Wednesday, June 19, 2013

FACADA - O Joio - Cd / EveryDayHate



FACADA sind ein brasilianisches Death / Grind / Headache – Reisebüro, dass seine Kundschaft seit gut 10 Jahren mit einem Treuebonus und stabiler Zufriedenheitsgarantie auf Tour schickt. In der vergangenen Dekade entschlüpften den Herren mit fast stabilem line – up 3 Alben, von denen der Mittelpart, nämlich das 2010er „O Joio“ nunmehr einen rüden Reanimationsprozess zu durchleiden hat. Damals mit purer Eigeninitiative in die Bahn gehebelt und talabwärts einer brutalen Geschwindigkeitsspirale überlassen, erlebt die Scheibe nun ihr europäisches Debüt mit Labelunterstützung. Ziemlich parallel zum 3. Album eigentlich, das davon auch profitieren könnte. Musikalisch lassen FACADA kein Pflänzchen auf der bunten Blümchenwiese ungeknickt zurück, grinden und prügeln frei von jeglichem Gefühl für Harmonie und technischen Arrangements ein rohen Fuder Blut und Eingemachtes alter Schule. Geschwindigkeit und geschwollene Halsschlagadern sind alles was sie benötigen, um einen halbwegs überzeugenden Set unterzubringen, hier und da ein paar Death Metal Riffs der Vollständigkeit halber reichen für prompte Bedienung des verdrehten Kulturbedürfnisses und peinvolles Hämmern oberhalb des Halsansatzes. Auf die hohen Saiten wird nahezu verzichtet, Solis sind was für Pussies, lieber packen sie noch ein Lead drauf und brüllen mehrstimmig ihren Unmut im allgemeinen hinter dem Bollwerk aus sich überschlagenden Drums und wummernden Bässen hervor. Vorsichtige Ausnahmen sind das Chili im con carne und mit erhöhter Aufmerksamkeit zu verzehren. Auch hier stellt das Verständnis für die hohe Kunst der 3Akkorde die Basis für einen Rausch, der nur noch unterschwellig punkig ist und vorzugsweise ein Marschtempo knapp hinter Vollschutz und Sturmgepäck in mecklenburgischem Wüstensand hinlegt. Angefeuert von dezenten Crustriffs und viel staubaufwirbelndem Dauergedresche keucht das komplette Album im Schweiße des eigenen Antlitzes durch die komplette 90er Epoche von Gewalt und lauter Musik. Fleischig ist es, triebhaft und ungezügelt in seiner musikalischen Rigorosität. Von Napalm Death bis hin zu schwedischem Crust (ohne Rock´n Roll Attitüde) reicht das Repertoire des Albums, von Sägeriffs bis pausenresistentem Holzeinschlag, von altbekannten Riffs bis zu das Unterholz lichtendem Sound bleiben die Musiker authentisch an der sie beeinflussenden Szene kleben. Melodien erhascht nur der Aufmerksame, der unterschwellige Töne zu detektieren weiß, aber in dieser Kunst verbirgt sich auch eine der Stärken der Band. Denn das was andere gemeinhin als Melodien in ihre Songs einflechten, ist bei FACADA lediglich Stilmittel um dem rauchenden Dampfhammer einen leichten Groove als Getriebeschmiere in die Gelenke zu schütten. Hinten dran gesemmelt gibt es noch Filthy Christians „Satanist“, um einen Wurzelstrang deutlich zu machen, eine Seite in der Bandhistorie, die es ständig zu bewässern gilt. Und dann auch noch eine Nummer von D.F.C., die so will es das Gesetz der 3 Buchstaben, eine Crossoverband darstellen, deren Vorlage von FACADA gnadenlos vergrindet wird, aus dem Original ein massiv harsches Gemetzel macht und jeglichen Spaßfaktor zur Vordertür hinaus treibt. Hier kann der Leadgitarrist ausnahmsweise auch mal ein paar höhere Töne anschlagen und klar stellen, dass er nicht nur Saiten am Holz zerkratzen kann. Davon abgesehen dürft ihr die Suche nach Abwechslung glatt vergessen, euch lieber an bremsfreier Schleuderfahrt im Überrollkäfig erfreuen, stumpfes „geradeaus dreschen“ als ultimatives Erlebnis im Grindcorebus empfinden. 

Zum Original hat sich nichts Erkennbares geändert, außer dem Cover, dessen unschöne Erscheinung von farbig auf grau variiert ist. Grind / Death und eine Spur D – Beat, wem das zu passe kommt, und immer noch Platz in der Sammlung hat, wird gut beschallt. 
7/10

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