Tuesday, July 30, 2013

WOUND - Inhale The Void - Cd / FDA REKOTZ



Der Pfad der Götter ist entweder eine mit Gold und Ruhm gepflasterte Prachtallee, oder ein ausgelatschter Hohlweg. Bei WOUND fällt es mir reichlich schwer festzustellen, wie sie den Ihren beschreiten. Dass die Band aus Wiesbaden einzig von Szenevorreitern wie meinetwegen Asphyx oder schwedischen Kanthölzern beeinflusst ist, steht außer Frage. Nur bin ich mir nicht sicher, wie kreativ die Musik nun wirklich ist. Dass sie recht primitiv und ursprünglich ausgelegt und regelrecht runter gerotzt ist, ja auch das ist klar: Aber ist so „wenig“ und so direkt auch ein Zeichen für Innovation, oder passt die morbide Klangfolge einfach nur authentisch in den Rahmen, den die Alten einst abgesteckt haben. Muss man nicht versuchen, auch darüber hinaus zu denken? Oder beweist gerade diese spartanische Herangehensweise an ihre Lieblingsmusik die Genialität hinter dem all dem hacken und schlagen? Vielleicht ist es gerade dieser schnoddrige und knarzige Gitarrensound, sind es die Riffs, unter denen sich friedhofsnebelartige Melodien verstecken, die uns zeigen sollen, dass es nur einen wahren Weg gibt. „Into the Void“ ist in künstlerische Düsternis gehüllt, feuert eine extrem bassverliebte Breitseite in das Volk, kokettiert manchmal mit schwarzer Stimmung aus den norwegischen Wäldern und setzt stilecht auf Okkultismus. Somit greifen einige Klischees, die wieder an den ausgelatschten Trampelpfad erinnern. Denn was fällt der Band denn schon neues ein? Riffs aus der Retorte, Lyrics aus der Krambox mystischen Unsinns. Die fast durchweg flotte Pace verschenkt hier und da Möglichkeiten, im Midtempobereich, wenn die Gitarre schnurrt wie eine angefahrene Katze, dann geht aber umso mehr die Post ab. Die letztendliche Entschlossenheit, ein tatsächlich großartiges Album zu schreiben, kann ich zwischen dem auf und ab noch nicht finden. Da stecken jede Menge gute Ideen drin, die sich immer dicht an das halten, was einst war und von den Schatten nie wirklich verborgen wurde … Old School Bleivergiftung. Und wenn die Klampfe mit diesem furztockene Sound vorspielt, groovige Vibrationen, die sich anhören wie zerreißendes Papier, dann passt alles zusammen. Die Band zieht ihre Stärke, ihre glorreichen Momente aus den langsamer angelegten Passagen. Sobald das Tempo wieder hochfährt, landen einige der guten Ideen im Frontalzusammenstoß an der Wand und rinnen wie Blut und Eingeweide in Beliebigkeit zu Boden. Auch klingt immer wieder vieles zu bekannt, oder stellt sich zumindest als Variation bereits dagewesenem in den Raum. Um die Sichtweise der deutschen Presse zu teilen und in den Lobgesang einzustimmen, muss ich mir wohl noch etwas Mühe geben.
Natürlich ist die Musik von WOUND kein oberflächliches Gedöns, und on stage überzeugen sie zudem mit brachialer Präsenz. Unter der rauen Oberfläche schlummert dann tatsächlich und bei intensiverer Begutachtung doch einiges an geschicktem Songwriting, dass mancherorts nur vordergründig auf die Brechstange setzt und hinter dem Vorhang eben doch mehr in die Tiefe blicken lässt. Es wird offensichtlich, dass der Drummer doch mehr zu tun hat, als sich nur die Gelenke auszuschütteln, dass die Melodien der Leadgitarre vielleicht nur etwas von der Produktion verschluckt werden, aber das ebenjene Produktion in ihrer Gesamtheit unerbittlich druckvoll ist, ähnlich einer Hämorrhoide vor der Eruption. Sogar eine gewisse punkige Note haben sie sich selbst untergeschoben, was der Habenseite mehr als nur marginal zu Gute kommt. „Into the Void ist nicht sofort zu durchschauen, und das ist dann wahrscheinlich das Zünglein an der Waage, das die Genialität ausmacht. Dreckiger, kleiner Bastard! Somit bestätigt sich dann doch, dass WOUND ein recht blutiges und geschickt eingefädeltes Geschäft durchziehen, auch wenn das nicht sofort deutlich werden will. Wenn die Band nicht mit voller Absicht ihr Vorhaben, die musikalische Weltherrschaft zu erringen, verschleiert hat, dann bleibt am Ende doch noch viel Arbeit übrig. Dafür gibt es unentschlossene 6 Punkte 
6/10

