Sunday, June 30, 2013

THE PETE FLESH DEATHTRIP - Mortui Vivos Docent - Cd / Pulverised Records



THE PETE FLESH DEATHTRIP, vormals lediglich Flesh, ist das zum Egotrip geschrumpfte, äußerst hässliche Baby des Schweden Peter Karlsson. Und wie hässlich die Blage ist, jeder denkende Aufrechtgeher würde eine Petition unterzeichnen, um den Schreihals wieder zurück in den pelzigen Leib der Hure zu stopfen, aus dem er geschlüpft ist. Brüllt mit rotem Wasserkopf rum, als würde nur geronnenes Blut aus der Zitze der ziegenfüßigen Mutter perlen, als würde die Hölle gefrieren und der Himmel Feuer regnen. Da stellen sich dem Papst die Hörner auf, so schrecklich abstoßend ist die Laune der Natur. Die Göre scheint massiv allergisch auf alle heiligen Konventionen zu sein, und röchelt schwarzen Teer aus seinem blasphemisch blähenden Arsch. Und nennt es Death Metal. Dabei hat das Album so viel Death Metal Anteile, wie Magermilch Fettprozente. Vielmehr stellt sich eine Mischung auf alten Bathory und norwegischer Holzkirchenhäme auf. Späterhin mischen sich noch einige Slayer – verwandte Riffs in den Düstersud, vom Sound weniger zu erkennen als von der Spielart, von der Ideologie (Raven ´s Reborn, God Of The Crawling Whore). Death Metal gibt es allerhöchstens mal, wenn die Klampfe aufhört ihren schrillen Veitstanz aufzuführen, und der gängige Quorton - Midtemporhythmus unterbrochen wird. Und das kommt nun nicht allzu oft vor. Fragt sich doch, ob Herr Karlsson nur über Dächer fliegt, oder seine eigene Musik überhaupt wahrnimmt. „Mortui Vivos Docent“ ist für ein Death Metal Album völlig untauglich, den bleich Getünchten musikalisch wie ideologisch wesentlich näher. Hymnenhaft und latent doomig, und einzig wirklich gelungen, kommt ziemlich zum Ende „Bleed“ daher, wenn er Protagonist uns auffordert für ihn (oder Papi) zu bluten, das Hoch an aufblitzender Coolness hält aber nur kurz an. Denn die Rückkehr ins Gewöhnliche folgt auf dem Fuß. Der Bandname und das ziemlich daliistische Cover deuten zugegebenermaßen wenig auf das rußfarbene Konzept des Peter K. hin. Dieses besteht aus stampfenden Rhythmen ohne viel Spielraum, kalten Melodien und heiserem Gekeife, wie nach 60 Zigaretten und 2 Kisten zu warmen Bier. Bei den schnelleren Parts blinkert dann immer mal so was wie Todesblei durch, aber das hält nie lange, dann kreischen Gitarre und Gesang wieder aus dem tiefen Forst. „Mortui Vivos Docent“ ist irgendwie halbwegs passabel gelungen, sägt aber nun nicht die Beine von Hocker, schürt Erwartungen, denen es nicht ansatzweise entspricht. Nicht dass das nur an eingerostetem Schubladendenken liegen mag, nein es wird eine Schublade mit völlig falschem Inhalt beschriftet. Innovation und Mut Grenzen zu überschreiten wohnen dem Alleingang des Herrn K. nicht inne. Ich weiß nicht wie es auf den vorigen Alben war, aber jetzt wo er die Zügel völlig allein in der Hand hat, der Bestimmer im Sandkastens ein darf, da schrumpft der musikalische Horizont auf einen persönlichen Hinterhof zusammen. Dort wo der Lärm der Nachbarn als Inspirationsquelle gerade noch über hohe Mauern schwappt und der Duft der weiten Welt nur noch als miefiges Aroma zu erahnen ist. Für Black Metal Fans, die nicht zwingend auf Geifer spritzende Raserei stehen, es hier und da auch mal gemächlicher mögen, ohne das Licht die allgegenwärtige Schwärze der Kinderseele stört , für die wird THE PETE FLESH DEATHTRIP schon das passende sein. Die kriegen dann ein paar eisige Harmonien, diverse Disharmonien, die Dissonanzen dazwischen, verpackt in einen Rhythmus der nicht herausfordernd ist, und so ganz simpel zwischen 2 metaphorische Süßbrothälften passt und sich ohne Anstrengung, zur Not auch zahnlos schlucken lässt. https://soundcloud.com/pulverised/the-pete-flesh-deathtrip
5/10

