Tuesday, June 25, 2013

BESIEGED - Victims Beyond All Help - Cd / Unspeakable Axe



Das mit dem Erfolg haben die Kanadier bisher nicht so recht raus. 2005 haben sie ein Album aufgenommen, das sie nie veröffentlichten, 5 Jahre später dann ein neuer Anlauf mit neuen Songs, der ebenso kläglich im Sand stecken geblieben ist. Gerad mal 300 Exemplare auf CDr. Da explodiert die Kugel noch im Lauf und es wäre wohl das Vernünftigste, die Kanone ins Korn zu pfeffern. 2 x Fehlstart, das hat viele schon dazu bewogen, ernsthaft über das gewählte Berufsbild nachzudenken, als Spargelhobel oder Großraumbüroaushilfskraft umzuschulen. Nicht so aber ein paar sture Gesellen aus dem amerikanischen Norden, ich weiß aber auch nicht, wie die Chancen in anderen Branchen dort realistisch zu bewerten sind, und ob das Luft Anhalten und Ausharren möglicherweise doch lohnt (lohnt sich – kommt gleich). Scheinbar ist das Interesse an der Band dermaßen gering, dass die jährliche Nacktschneckenplage in Piesepampels Kleingartensparte mehr Presse bekommt. Da strampeln die sich ab und keiner bemerkt was. Oder gehen die Thrash Fanatiker aus Quebec das einfach nur falsch an? Möglicherweise spielt das jetzt keine entscheidende Rolle mehr, oder sie haben gelernt auf dem Marktplatz mit lauter Stimme zu brüllen und die Titten raus zu holen. Und da alle Pfade dann doch irgendwohin führen müssen, von Rom bis ins Nirgendwo, steht plötzlich das Album ein 2. mal in der Auslage. Nun aber mit Labelunterstützung und wesentlich breiterer Werbestrategie, als es vom Proberaum aus lediglich auf den Fahrdamm zu werfen, in der Hoffnung, dass es schon irgendwann an einem Reifen kleben bleiben würde. Kann sein, dass auch genau das passiert ist. Das Ende der Vorgeschichte ist dann, dass sie beim neuen Label Unspeakable Axe gelandet sind, eine offizielle Unterabteilung von Dark Descent, deren Focus bislang auf unverfälschten Thrash Bands liegt. Und das ist sicher eine gute Wahl gewesen. Da docken sie an einen Mutterkonzern an, der weltweit zumeist großartiges Material aus der Sparte Düster - Tod und Bleihagel vertreibt, und dessen Strukturen sie nun für die eigene Karriere nutzen können. Am Ende wäre es ein Jammer gewesen, diese Platte nicht zu machen, oder das Kapitel BESIEGED überhaupt zu Grabe zu tragen, denn die leben ihren Thrash im Geiste der großen Acts der 80er, hörbar mit jedem Riff und jedem kratzigen Laut aus euphorischen Stimmen. Alte Sepultura stehen Pate, Death Angel wohl ebenfalls, die Presseabteilung sieht sogar Verbindungen zu der unumstößlichen Allmacht von Slayer. Alles stimmt, auch wenn sich letztere Band wohl eher ideologisch in den Köpfen der Musiker und in einigen Riffs, Arrangements und Leads wieder findet. Was aber nicht wirklich beachtet wurde, aber in jedem Winkel nach Aufmerksamkeit brüllt, das ist deutscher Thrash. Destruction und Kreator sind nämlich anteilig gleichberechtigt präsent, und auch der Sound erinnert viel eher an teutonische Glanzzeiten. Der drückt wie ein anschwellendes Gehirn nach stumpfem Trauma gegen die Schädeldecke – prosperierend schmerzhaft. Manch Death Metal Band wünschte sich eine solche akustische Präsentation, das ist um Längen direkter und brutaler, als viele Todesschergen das auf ihre Äxte und Unterarme tätowiert haben. Mit durch die Boxen vibrierendem Enthusiasmus und dem richtigen Ohr für die korrekte Darlegung authentischen Ge – thrashes, peitschen sie ihre Songs auf maximales Tempo, sägen mit griffigen Riffs durch mentales VA, und sind sich jederzeit im Klaren darüber, dass ihr Metal nur so klingen kann. Für den Blick über die Schulter und nach andersmusischen Einflüssen ist ihnen die halbe Stunde definitiv zu kurz. Alles was neben Nieten, Kutten und blutdrucksteigernden Schweißausbrüchen liegt, erreicht den Aufmerksamkeitsradar der 80er Fans überhaupt nicht.  Also, die Musiker aus Kanada begeben sich auf einen transkontinentalen Trip durch Raum und Zeit, und ein verdienter Durchbruch sollte ihnen Recht geben. Und auch Bestätigung, dass sie auf der richtigen Route sind, denn schließlich sind all ihre ideologischen Flottenschiffe noch in keinen Hafen eingelaufen. Weil sie nach einigen Anläufen qualitativ nicht aufgesteckt haben und das rhythmisch schlagende Herz eines jeden Thrashers durchbohren können, sei die Scheibe empfohlen. Und auch weil Durchhalten manchmal doch noch Punkte bringt. 
8/10

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