Monday, July 29, 2013

DRUG HONKEY - Ghost In The Fire - Cd / Transcending Obscurity



Alles beim alten im DRUG HONKEY Camp, der Kopfschmerz ist noch da, die Winterdepressionen überstehen die sommerliche Gluthitze, die Musik bleibt statisch und zäh wie Bitumen, der aus den Straßen quillt, weil es ihm weil zu heiß ist. Woher dieses Doom – Psycho Desaster kommt, liegt auf der Hand, die Musiker haben freiwillig ohne Gasmaske im Wohnwagen von Walter White geschlafen. Und die Auswirkungen benebelnder Dämpfe und giftigen Senfgases lassen das Hirn tropfenweise zu den Ohren heraus rinnen. Angeblich tritt man bei einmaliger Anwendung bis zu 8 Stunden ins Nirwana ein, verklumpt sich die graue Masse und durchlebt eine pseudo – kreativen Prozess. Jedenfalls könnte ich mir gut vorstellen, dass jemand auf solche Weise solche Alben aus dem Gefängnis seiner Fantasie befreit. Mit absolutem Minimalismus und extremster Verzögerung auf allen Spuren, selbst beim Gesang, blubbert die Band ihre Musik durch das metaphorische Glaspfeifchen. Immer begleitet mit seltsam wabernden psychedelischen Soundcollagen, die an die LSD Verrückten Experimentalmusiker aus den 70ern erinnern, lässt uns der Sänger in befremdlich langgezogenen Leidensbekundungen an seinem Seelenchaos teilhaben. Viel mit Musik im eigentlichen Sinne hat es nicht zu tun, selbst eingefleischte Doom –Fans dürften an ihre Grenzen stoßen. Mit klarem Verstand lässt sich das weder greifen noch halbwegs gesund überstehen. Und auf keinen Fall Montagmorgen, denn es ist wenig erstaunlich, dass dieser Schleppkahn der Emotionen die Stimmung eines Wochenanfangs nahezu perfekt in Szene setzt. Stimmensamples ertönen aus künstlich geschaffenen Maschinenhallen, Geschwindigkeit ist ein Gerücht im Dunkeln, eine Sekunde währt ewig, wenn sie mit Gummibändern am Gipfel des Mount Everest befestigt ist. Vorrangig kracht ein schlechtgelaunter Bass in die Fahrspur, drückt dem einschlafenden Schlagzeuger seine Meinung sehr deutlich aufs Auge, lässt sich vom rifffreien Feedbackgestöber der Gitarre wenig beeindrucken und knattert behäbig wie die Eiszeit über das Antlitz des gesunden Menschenverstandes. Dabei schabt er hier und erodiert da. Er ist so was wie der rote Faden auf einer disharmonischen Talfahrt.
Die durch den Rausch angeblich gesteigerte Leistungsfähigkeit, die mit dem rasanten Hochfahren der Körpermaschinerie zusammen hängt, lässt sich bei DRUG HONKEY allerdings nicht wirklich verifizieren. Ganz im Gegenteil krachen die die Rolltore runter, die Protagonisten lassen sich mit allem über Gebühr Zeit, ja schlurfen bequem durch den vernebelten Ozean der Gefühle wie ein singender Buckelwal beim Unterwasserballett. Also liegt es doch auf der zitternden Hand, dass Walter White alias Mr. Heisenberg noch ganz andere Sachen in seinem fahrenden Labor köchelt. Substanzen, deren Wirkung über Tage anhält, so wie es die Musiker selbst gestehen. Und unter deren Wirkung haben sie ihre halluzinogenen Erfahrungen dann vertont. So geht es weniger um Musik als rationale Kunstform, sondern um düstere und angsteinflößende Klangexperimente, nicht um schwere Salven aus tiefgestimmten Instrumenten, sondern um den Ausdruck einer verdrehten Erlebniswelt. Und das kann sich niemand jeden Tag eintüten, wer das im Auto zu leiern hat, bekommt eine Anzeige wegen Drogenkonsums, ohne Urinprobe oder Körperschweißtest. Ein ganzes Album lang passiert solange nichts, solange ihr das gefährliche Niveau der Band nicht teilen könnt. Und für Leute die sich gern einen drehen und feiern ist das letztendlich sogar der ultimative Downer. Rezeptpflichtig irgendwie, schwer zu schlucken und nur unter Aufsicht anzuwenden. Über einen objektiven musikalischen Wert weiß ich nichts zu berichten, also tippe ich bei der Punktvergabe mal willkürlich in die Mitte. Das sollte zumindest gnädiger sein, als noch beim letzten Album, was wohl zeigt, wie leidensangepasst ein Mensch mit den dahinziehenden Jahren werden kann. 
6/10

