Tuesday, June 11, 2013

TORTURE KILLER - Phobia - Cd / Dynamic Arts Records



Er ist wieder zurück! So wie der Terminator über den Gouvernator bis hin zum Rollator, so kehrt Mr. Barnes nach Finnland zurück, um sich seinen alten „Swarm“ Kumpels ein weiteres mal anzuschließen. Gewachsen aus einer Coverband bei Fusel und Dämmerlicht, die Barnes und Co reinweg kopiert haben, entstand ein ernsthaftes, perfekt ineinandergreifendes Räderwerk, das das Vorbild selbst irgendwann in die Maschine integrieren konnte. Hat nicht ewig gehalten, aber nun kommt er ja wieder, um seine zwergisch hünenhafte Schulter zur Stütze anzubieten. Nur nötig hat die Band das lange nicht mehr, sind aus den unerfahrenen Spaßprüglern erschreckend abgeklärte Bastarde geworden, die dem Death Metal zwar keinen neuen Anspruch auf die Nille flanschen, aber eine begeisterungswürdige Coolness an den Tag legen. Selten klang ein Genrealbum so entspannt, so unaufgeregt und groovy, und hat trotzdem ins Schwarze getroffen. Ganz anders als SFU. Die Finnen haben deutlich Oberwasser und brauchen den Support vom transatlantischen Bündnispartner wohl kaum. Um die Wogen zu glätten, er trägt auch nur die Lyrics zu einem Song bei, darf mal mitgrummeln und im Allgemeinen staunen, wohin sich die Band seit seinem Weggang bewegt hat. Mehr ist diese Saison nicht drin. Klar bleibt trotzdem immer, wo die Wurzeln liegen, und einen Ausbruch ins technische Tohuwabohu werden die Jungs auch nie wagen, jedoch in dem was sie da machen, steckt mehr Härte als in mancher brutalen Fingerknotenband, mehr totmetallische Wahrhaftigkeit als in neu aufblühenden alten Bands. Und das vielleicht auch, weil sie nie mussten, so scheint es zumindest. Sie haben sich in einer bierseligen Laune in den Keller gesetzt und angefangen zu zupfen, bis sie feststellten, Hoppla – wir können’s ja. Und auch wenn sie nach „Sewers“ und der nachfolgenden Promotion ein Stückchen weit unsichtbar waren, tut das dem Ehrgeiz finnischer Death Metal Fans keinen Abbruch, kommen sie mit umso mehr Schmackes und Schmiere unter der geistigen Vorhaut zurück und strampeln, als würden sie noch alle Zeit der Welt und die Kraft eines Blauwalbullen haben. Ein neuer Mann spuckt nun in das Mikrofon (mal wieder) und macht schnell klar, dass sein tiefes Organ ausgezeichnet zu den groovigen Leads passt. Der Kehlkopfverstümmler – das war immer das Problem von TORTURE KILLER – ihre Frontmänner konnten sie jedes mal nur für ein Album halten. Und ob sich daran was ändern wird, bleibt abzuwarten. Erst mal ist es wie es ist, und so schwingt das Pendel perfekt. Mit tiefen und auf Droge erscheinenden Gitarren, einem unauffällig hintergründig kuschelnden Bass und Drums, die so weich in den Fellen landen, als wäre die nächste Runde biologisches Betäubungsmittel schon am Brennen, überzeugt das Album fast auf ganzer Linie. Keine zornesroten Gesichter und geschwollene Schlagadern, kein Schweiß und kein böser Blick, viel mehr ein breites Grinsen, weil klar ist, dass Death Metal ganz anders funktionieren will, als lediglich mit Hass auf alles und jeden vorgetragen. Und wer „Sewers“ mochte, der kann auch ohne Vorbehalt mit „Phobia“ umgehen. Es kann sein, dass die Scheibe auch Stücke enthält, die ebenso auf anderen Alben anderer Kombattanten hätten auftauchen können, das zu beurteilen liegt allein im Magen des Konsumenten.  Tatsache bleibt ganz klar, dass das Gros ein saucooles Unterfangen ist, das mitreißt, das überrascht und das bestätigt. Auch das SFU, nun nicht unbedingt ausgedient haben, aber dass sie lieber auf ihrem seltsamen Pfad bleiben und ihr altes Metier anderen überlassen sollte, Jenen, die es mit Kreativität und dicken Eiern voran gebracht haben, auch wenn nicht immer die dicke Marie dabei abspringt. Schmiert euch mal etwas „Phobia“ auf den Sabberlatz, ihr werdet von dem Bild nicht enttäuscht sein. 
8/10

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