Thursday, June 27, 2013

SKELETAL SPECTRE - Voodoo Dawn - Cd / Pulverised Records



Was ist das für ein morbider und grimmiger Schwedenscheiß geworden, das lässt glatt die Toten ihre Särge tapezieren, eine Bar in der Gruft anlegen und den Priester zum Gelage einladen. Wüstes schänden, brandschatzen und Ideen klauen, was das Lager hergibt, das würde Freude machen. Jede verfluchte Leiche hätte Spaß mit Old School Schwedensound, amerikanischer Frühtoderfahrung, keifender wie growlender femininer Unweiblichkeit, mit einem Album, das markante Hoocks zu Hauf platziert und so ein richtig giftiger Schmorbraten aus Oma Teufels´ Höllenküche ist. Non – Stop – Drive, morsche Gelenke schütteln Arthrose ab und steife Nackenwirbel entkrusten sich ohne das Zutun medizinblinder Dilettanten. Aber da Tote nun einmal nur mühsam zu motivieren sind, bleibt so ein Eisen mal wieder an uns Lebenden hängen. Auch gut, bringt es uns doch mit passender Untermalung dem ultimativen Gesamtziel näher. Blubbernder Sud aus tiefgelegter Gitarre, beängstigend krankes Melodieverständnis und bollernder Rhythmusbatterie, das ist es, was in der Beileidskarte des letzten Geleites stehen soll. Und mit krakeliger Handschrift, nicht ganz nüchtern in der Birne, wahrscheinlich auch mit kalten Lötstellen im Vernunftsschubfach, wird die schräge Widmung auch genauso zu Papier gebracht, oder besser auf Cd natürlich. Ein Mid – Tempo Stampfer nach dem anderen rockt und groovt die Pest aus den Knochen. Und niemand macht einen Hehl daraus, dass sie verdammt dicht an Originalabdeckern der frühen Szene sind. Wenn so was entsprechend Feuer hat, dann ist das legitim. Und mit „Voodoo Dawn“ wollt ihr mitgehen, könnt ihr glauben. Der Rhythmus der Stücke ist meist primitiv und leicht zu schlucken, darüber wird ein schnittiges Riff drapiert, das mit Pausen immer mal durchblitzen darf, dazwischen geht das Tempo auch mal runter, oder es wird tiefschwarz gepinselt was der Dämonenpfuhl so hergibt. Fertig ist ein Song, der eingängig ist und auch ein Weilchen am Löffel haften bleibt, anhänglich wie Ohrenschmalz. Hier und da ein Soli, das gern melodiös und angepisst zugleich sein will, und schick is! „Voodoo Dawn“ ist komplett unempfindlich gegen intellektuell viröse Pandemien aus dem modernen Metalumfeld, hier geht es nur stur mit dem Kopf durch Schwedenbeton, wo der 6er heult und der 4er zetert, wo die Felle locker schwingen und alle zusammen ein amtlich brutales Brett mit rostigen Krampen ins Hier und Jetzt nageln. Das so mancher Part den Bekanntheitsgrad einer Katzenberger auf dem Humanviehmarkt hat, von allen TV Junkies quasi mit den Augen ausgezogen, und in die hohle Birne gevögelt wird, sollte nicht weiter störend wirken. Natürlich bedient sich die Band an dem was gut ist und immer funktioniert hat, das was sie aus den Vorgaben zusammen basteln, das ist letztendlich purer Genuss für all die Bekloppten, die schon morgens fremdgesteuert scheißen gehen, mehr Kippen verdampfen als ein Kohlemeiler und das Leben verknittert in Angriff nehmen. Dazu zähle ich mich auch, und deswegen gefällt mir die Scheibe. Das ist Death Metal der funktioniert auch noch, wenn all die technischen Spielereien in der Szene wieder vergessen sind, oder wenn sich die Technikgötter so weit von der Erde entrückt haben, dass sich auch Außenstehende verlassen nach altbewährtem Geräuscheterror sehnen. So einfach wie sich das Rumexistieren im Grunde gestalten lässt, so einfach ist die Mucke von SKELETAL SPECTRE, und darin liegt der Reiz, der Reiz von Nostalgie, von rauchigen, dreckigen Sounds, von musikalischen Gewaltorgien, von frontaler Zifferblattmassage. Abschließend wetzt das Haus des Todes noch eine lupenreine Thrash Nummer, macht klar, dass auch Gummi auf der Piste liegen bleiben kann, und outen sich als verdeckte Speedfreaks. Ist von Anfang bis Ende, vom ersten Happen bis zum letzten Häufchen alles authentisch und auf unheimliche Weise sympathisch. https://www.facebook.com/skeletalspectre
8/10

