Wednesday, June 12, 2013

GRAVEYARD OF SOULS - Shadows Of Life - Cd / FDA Rekotz



Mit der Gelassenheit eines katalonischen Tomatenpflückers schiebt uns das Duo GRAVEYARD OF SOULS ihr Debütalbum unter die Bademütze. Ganz entspannt und gleichweg in moderatem Tempo perlen 8 Songs wie nicht allzu trockener Sekt im Kelch. Einem Kelch aus absoluter Düsternis und verdübelter Hippiementalität. Irgendwo am Scheideweg nihilistischer Finsternis und blumigem Gemüt  treffen sich 2 Herren und komponieren ein beinahe als schwebend zu bezeichnendes Intermezzo aus Melodien, sinisteren Hooks, Keyboards und kreativer Losgelöstheit aus Realität und Schubladendenken. Die Vergleiche mit frühen Paradise Lost dürften wohl zutreffend sein, möglicherweise verliert sich daran letztendlich (Gott oder ein anderer Administrator der Verantwortung bewahre!)der Reiz. Lasst euch also bescheinigen, das Album ist interessant für all jene, die Holmes und Kumpels irgendwie schon mochten, aber immer hofften, dass das nächste Album nicht wieder so langweilig wird. Auch Crematory spielen mit hinein, das hat der Presseclub von FDA unschwer erkannt, allerdings dürften die 2 spanischen Gemütlichkeitsschürfer mehr auf der Pfanne haben, als belanglose Riffs zu klimpernder Tastenschlafmützigkeit zu schreiben. „Shadows Of Life“ fetzt, hätte der geborene Musikdurstige aus Ostelbien staunend ausgerufen, als er noch mit der Selbstschussanlage in Verhandlung stand. Naiv hätte er freimütig Vergleiche am schütteren Vokuhila herbeigezogen, die genreübergreifend gewesen wären. Wegen endloser Melodienvielfalt, die sich wie ein schillernder Regenbogen durch die Morgendämmerung spannt, an dessen Ende möglicherweise doch etwas, zumindest ideologisch Wertvolles verbuddelt ist, kommt der frisurenresistente Mitbürger auf die Idee, irgendwo Pink Floyd und Jean Michel Jarre mit ins Gespinst zu knüpfen. Auch die grasig räuchernde Freiheitsliebe langhaariger Spätsechziger hat einen marginalen Fingerabdruck hinterlassen, allerdings ist im lyrischen Sinne kein Frieden zu erwarten und die Blumen werden freiwillig welk, weil GRAVEYARD OF SOULS bei aller Verspieltheit ihren Hauswein doch immer in Metal transferieren. Die Musiker wären schließlich selbst erstaunt über solch wildes Parallelen – schmieden. Also bleibt das alles mal rein theoretisch am Straßenrand neben dem toten Igel liegen.

Doch um der Wahrheit in die blinden Augen zu schauen -  wer nicht ständig brutal auf die Glatze braucht, oder im morbiden Altschweden Dauerurlaub gebucht hat, dem dürfte das Album mit Leichtigkeit runter gehen. Denn das ist es, was es wirklich ist, unendliche Leichtigkeit unter Ausschluss von Belanglosigkeit. Dieser Fakt ist schon daran festzumachen, dass die beiden sich am Tears For Fears Klassiker „Mad World“ ausprobieren. Das Stück ist mit größerer und verdienter Popularität behaftet, seit Gary Jules es in  Melancholie getaucht noch mal aufgelegt hat. Und die Version vom Seelenacker steht im metallischen Sinne nicht wirklich exotisch verloren im Nebel, bleibt dem Original insoweit treu, dass es keine alberne Spaßnummer wird, sondern ein durchaus seriöser Bleiklon elektronischer Popmusik sein will. Das funktioniert wohl auch deshalb, weil die Band einen recht spröden Charme versprüht und eben keinen Popsong draus macht. Die Ernsthaftigkeit dessen spiegelt sich in der Tatsache wider, dass das Stück ins Album integriert ist, und eben nicht als Pseudobonus und Spielzeitexpander hinten dran gepappt wurde. „Shadows…“ ist eine Scheibe mit viel Feingefühl, eine bei der das Keyboard mal nicht überflüssig erscheint, die aufgrund seiner Ausrichtung zwar an Härte einbüßt, diese aber wohl auch nicht sucht. Somit ist der Stempel Death Metal auch ein  eher verschwommener Abdruck auf der Vita Zweier talentierter Musiker. Wie erfolgreich das letztendlich sein wird, oder ob überhaupt noch ein Hahn auf dem nächsten Wintermist danach krähen wird, bleibt abzuwarten. FDA zeigt sich jedenfalls wieder mal mit Selbstvertrauen, wenn so was rausgehauen wird. Limitieren ist nicht die Aufgabe von Herrn Unglaube. Inwieweit er Recht behält zeigt der Rost der Zeit … irgendwann. 
8/10

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