlichen, auf Malta ticken die Uhren nun mal anders, die Hektik der Außenwelt beeindruckt so einen Eiländer kein bisschen. In die übertriebene Geschäftigkeit anderer Europäer verfallen die nicht, da geht die Siesta schon mal bis Sonnenuntergang. Der durchschnittliche Einwohner ist nur 1.60 m groß und mit ca. 35 ausgewachsen und selbst ihre Hunde, die Malteser, die zu voller Größe gereift wahre Monster sind, brauchen überdurchschnittlich lange, bis sie ihr absolutes Kampfgewicht erreichen. Auf Malta ist alles beschaulich, warum also nicht auch die Musik. 


Die Stücke auf “Symmetry Of Our Plagued Existence” sind überlang aber nicht langweilig oder monoton, sie wechseln zwischen walzenartigen Riffs, dick wie die Decke eines Atombunkers und Melodien, die von der Verspieltheit einer Seebärenkolonie zeugen und nicht zum kuscheln einladen. Natürlich fordert das vom Zuhörer ein gewisses Quäntchen an Geduld, aber es lohnt sich. Sie machen nicht den Fehler immer das gleiche Riff zu zerkauen, zerren uns lieber durch einen abwechslungsreichen und tempokonstanten Set, mit ruhigen Momenten und bleierner Schwerlastigkeit, tiefen Growls und klaren Gesängen. Das passt alles ganz gut, hat manchmal sogar dezentes 70er Feeling wenn es an die Wurzel des Doom geht (The Art Of Despair). Schön ist auch dass sie ein Stück immer anders ausklingen lassen, als sie es beginnen, dass das Konzept zwischendrin immer wieder aufgemischt wird. In bescheidenen Bahnen, ohne irgendwelche kompositorischen Genregrenzen zu verletzen, versteht sich. Kreativität kann man den Jungs nicht aberkennen, so viel wie in umnebelter Gleichmut und mit Betonschuhen eben noch vertretbar ist. Der letzte ewig lange Song, der wohl für die Ewigkeit im Koma geschrieben ist enthält die meisten Variablen und dürfte so mehr als nur interessant sein. Am Beginn steht eine Variante eines schwedischen Death Metal Solos mit Klassikercharakter und etwas kreischendem Sound, danach fällt Schwermut ein, mit echt siechem Rhythmus immer wieder unterbrochen von kurzen Black Sabbath Leads. Der Sänger bleibt davon unbeeindruckt und grummelt seine Botschaft mit nur leicht gesteigerter Emotionalität. Späterhin nimmt die Bahn etwas Fahrt auf, der Gesang wird zweistimmig, wobei der klare Anteil etwas ins Hintertreffen gerät. Darauf folgend kehrt sinistere „Melodienvielfalt“ ein, die vom Bass mit sonorer Dampframme begleitet wird. Dann  wieder geht es tempomäßig in den Schneckengalopp, des weiteren mäandern Solis durchs Feld und weiß der Himmel was noch alles. Nur zum erwarteten Ende hin geht etwas die Puste verloren, wenn das Gruselinstrumental zu lange auf der Stelle tritt, das jedoch lässt sich in diesem Falle gern mal übersehen. Unterm wackligen Strich lassen sie sich dafür dass sie unbedingt auf Doom fixiert sein wollen und von der Geschwindigkeit her auch nirgendwo anders rein passen, recht viel einfallen. Na gut gerade in dem Stück sind über 15 Minuten Platz, um es mit allerhand Ergüssen vollzustopfen. Angegeben ist der Song übrigens mit nahezu 23, das ist aber Augenwischerei, denn hier bespaßt uns wieder die fixe Idee eines Hidden Tracks. Und das bei Doom, wie lange sollen wir denn da warten, bis der finale Schiss das Ende markiert. Und tatsächlich erweist sich die mediävale Fahrstuhlmusik am Schwanze der Geschichte als überflüssig. 



Für Fans von Cathedral bis Solitude Arturnus dürfte das Album interessant sein, also kauft ruhig, wer weiß was in 20 Jahren ist, so viel Zeit zum Warten bleibt manchem vielleicht nicht mehr. 
7/10

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