THE VEIN - Scouring The Wrekage Of Time - Cd / Shadowkingdom Records



Episch soll´s sein, Doom der Extraklasse, eines der besten Produkte auf dem Markt. Der Pressetext könnte auch aus einer Teleshopping Verarscheshow stammen. So dick aufgetragen, und dann bloß eine leere Hülle, alles Staffage. Dass Doom behäbig ist, das liegt in der Natur der Dinge, geht nicht anders und macht anders auch keinen Sinn. Der Fleischer verkauft ja auch keine als Frischfleisch deklarierten Rester vom Abdecker!...? THE VEIN tun das aber ganz bewusst, die Musik ist so oberflächlich und altbacken, dass jede Schülerband nach nur einem Joint solch billige Riffs im Handumdrehen drauf hat. Gähnend langweilig und ereignisloser als manche Bettgeschichte. „The Poison Chalice“ ist die größte Frechheit, so ein popliges Gitarrenmissgeschick vergisst jede Kellercombo nach der 2. Probe sofort wieder, da sie davon peinlich berührt sind. Somit ist auch die angestrebte düstere Atmosphäre zur Sau, da es alberner kaum noch geht. THE VEIN bieten nichts, was andere nicht auch könnten, absichtlich aber nicht auf das Tablett packen, da die meisten Musiker damit maßlos unterfordert wären. Und somit stehen die Amateure aus Dänemark ziemlich verloren da, kommen mit nicht einem Stück aus dem Pott und rühren den Quark auch noch so lange auf, bis die Geduld flockig wird. Dieses Album funktioniert nur, wenn man einfach gestricktes mag, die eigene Gitarre ein Schattendasein bei „Smoke On The Water“ fristet und noch nie finnischen Depridoom gehört hat. Die Alkis dort oben wissen nämlich, wie man die Stimmung in den Keller treibt, ohne dabei überflüssige Musik zum Fenster raus zu katapultieren. „Scouring The Wreckage Of Time“ besteht aus meist sehr langen Stücken, was grundsätzlich in Ordnung ist, in diesem Fall aber zu einer echten Herausforderung mutiert. Es gibt eine Rhythmusgitarre, die den verschnarchtesten Patienten aus den Federn holt, die so ausgekauten Rumpelkram von den Saiten schüttelt, dass ich mich fragen muss, ob denen nicht auffällt, dass auch der kleinste Krümel den wärmenden Strahl der Inspiration um Lichtjahre verpasst. Die Bassspur ist ganz gut, der knäckert immer mal relaxt wie Easy Listening im Fahrstuhl, das ist verträglich, wenn auch in diesem Zusammenhang genauso daneben, wie der Rest. Dann schwabbeln gewöhnliche Keyboardteppiche über den Set, mottenzerfressen vom Abrieb der Zeit. Melodien aus dem Finsterforst sind zusätzliche Beigabe, und kaschieren die Rhythmusgurke recht passabel. Da steckt wohl der einzige Kandidat dahinter, der noch irgendwie versucht, was zu reißen. Auf verlorenem Posten jedoch bricht jede Front früher als später, und Guerillataktik gegen das eigene Lager macht auch keinen Sinn. THE VEIN ist leider ein Werk entglitten, auf das sie nicht stolz sein sollten, da es viel zu bieder und musikalisch überhaupt nicht ansprechend daher wackelt. Es fehlt an Überzeugungskraft, an Energie und der sinistere Touch entsteht auch nur, weil der Schlafwagen durch die lyrische Nacht bummelt und krächzenden Kehlen nicht gerade schöngeistiges vermitteln. Zu allem Überfluss steckt das Album noch in der Wiederholungsschleife, so dass selbst in der Vorschule die Knirpse mit klassischer Konditionierung unterfordert wären, da auch die schnell mitbekämen, wo der nächste Anschlag sitzt, wann der nächste Rhythmuswechsel kommt. Mit dem Sound lässt sich noch versöhnlich mitgehen, einige Leads stechen positiv heraus, aber das ist dann auch schon das Ende des Liedes. Wären die Stücke von THE VEIN genau so kurz wie die Positivliste, hätten wir uns einiges ersparen können. Hütet euch vor Langeweile und dem großen Nichts, geht Bier trinken, beglückt euren Partner, oder klickt im Netz durch die Pornokanäle! Arsch kratzen mach sogar mehr Sinn! 
3/10

