Monday, June 24, 2013

HYBRID - Angst - Cd / Deepsend Records



Der Hybrid ist eine Verknüpfung mehrerer Technologien, ist nichts natürlich gewachsenes sondern greift auf diverse bestehende Komponente zurück, die gekreuzt werden, um etwas neues und fortschrittliches zu schaffen. Ein Hybrid macht sich also bereits bestehendes und allgemein akzeptiertes zu Nutze. Das Ergebnis ist dem sich für intelligent haltenden Aufrechtgeher in der Regel suspekt und stößt erst mal auf Ablehnung, da er nicht in der Lage ist, sich von Liebgewonnenem so einfach zu lösen. Dem Hybrid ist das Schnurz, denn wenn er einmal am Rumexistieren ist und für Gesprächsstoff sorgt, egal in welche Richtung der driftet, dann bleibt er auch vor Ort. Dann lauert er in den hinteren winkeln des Verstandes und zermürbt die Abwehrkräfte der vermeintlich führenden Spezies, schiebt Terra Nova immer mehr in den Focus der Realität. Dabei wissen wir doch, dass Mäuse die eigentlichen Herrscher und Motoren, die der Herren Intelligenz sind. Schließlich haben sie doch die Antwort auf alles gefunden – 42 – machen wir doch endlich die Augen auf … aber egal. Und eines Tages wird der Hybrid nicht nur anerkannt sondern auch gebräuchlich sein wie Brustvergrößerung und Bratkartoffeln mit Speck. In vollem Bewusstsein dieses anstehenden Ereignisse  haben sich dereinst 3 Spanier diesen Namen ausgesucht, weil sie genau das sind und genau dorthin wollen. Weil sie anders sein wollten und Diskussionen lostreten mussten. Wegen des Kerns der Sache, es geht um das Prinzip. Und so nahmen sie diverse Genres daher und kreuzten wie wild, machten Experimente wie Frankenstein in seinem Schloss. Und sie erschufen eine Bestie, die den Heugabelschwingern bittere Angst in die Dielen und Küchen brachte. Sie klonten sich einen Bastard aus Death Metal, Grindcore, Mathcore, Doom progressivem Würgereizen und verdammt viel Jazz. Als sie damit fertig waren, standen Bands wie Gorguts blass und verstört im Eck und schämten sich. Denn sie kreierten den Meister der Disharmonie, den Gott des nicht mehr nachvollziehbaren „Neben den Schuhen Stehens“, den Golem der die Eingängigkeit hasst wie das Licht. Allein im ersten Song des neuen Albums stecken mehr abgedrehte und gewöhnungsbedürftige Ideen, als sie anderen Bands in ihrer ganzen Karriere nicht vor die Füße kullern. Und es ist kein Wunder, dass sie das alles unterbringen, die sind auch der Chef auf der Etage, wenn es um komplexes Kofferpacken geht. Da werden Rationalität und introvertierter Freigeist Brüder aus einem Ei. Alle Nase lang sorgen Breaks für neue Schlupflöcher. So wird eine Scheibe lang wild gedroschen wie der Landmann das mit seinem Korn tut, bis die letzte Ähre ausgequetscht ist. Es wird mit Akustik nicht gegeizt, es wird bleischwere Melancholie gegossen und in den Arrangements steckt immer wieder Jazz. Aber auch in den Instrumenten. HYBRID können von schief nach schräg, genauso aber bedingt harmonisch mit Melodien umgehen, welche plötzlich gar nicht mehr so befremdlich daher kommen. Die grooven mit satten Riffs zum Geier und haben auch keinen Respekt vor primitivem D – Beat. Die Pfeifen auf den hohen Saiten, wie die brutalste Death Metal Vernichter auf der Nordhalbkugel. Nur dran gewöhnen darf man sich nicht, so wie man sich an gar nichts gewöhnen darf, da der Wind immer wieder umschlägt wie die  üblen Launen bei Schwiegermüttern, Chefinnen (ein Wort das an sich schon widersprüchlich ist) und kleinen Hunden an langen Ketten. Und dann kommen die sogar mit Klarinette, im Ernst die jubeln uns eine Klarinette unter den Pfiffi. Bitte schön, wer wagt sich denn so weit aus dem Fenster? Haben die Schlitten in Spanien mehr als 2 Kufen? Und eine Sitar!!! Die Welt ist bunt, Pillen auch, oder gerade deswegen und der psychedelische Trip, den Musik und experimentelle Substanzen auslösen, ist schier endlos. HYBRID haben keine Angst vor gar nichts, auch nicht vor der Distanz ihres Publikums. Die schweben bereits so hoch in den Wolken ihres eigenen Wattehimmels, dass sie Kritik und Unverständnis gar nicht mehr erreichen können. Deshalb hat meckern gar keinen Zweck. Der musikalische Level hat die Randzonen menschlich Begreiflichen längst verlassen und für so viel kopfgesteuerte Andersartigkeit muss es auch Belohnung geben. Klar, HYBRID sind lange nicht die ersten, deren Füße das sichere Erdreich nicht mehr zum festen stehen benötigen. Aber so wie sie all die vorhin aufgeführten Genres interpretieren, hat das mehr als nur Beachtung und Fluchtreflexe verdient. Ihr wolltet schon immer mal in das Innerer eines vollkommen entgleisten Bewusstseins blicken – hier ist eure Chance! http://hybridnoise.com/  
 9/10

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