Wednesday, June 19, 2013

INTERNAL DAMAGE - Age Of Violence - Cd / EveryDayHate



Russischer Grindcore hat in der Häufigkeit seines Auftretens für gewöhnlich was mit überfahrenen Hunden, kreischenden Bordsteinschwalben und alberner Kostümierung zu tun. Immer lustig, unterhaltsam und schön doof. Natürlich ohne negative Aspekte heran ziehen zu wollen, wer gummischwanzwedelnd und gasmaskenschnüffelnd über die Bühne stolpern will, dem bleibt das völlig unbenommen. Das ist ja ohnehin ein internationales Phänomen. Dem steht der Russe in nichts nach, da will er seinen Teil vom Wäschekübel und dem ungewaschenen Inhalt abhaben, da will er dazu gehören und mitwaschen. So will es das Klischee, das Wodka, bepelzte Frauen und brutale Musik so harmonisch vereint, und an die ergrauende Fassade eines pseudovereinigten Planeten seine überflüssigen Parolen schmiert, dick wie die Scheiße an den Wänden der Bahnhofsmission. 

Nicht so aber bei INTERNAL DAMAGE, die sich lieber der Terrorizer Seite der Szene zuwenden, musikalisch wie auch lyrisch. Um zu kaschieren (behaupte ich jetzt mal freimütig), dass sie der Klonerie fähig sind, flechten sie einige nicht ganz so gewöhnliche aber einfach zu strickende Zipfel und Bommeln in ihren Wintermantel aus Grind und Punk. Zum einen überrascht es doch, dass der Titeltarck als Intro herhalten muss, und nichts anderes ist, als ein Drumsolo, das beinahe deplatziert und völlig unaufgeregt, eher als Fahrstuhlbegleitung taugt, als uns auf das Kommende adäquat vorzubereiten. Die folgenden 12 Stücke sind bei profanen Grindbands schneller durch als Al Bundy bei Peg und gereichen gerade mal den gesenkten Ansprüchen an eine Ep zum Wohl. Auch hier gliedert sich der Russe bewusst aus. Die Spielzeit nähert sich der Stundenmarke und foppt somit sogar diverse Doom Bands. Stücke von 7 oder 9 Minuten gehören zum gewachsenen Repertoire und sind alles andere als doomig. Immer schön auf den Zünder gedroschen, lediglich vereinzelt mal an der Reißleine gezupft, viel mehr Blast als holpriges Zeitschinden. Klar gibt es auch mal Längen, Momente in denen der Wunsch offenbar wird, doch auch mal den Kern der Angelegenheit anzustreben, ohne spiralförmig ins Nichts abzudriften. Aber generell verpacken die in für Grind und Getöse doch ungewöhnlich lange Nummern zentrales Geballer und eine relative Variationswut an 3 Akkorde – Verbrechen. So wahnsinnig abwechslungsreich sind die Riffs dabei gar nicht, reihen sich aber auch nicht unbedingt nur hintereinander ein, um die Schlange vor der Schnapsbude zu verlängern, respektive Spielzeit zu schinden. Die wird eher durch schleppende Parts gewonnen, wiederum kaschiert durch ausladende Lyrics. So ein bisschen experimentelles Dahinsiechen liegt den Musikern dann schon im Promilleblut. Alles im Rahmen des Machbaren und Verträglichen. Grenzüberschreitend wollen sie nicht sein, die Russen, die lieber Geschichten aus dem Leben erzählen und die Realität spiegeln, als rote Striemen auf nackten Hintern zu glorifizieren. Die Terrorizer Variante eben. Auch die 2. Napalm Death Epoche, in der Death Metal bereits ein rudimentäres Mitbestimmungsrecht hatte, ist nicht unwesentlich für ein recht ausgereiftes Album, das vorrangig von der Energie der frühen 90er zehrt. Und niemand wird es ihnen zum Vorwurf machen, dass sie sich zu solchen Klassikern hingezogen fühlen, zumal die zu verarbeitenden Themen einst wie heute aktuell sind, es weiterhin Geschichten zu erzählen gibt, deren Inhalte sich wenig geändert haben, an deren Ausdrucksweise man eher arbeitet als an der Form der rohen und aggressiven Präsentation. Die Zeit der Gewalt ist niemals vorbei! 
7/10

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