Sunday, July 28, 2013

TRENCHROT - Dragged Down To Hell - DemoTape / Nihilistic Holocaust



Es ist erstaunlich, dass Dinge, die man so gut und so lange zu kennen glaubt, immer noch Potential haben, die Birne einzudellen, den Verstand auszuschalten, purem emotionalem Fieber die Vorherrschaft über das eingesponnene Alltägliche anzuvertrauen. Wenn das morsche Gebälk im unüberschaubaren Marktwahn der Anbieter einen frischen Anstrich bekommt, der sich historisch an die Fakten hält und trotzdem neu glänzt, der auf Erfahrungswerten basiert und dem Hersteller trotzdem seinen ganzen Einfallsreichtum abverlangt um ein beeindruckendes Produkt zu kreieren, dann gibt es noch genügend Hoffnung, dass die Strategie des Produzenten aufgeht. Wir machen´s wie die Alten, aber wir machen das auf unsere Weise. Der Retro – Trend setzt sich in allen Sparten des täglichen Rumexistierens durch und kann dabei so viel mehr sein, als pures Kopieren. Das haben sich TRENCHROT aus den Staaten zu einer ernsthaften Maxime gemacht, und gibt ihnen momentan Rückenwind, denn im Herbst kommt nach nur kurzer Schaffensphase bereits das erste Album. Herkunft, Bandname und dergleichen geben erst mal Grund Erwartungshaltung und Klischee festzuzurren wie einen bockigen Esel vor den Heukarren. Da mag der eine hinterher enttäuscht sein, dass erhoffte Ingredienzien wie Gore und Slam und Frickelei und Gurgelei nicht so recht in den Rahmen passen. Und der andere wird vor Begeisterung seine Schwiegermutter in Zahlung geben, den Job mithilfe eines vollgebansten Chefschreibtisches kündigen und sich zufrieden in einem Fass Bier verlieren. TRENCHROT gehören zu den vielen Nachzüglern, Neustartern, Inspirierten und immens Gestörten, die sich Bands folgender Sortierung zu eigen machen. Wir hören Autopsy, Asphyx, Pestilence und die ganze morbide Palette schwedischer Frühzeitverweser. Das funktioniert auch im Hier und Jetzt noch tadellos. Den Vorteil, den die Jungs aus Philadelphia auf ihrem noch recht schmalen Konto spazieren führen, ist, dass sie ihre Hobby glaubwürdig vertonen, dass die Musik so verdammt echt, so ursprünglich und doch viel mehr als nur funktional klingt. Sie vermischen die Genres, die ihnen als Initialzündung zu dienen scheinen auf überaus geschickte Weise. Klar, die melodiösen Friedhofssolis gab es bereits bei Nihilist und die leben in ihrer Variationswut und ihrem auf ewig existierenden Wiedererkennungswert noch hinter der nächsten Götterdämmerung weiter. Aber warum sich nicht zu Nutze machen, um daraus ein Stück Death Metal zu basteln, das im Schulterschluss mit dicken Bässen und massiven Gitarrenwänden, mit doomiger Unausweichlichkeiten und flotten Schlachtgemälden ein kreatives Potpourri von Vergänglichkeit und  Wiedererweckung an die rissige Wand pinselt. In TRENCHROT steckt verdammt viel Energie, die sie zum einen aus den Vorbildern saugen, zum anderen aber auch ihrer innovativen Spielfreude verdanken. Langeweile und Banalität hat keinen Platz, wenn es um Death Metal geht, der mitreißen soll und im Angesicht der Moderne bestehen will.  Mit 3 lumpigen Songs leistet ein Grüppchen  just geschlüpfter Musiker (etwas geflunkert – bei einigen steht noch eine Sludge Band in der Vita)  absolute Überzeugungsarbeit, fasst die Zügel sehr kurz und hetzt mit uns durch einen kurzen Set, der Lust auf viel mehr macht. Das Songwriting geht auf und ab, hält sich dicht an das was einst war und orientiert sich doch  nur an sich selbst, an den eigenen Ansprüchen. Deshalb wirken die Songs, die so originalgetreu wie möglich angelegt sind auch keineswegs altbacken.  Für Leute, die Bands wie Revel In Flesh, Entrails oder Skeletal Remains für sich entdeckt haben und gern auch eine Mischung aus allen vertragen können, sind TRENCHROT genau die richtige Empfehlung. Hier stimmen die Einstellung, das Talent und letztendlich auch die Qualität. Hier geht´s zur Lauschprobe -> http://trenchrotdeathmetal.bandcamp.com/
Buy it here - NIHILISIC HOLOCAUST
8/10

