Sunday, June 23, 2013

NERVECIDE - Impermanence - Cd / Eigenoffenbarung



Ein Offenbarung in Blast! Das ist das kurze Fazit nach dem ersten Einlauf mit NERVECIDE. Hat noch jemand WORMED aktuelles Album auf dem Radar? … na klar, so was vergisst sich schlecht. Und in einen vergleichbaren Rausch stürzt uns „Impermanence“. Mit wahnwitzigem Tempo rast Song für Song an der Aussicht vorbei, beschießt uns mit technischen Finessen, progressiven Spitzenleistungen und absoluter Fingerfertigkeit. Riffs duellieren sich mit Disharmonien, Leads deckeln die wenigen Grooves und generell hat die Scheibe mächtig Tiefgang. In trauter Zwietracht streiten Harmonien und unfassbare Härte mit dezenten Synthies aus dem Star – Treck – Universum, prügeln sich um die Allmacht und lieben sich mit schmerzhafter Gewaltbereitschaft. Unvereinbares erhält symbiotischen Charakter, eine Akustikgitarre mit bollernden Drums zu unterlegen, macht doch sonst keiner. Die Schöne neben das Biest zu stellen, gibt es nur bei Disney für Kinder. Nun aber verschlingt das Monster die Schöne, und die genießt es laut stöhnend. „Impermanence peitsch wie Picasso Bilder im intellektuellen Freistil auf die Leinwand, bis unvermeidbares Schwindelgefühl die Oberhand gewinnt. Aber wird es irgendwann mal zu viel? ... mitnichten, diese unfassbare Rinde bleibt immer dicht am Ohr, verliert sich niemals in zu abgehobene Sphären. Darin liegt wohl die wahre Leistung. Denn selbst wenn es disharmonisch wird, geht die Nachvollziehbarkeit nicht den Hang gen Tal des Vergessens abwärts, wie George einst im Fahrstuhl, sondern bleibt angenehmer Höhepunkt auf dem Hügel der blutigen Stiefel. Unterbrochen lediglich von  wenigen Keyboardparts, die fast immer gesondert stehen und extrem unterkühlt klingen, ist der mit Obertönen, prägnanten Leads, Solis nach klassischer Schule wie auch quer durch das Progbeet, dezenteren Akustikmomenten und rigoroser Brutalität gespickte Stahlorgasmus eine Herausforderung für Bands wie zum Beispiel Cryptopsy, und alles was seit Jahren eingesessen und verdient Headlinerpositionen innehat. Warm anziehen, von der Mutti noch mal den verhassten Selbstgestrickten aus der Kommode holen, Ohrenschützer aus Topflappen häkeln, und den Blick über die Schulter nicht unterschätzen, es könnte eng werden … Wird es natürlich nicht, aber fokussiert auf die Musik von NERVECIDE ist das Niveau von technischen Szenegrößen schon beim ersten Album erreicht. Und das muss zu denken geben. Es hätte ja genauso gut ein selbstbeweihräucherter Solotrip werden können, bei dem sich ein überschätzter Protagonist einen von der Pfeife fiedelt, seinen Mist im elterlichen Keller in den PC kotzt und von den Kumpels Schulterklopfen für Freibier einfährt. Aber dieser Nerd hier – hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass die Band im Grunde ein Ein – Mann – Unternehmen ist? -, der hat zugehört, gewissenhaft gearbeitet, der versteht was von Arrangements, der weiß wie weit man gehen kann, bevor der Zuhörer den Faden verliert, der kann einschätzen, wie lange man mit welcher Kombination anderen auf die Nerven treten darf, bevor es Rache gibt. So bedingungslos heftig das Gewitter auch über vor Ehrfurcht eingezogene Köpfe rollt, so sensibel sind die einzelnen Komponenten zu einem Gesamtkunstwerk aus Fleisch, Blut und freigelassener Kreationswut kombiniert und gewachsen. Der Ausgang birgt sogar noch eine dezent nihilistische und vor allem romantische Variante von Akustik und Meeresrauschen, lässt das möglicherweise durch subjektive Desorientierung gestrandete Treibgut am Strand zurück. Wer dann wissen will, ob er selbst ein Stück seiner eigenen Berechenbarkeit, seines rationalen Verstandes eingebüßt hat, der beginnt von vorn und passt auf, ob die selben Erfahrungen aus Apokalypse, unterschwelligem Wahnsinn und soundtrackartiger Endzeitstimmung noch mal über den Damm schwappen. „Impermance“ gehört definitiv zu den brutalsten und technisch perfektesten Alben der letzten Jahre, eines das unbedingt gehört werden muss! Hier gibt es Nervenfutter -> http://nervecide.bandcamp.com/  Reinziehen oder für den Rest eurer jämmerlichen Existenz Schnauze halten!
 10/10

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