Wednesday, June 26, 2013

NECROTIC DISGORGEMENT - Documentaries Of Dementia - Cd / Comatose Music



Der Amerikaner im Allgemeinen hat eine andere Vorstellung von Zeit, als der gemeine Mitteleuropäer, speziell wir als Vertreter der zeitknappen teutonischen Spezies. Bei uns geht alles fix nach fester Ordnung, immer am Ball bleiben musst du, sonst schlägt die Demenz in deinem sozialen Umfeld zu, und ratz - fatz bist du weg vom Schirm, einfach ausgeblendet und vergessen. Beim Amerikaner schleichen auch mal 9 Jahre durch die Prärie, bis eine Band ein neues Album vorstreckt, und da ist überhaupt nichts bei, das ist so, als käme man mit vertretbarerer Verzögerung vom Zigaretten holen zurück. „Hat etwas gedauert Schatz, bin aufgehalten worden … wem gehört der Rasierer?“ Alles kein Problem, das Selbstbewusstsein dort drüben, die Selbstverständlichkeit mit der sie ihre Dinge in Angriff nehmen sind beängstigend.
NECROTIC DISGORGEMENT  haben sich nahezu eine Dekade in schöpferischer Abstinenz gesielt (eine Promo und einen Song auf einer Split mit Heinous Killings – magere Ausbeute), und kommen dann mit so einem Blast zurück. Das Album, von dem herab Klischeenutten an Haken ihren Schicksalen harren, enthält alles was wir von Amis erwarten, die den Brutal Death Metal mit ihren Cornflakes bereits in den Morgenkaffee kippen. Wahnwitziges Tempo, pausenloses Getrete, Obertöne, groovige Riffs, Technik, Gegurgel aus der Abdeckerei, fantasievolle Geschichten von Serienmördern, all das sind Dinge, die auch die Band aus Ohio selbstverständlich ohne mit der Wimper zu zucken auf die Reihe kriegt. Ohne Kompromisse schlonzen die ein Album hin, das vor 10 Jahren genauso hätte klingen können, das keinen Boden an moderne Konkurrenten abgibt, das so schnell durch den Bahnhof rasselt, dass nur noch die Rücklichter am Horizont zu erahnen sind. Ehrlich, deren Drummer braucht eine persönliche Physiotherapeutin, der er immer mal an den Flansch packen kann, um runter zu kommen. Und natürlich zum Muskeln lockern, denn der arme Mensch leidet unter hochrhythmischen Dauertremor in den großen und kleinen Gelenken, der hört nicht auf zu zappeln. Ein Albumdieser Art ist mehr als nur eine brutale Vollbedienung mit geliebten Ingredienzien für Genrefans. Klar, ist das inhaltlich vielleicht schon ausgereizt, vor allem die Lyrics, die sich immer um Alice Schwarzer Themen drehen. Unterhaltung hat eben ein breites Band an Möglichkeiten, und da bleibt es den kreativen Damenbeglückern unbenommen, der femininen Seite auf spezielle Weise gerecht werden zu wollen. Das Körnchen mehr ist aber das kompositorische Zusammenspiel der einzelnen Akteure. Da stimmt alles haargenau, und wenn die Leadgitarre eins ihrer zahllosen und perfekten Solis vom Holz flitzen lässt, dann ist der Rest der Band eben nicht nur auffüllende Begleitung. Irgendwas passiert immer, da gilt es nicht nur auf das fast permanent durchgetretene Pedal zu achten. In technischer Hinsicht gehören NECROTIC DISGORGEMENT mit dieser Rille gewiss zu den interessantesten Acts, die momentan den Spagat zwischen eigenem Anspruch an ihr Können und rücksichtsloser Brutalität, gewollter Eingängigkeit wagen. Und so kommen Feinheiten mit ins Spiel, die beinahe im Dauerwirbel untergehen, dann werden Variationen auf 6 Saiten hörbar, die auch eine unterschwellig melodische Komponente beinhalten. Musikalisch sind die Jungs um Ben Deskins dann wesentlich dicker im Geschäft, als die Oberfläche das vermuten lässt. Für den Verehrer des „american way of destruction“ könnte sich „Documentaries Of Dementia“ zu einem der lohnenden Bissen in diesem Jahr mausern. Auf Augenhöhe mit Suffocation, Gorgasm und so Sachen, die auch schon in der Frühe für gute Laune und seltsame Blicke sorgen. Die Typen haben den Knoten jedenfalls nur locker um den Hals liegen, wenn die nicht wieder in bärigen Winterschlaf verfallen, könnte noch so mancher Nackenschlag folgen. Nur ist für den Amerikaner Zeit keine feste Konstante, sondern ein chilliges Phänomen. 
8/10