Saturday, July 27, 2013

DEATH AGONY - Carcinogenic Memories - Cd / Eigenverantwortung



Steppenbrand ist das Stichwort! Kennt das jemand? Dafür muss man nicht mal Arte schwänzen, das hatte schon Kika im Nachmittagsprogramm. Steppenbrand ist der feurige Savannensturm, dessen Flammen alles verschlingen, der alles tötet und der neues Leben bringt. Steppenbrand ist dafür verantwortlich, dass Marathon olympisch wurde (nicht der Unsinn mit den ewig klammen Griechen), alles ist ständig in Bewegung und der Fluchtreflex kennt nur eine Richtung. Er ist die Ursache dafür, dass Mauz und Hoppel den Igel Huckepack nehmen und durch das kurze, trockene Gras schleppen. Sein Atem (vom Sturm – der vom Igel wenn überhaupt nur kurzzeitig) ist glühend heiß, und er verschlingt alles, was seinen Weg kreuzt, er scheint mal sprunghaft, mal berechenbar, ist aber immer der gnadenlose Vernichter. Er beherrscht mit Geschwindigkeit und Beharrlichkeit, mit Schmerz und Brutalität, zeigt keine Gnade und keinen Respekt. So ein Feuer da draußen ist pure Wut und brandiger Hass, Verursacher des größten Flächen – Barbecues weltweit, alles knusperdurch und ganz bestimmt nicht englisch. Er marschiert immer vorwärts und lässt verkrustete Konventionen, alte Strukturen, einlullender Alltäglichkeit ihrer Vergänglichkeit gewahr werden.
So wie der Steppenbrand funktioniert, so funktioniert jede gute Death Metal Band. Wie der Flammensturm, zaubert sie Blast unter das Dach, bis der First qualmt, groovt sie die Arthrose aus den Kniegelenken, ist kreativ auf ihrem Weg der Zerstörung und bietet lyrisch unbequeme Wahrheiten … oder aber pseudokranken Unsinn (der einzige Unterschied, der den Nutzen des Steppenbrandes karikiert) Wenn ihr Death Metal in ähnlicher Weise versteht (ohne zu verachten, dass der Scheiß auch noch Spaß macht), dann habt ihr eure Szenefavoriten. Und zu denen wird DEATH AGONY wohl lange Zeit nicht gehören. Die Jungs aus Frankreich mühen sich redlich ab, ihren Faves hinter dem milchigen Spiegel gerecht zu werden. Sie berufen sich auf Vader, Behemoth, SFU, ja sogar Slayer. Und unter solch hoch gesteckten Zielen strampeln sie voller Enthusiasmus. Die