Wednesday, June 19, 2013

D.E.R. - ABERRANT - Split Cd / EveryDayHate



Den Prügel wie einen Lockenstab über den Scheitel gekämmt und tausend tollwütige Promenadenmischungen die ins Ohr belfern, Frontaldruck, der die Haut über die Knochen spannt und jedes plastische Rindviech seiner Kassenzulassung beraubt, nackte Furcht in aufgedunsenen Gesichtern, das sind direkte Folgen für Überraschte, die sich solche Musik geben, ohne vorher das Beratungsgespräch bei pro – familia gesucht zu haben. Kinderwunsch hin oder her, aber wenn die Blagen erst mal mit solchen groben Musikerfahrungen in Berührung gekommen sind, dann ist das Geplärr aus der Wiege nur ein dezenter Vorgeschmack auf den steinigen Lebensweg, den der Nachwuchs dem Gewissen und der Geduld seiner Erzeuger zumuten wird. Beide Bands, Brasilianer wie vom Kapital angewiderte Amerikaner poltern auf arg rüde weise durch den Split – Set. D.E.R. (Chaos und Rückschritt) orientieren sich an Bühnenderwischen wie Blockheads, ABHERRANT gehen dem Punk etwas aus dem Weg, schleppen sich um eine Brise goriger und vor allem grooviger durch kurze Unmusik – Exzesse.
Original irgendwann im scheidenden letzten Jahr bereits auf Karasu Killer Records erschienen, findet das Release nun seinen Weg nach Europa. Globalisierung nennt man so was wohl. Erfreulich freigeistig diese Einstellung, dem Globus mit internationalem Support und ohne finanzieller Absichten (vielleicht kostendeckend) so viel Wut und Hass überzuhelfen.
D.E.R. schrubben am eigenen Kadaver den 3 Akkorde – Punk so blitzblank bis skelettiertes  Elfenbein blinkt, vögeln den Grind in alle Löcher, und zerhackstückeln den Crust in kleine Krümel, dass die Absicht pure lyrische Gewalt zu säen mit jedem Scheppern und jeder vermissten Note realistisch zu betrachten ist. Das erreichen sie auch wenn die Stücke in der Regel kürzer als asiatische Schwänze, und sturer als unüberlegte Diskriminierungen von weit entfernten Volksmassen sind. Mit Drahtbürste und Dreikantfeile über die geborgten Instrumente geharkt, und fertig ist ein Blast der ganze Virenstämme in seine Schranken verweist, der pausenlos unter Ausschluss von überflüssigem Sauerstoffverbrauch schwitzend und zornesrot durch die Möbius - Schleife hetzt und hechelt. D.E.R. verbrät Musik die viel mehr 7er tauglich ist, als die Band so zu veröffentlichen gewöhnt ist.
ABHERRANT hingegen nageln sich frischeres und matschigeres Gedärm an das weit aufklaffende Scheunentor, grooven deutlich niederländisch und dezent tschechisch, haben aber ebenfalls dreisten Grindcore in Kern und Gemüt . Manchmal klingen sie noch chaotischer als ihre brasilianischen Vettern im Geiste, meist dann, wenn der Sänger keift wie ein am Angelhaken gepiercter Tauwurm, so wie er es nur selbst in seinem seelenlosen Ringellaib wahrnimmt. Dann wieder wird es auch eingängiger und für Besoffene auch tanzbar, wenn die Gitarre den Goregrind durchschlüpfen lässt. Stellenweise darf sich sogar Death Metal in den Set verlaufen, der erschrickt sich aber dermaßen, dass er noch schneller wieder draußen ist. Generell aber ist das Gewetter der Amerikaner etwas ausladender und launiger als doch der sehr trockene Knarz der Brasilianer.
Spaß verbreiten beide Bands, ohne sich musikalisch groß anstrengen zu müssen, denen reicht es zu wissen, in welche Richtung die Mündung gehalten gehört und dann einfach Augen zu und Feuer frei. Kann sogar sein, dass sich dahinter irgendwelche diffusen intellektuellen Ansprüche verbergen, oder aber die wollen nur auf Krawall bürsten. Wer soll bei all dem Lärm da noch die wahren Absichten von solch gestörten Kandidaten mitbekommen? 
7/10

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