Tuesday, June 25, 2013

BESIEGED - Victims Beyond All Help - Cd / Unspeakable Axe



Das mit dem Erfolg haben die Kanadier bisher nicht so recht raus. 2005 haben sie ein Album aufgenommen, das sie nie veröffentlichten, 5 Jahre später dann ein neuer Anlauf mit neuen Songs, der ebenso kläglich im Sand stecken geblieben ist. Gerad mal 300 Exemplare auf CDr. Da explodiert die Kugel noch im Lauf und es wäre wohl das Vernünftigste, die Kanone ins Korn zu pfeffern. 2 x Fehlstart, das hat viele schon dazu bewogen, ernsthaft über das gewählte Berufsbild nachzudenken, als Spargelhobel oder Großraumbüroaushilfskraft umzuschulen. Nicht so aber ein paar sture Gesellen aus dem amerikanischen Norden, ich weiß aber auch nicht, wie die Chancen in anderen Branchen dort realistisch zu bewerten sind, und ob das Luft Anhalten und Ausharren möglicherweise doch lohnt (lohnt sich – kommt gleich). Scheinbar ist das Interesse an der Band dermaßen gering, dass die jährliche Nacktschneckenplage in Piesepampels Kleingartensparte mehr Presse bekommt. Da strampeln die sich ab und keiner bemerkt was. Oder gehen die Thrash Fanatiker aus Quebec das einfach nur falsch an? Möglicherweise spielt das jetzt keine entscheidende Rolle mehr, oder sie haben gelernt auf dem Marktplatz mit lauter Stimme zu brüllen und die Titten raus zu holen. Und da alle Pfade dann doch irgendwohin führen müssen, von Rom bis ins Nirgendwo, steht plötzlich das Album ein 2. mal in der Auslage. Nun aber mit Labelunterstützung und wesentlich breiterer Werbestrategie, als es vom Proberaum aus lediglich auf den Fahrdamm zu werfen, in der Hoffnung, dass es schon irgendwann an einem Reifen kleben bleiben würde. Kann sein, dass auch genau das passiert ist. Das Ende der Vorgeschichte ist dann, dass sie beim neuen Label Unspeakable Axe gelandet sind, eine offizielle Unterabteilung von Dark Descent, deren Focus bislang auf unverfälschten Thrash Bands liegt. Und das ist sicher eine gute Wahl gewesen. Da docken sie an einen Mutterkonzern an, der weltweit zumeist großartiges Material aus der Sparte Düster - Tod und Bleihagel vertreibt, und dessen Strukturen sie nun für die eigene Karriere nutzen können. Am Ende wäre es ein