ziehen und treten an und nach ihren Instrumenten, als würde gerade jetzt was Neues in die Welt gesetzt und sie wollten Zeuge eines Millenniumsereignisses sein, ihren Part mit frisch geschränkten Sägen in das junge Fleisch ritzen. Solche Vorgehensweise gefällt mir. Egal woher Kritik wehen sollte, es geht mit Ellenbogen mittendurch. Auf der anderen Seite leiden sie etwas an Kreativitätsarmut. Denn den Death Metal den sie für sich entdeckt zu haben glauben, der tief verwurzelt in den 90ern steckt, klingt in ihrer Version irgendwie banal und wenig herausfordernd. Klar, einen gewissen Proberaumcharme trägt die Musik schon in sich, es ist quasi hörbar, wie konzentriert sie ihre Songs zusammen bauen, mit aller Naivität die es bedarf aus voller Brust zu brüllen. Nur ist das Handwerk, oder vielmehr die Umsetzung so gewöhnlich, dass es niemanden mehr aus dem Fahrgleis schubst. Stumpfe Riffs, leiernde Solis, offensichtliche Timingschwierigkeiten sind nicht durch den Willen  zu kaschieren, die brutalsten Schlächter jenseits des Rheins zu sein. So gut wie nichts ist nicht schon besser, oder zumindest anderenorts zerkaut, verdaut, ausgespuckt und ausgeschissen worden. Dass muss auch gar nicht negativ sein, im eigentlichen Verständnis von guter Mucke ist es das auch nicht, aber den eigenen Spirit muss eine engagierte Band einfließen lassen, wenn sie authentisch und selbstbewusst auf den Putz hauen will. Wenn dem nicht so ist, dann gibt es den unbegehrten Platz in der grauen Warteschleife. Wer trotzdem Interesse hat, sollte keine Bange haben, schlimmer geht immer, noch ist nicht jeder Unterhaltungswert von der Ladefläche gefallen.
Mit dem Tempo sind sie immer flott unterwegs, machen von dieser Seite beäugt einen agilen Eindruck. Auch lyrisch versuchen sie scheinbar recht ansprechend Oberflächlichkeit zu vermeiden. Also ist wohl alles nicht so schlimm, aber im Ganzen betrachtet auch nicht wirklich gut, nicht überzeugend. Zumindest nicht genug, um im Buch der Großen mehr als eine Marginalie an den Rand zu kritzeln. DEATH AGONY bietet passable, wenn auch nicht unbedingt spannende Unterhaltung mit Kurzweil und dezentem Nackenschmerz. 
6/10

