Thursday, June 20, 2013

FREDAG DEN 13e - Tjugohundratretton - Cd / EveryDayHate



Freitag der 13. das bedeutet nach unbestätigten Volksmythen Pech bis hinter die Dämmerung. Wer Freitag den 13. ein großes Projekt anstrebt, kann auch gleich unter Leitern hindurch hechten oder schwarze Katzen am Schwanz von links nach rechts über die Bundesstraße pfeffern. An so einem Tag geht alles in die Hose, Börsenkurse verursachen eine Weltwirtschaftskrise, infolge der anhänglichen Rezession ein noch größeres Unglück über Europa und den Globus herein brach. Und nur weil ein kleinwüchsiger Ostmärker nicht Kunst studieren durfte, sein feingeistiges Talent lediglich für kitschige Postkarten reichte. Der schwarze Freitag wird wohl heute noch von Börsianern und windigen Spekulanten gefürchtet, und nur tuschelnd hinter vorgehaltener Hand erwähnt. An einem Tage mit gleichem Datum wurde der Heiland an das Holz geschlagen, sein verwaschenes Erbe wurde in Europa wie eine Seuche verbreitet und aufgesplittert, so dass es in den folgenden Epochen mehr Tod brachte als es angeblich Seelen zu retten gedachte. Am Freitag dem 13. wurde der Templerorden aufgelöst und im Blutrausch gerichtet, gehängt und geköpft so lange der französische Adel Lust und Laune verspürte. Geheimnisvolle Schätze wurden dabei nicht entdeckt. Und dann gibt es noch die Mär vom kristallklaren See und dem sexuellen Missbrauch im Sommerlager, dem Rachedurst eines gestörten Waisenknaben, der den rechten Weg im Blut anderer zu lesen sucht. Hat auch was mit Hockey, Gartenutensilien und ungeschütztem Sex zu tun. Auch das ist kein rühmliches Kapitel in der Geschichte der Menschheit. Wohl aber noch das vergnüglichste unter all diesen Desastern.

Und nun haben wir zusätzlich noch diese schwedischen D – Beat Punx, deren Bezug zum Thema noch schleierhaft ist, da sie es sich nicht nehmen lassen, in Landesprach wahrscheinlich revolutionäres Gedankengut zwischen Anarchie und leeren Bierflaschen an die Tafel zu kritzeln. Ob sie sich selbst in die Achterbahn mit der losen Schiene gesetzt haben, oder ob ihre Musik erfolgreich jede fehlende Schraube meistern wird, bleibt Spekulation. Musikalisch lassen sie aber nichts anbrennen, stottern sich ohne größere Probleme durch einen traditionell schwedischen Crust – Set. Dieser kopuliert, auch das ist beinahe selbstverständlich, mit dreckiger Rock´n Roll Attitüde. Peter Pan Speedrock kommen mir da vor die Lafette. Und der Meister mit den Warzen höchst selbst, das war ohnehin klar. Dass das olle Fuselfass aber auch so viele Punks für sich vereinnahmen konnte, das ist schon phänomenal. Und mit diesem instrumentalen Basiswissen rocken, grooven und knattern eine Hand voll Skandinavier ohne allzu großes Eigenrisiko sehr souverän durch ihr 2. Album. Heiseres Gekrächze zeugt von langjähriger Bühnenpräsenz, Chorusgesänge haben Kommunecharakter. „Immer das Ziel vor den Augen, den Focus nicht verlieren, Revolution wird aus Übermut geboren.“ Was das Ziel ist, wird vielleicht einst der Geschichtslehrer unseren desinteressierten Enkelkindern zu vermitteln versuchen … der Ärmste!
Die Leadgitarre hetzt durch die Jahrzehnte, begleitet von einer spaßig, flotten Rhythmussektion pfeift sie sich ein rockendes Solo nach dem anderen vom splitternden Holm. Das ist der mit Abstand kreativste Part einer dem Unglück doch recht fern erscheinenden Elchreitercombo. Entstanden übrigens, so wie sich das für Kellerkinder gehört, aus einer Suffidee. Durch Pfandsammeln und Laub harken war schnell die Kohle für einen nassen Bunker beieinander und aus der verkaterter Launigkeit wurde launiger Ernst. Das Ergebnis hat seine ganz eigene Überzeugungskraft, ist viel weniger chaotisch, als gemeinhin zu erwarten wäre und die Stücke sind eins wie das andere sehr eingängig, auf massiv dreckige und räudige Art selbstredend.  Charmanter Asselpunk mit recht stabilen musikalischen Absichten, das ist wohl letztendlich die Quintessenz aus Radau und guten Ideen. Ich würde die Kappe heben, hätte ich eine. 
8/10

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