Jammer gewesen, diese Platte nicht zu machen, oder das Kapitel BESIEGED überhaupt zu Grabe zu tragen, denn die leben ihren Thrash im Geiste der großen Acts der 80er, hörbar mit jedem Riff und jedem kratzigen Laut aus euphorischen Stimmen. Alte Sepultura stehen Pate, Death Angel wohl ebenfalls, die Presseabteilung sieht sogar Verbindungen zu der unumstößlichen Allmacht von Slayer. Alles stimmt, auch wenn sich letztere Band wohl eher ideologisch in den Köpfen der Musiker und in einigen Riffs, Arrangements und Leads wieder findet. Was aber nicht wirklich beachtet wurde, aber in jedem Winkel nach Aufmerksamkeit brüllt, das ist deutscher Thrash. Destruction und Kreator sind nämlich anteilig gleichberechtigt präsent, und auch der Sound erinnert viel eher an teutonische Glanzzeiten. Der drückt wie ein anschwellendes Gehirn nach stumpfem Trauma gegen die Schädeldecke – prosperierend schmerzhaft. Manch Death Metal Band wünschte sich eine solche akustische Präsentation, das ist um Längen direkter und brutaler, als viele Todesschergen das auf ihre Äxte und Unterarme tätowiert haben. Mit durch die Boxen vibrierendem Enthusiasmus und dem richtigen Ohr für die korrekte Darlegung authentischen Ge – thrashes, peitschen sie ihre Songs auf maximales Tempo, sägen mit griffigen Riffs durch mentales VA, und sind sich jederzeit im Klaren darüber, dass ihr Metal nur so klingen kann. Für den Blick über die Schulter und nach andersmusischen Einflüssen ist ihnen die halbe Stunde definitiv zu kurz. Alles was neben Nieten, Kutten und blutdrucksteigernden Schweißausbrüchen liegt, erreicht den Aufmerksamkeitsradar der 80er Fans überhaupt nicht.  Also, die Musiker aus Kanada begeben sich auf einen transkontinentalen Trip durch Raum und Zeit, und ein verdienter Durchbruch sollte ihnen Recht geben. Und auch Bestätigung, dass sie auf der richtigen Route sind, denn schließlich sind all ihre ideologischen Flottenschiffe noch in keinen Hafen eingelaufen. Weil sie nach einigen Anläufen qualitativ nicht aufgesteckt haben und das rhythmisch schlagende Herz eines jeden Thrashers durchbohren können, sei die Scheibe empfohlen. Und auch weil Durchhalten manchmal doch noch Punkte bringt. 
8/10