Friday, July 19, 2013

FALSE FLAG ATTACK - Grind The Human Scum - Cd / Torn Flesh Records



Der radikale Grindcore als bewusster  Prozess der Untergrundes ist eben deswegen einer, weil er die Gesetze mainstream - verseuchter Warenproduktion und Austauschs sich zum Objekt macht und nicht ihr Objekt ist. Er kann nicht mit den Kriterien dieses Marktes gemessen werden. Er kann nur mit den Kriterien gemessen werden, die gleichzeitig die Erfolgskriterien dieses Marktes außer Kraft setzen.
Rüde und kurze Gitarreneruptionen, raue Vocals, kurze punktuelle Statements sind eben deswegen so bedeutsam, weil sie nicht von den Kriterien des Marktes ausgehen, sondern  diese außer Kraft setzen. Grindcore in seinem ureigenen Verständnis ist politisch, nicht aus Solidarität mit politischen Aussagen und Konsumierung vorgefertigter Phrasen, sondern als Weigerung, nur unter dem Büttel des Wertgesetzes, nur unter dem Aspekt von Tauschwert zu handeln. Grindcore ist seinem inneren Sinne nach herrschaftsfreies Handeln, als solches immer Widerstand gegen den Einfluss der vorherrschenden Meinung auf die Beziehungen der wahren Fans und der verklärenden Medien zueinander, als Widerstand gegen die herrschende Klasse immer richtig. Im Sinne des Systems sind Grindcoremusiker, deren Handlungen sich nicht an den Erfolgskriterien des Systems orientieren, Ausgeflippte und Trottel oder Versager. Im Sinne der musikalischen Erweckung ist jeder, der sich solidarisch verhält, wer es auch sei, ein Revolutionär des Grindcore.
Grindcore wird zur intellektuellen und künstlerischen Waffe, wenn er organisiert und konsequent angewendet wird: gegenüber politisch Fehlgeleiteten, von den Medien Verblödeten, Ignoranten, technisch Abgeglittenen, im Stumpfsinn versandeten, Heuchlern und Black Metal (letzteres nicht zu generalisieren). Wenn jeder Konsens mit denen zur Herausforderung wird, ihnen keine Mühe erspart, kein Beweis erleichtert, keine Information geschenkt, kein Aufwand abgenommen wird, dann erfüllt Grindcore seine Aufgabe an vorderster Front. Zum Grindcore gehört: dem System die Augen zu öffnen, Widersprüche innerhalb der Szene wie Widersprüche im verqualmten Proberaum behandeln und nicht so, als seien sie der Szenewiderspruch an sich.
Jeder 3 Akkorde Anschlag ist auf Grindcore angewiesen. Ohne Grindcore ist er der Repression Andersmusizierender schutzlos ausgeliefert.
Wir müssen nach Möglichkeit unnötige Gore und Porn - Exzesse vermeiden. Alle Fanatiker in den Reihen des Grindcore - Untergrundes müssen füreinander sorgen, müssen sich liebevoll zueinander verhalten, einander helfen."
DEM GRINDCORE DIENEN!
DIE FRAGE NACH DEM INHALTLICHEN ANSPRUCH  ÜBERALL ZUR HAUPTFRAGE MACHEN! DEN INTELLIGENTEN GRINDCORE UNTERSTÜTZEN!
Der brutale und blitzschnelle Grind ist keine technische Angelegenheit und erfordert deshalb keine technische Kenntnisse: Trinkfestigkeit, Bühnenmoral und schließlich Praxis, das genügt in der Regel. Auf diesem Gebiet schont die Improvisation vor zu hoch gesteckten Zielen und führt zum Erfolg.
Die »Spontanität«, mit der sich echter Grindcore auseinandersetzt, sorgt für hemmungslosen Groove und Blast, ist keine Ausrede um sich möglicherweise nicht mit tiefgehender musikalischer Integrität beschäftigen zu müssen, sondern bringt die entscheidende Phase grindiger Radikalität auf den Punkt! Jede grindige Autonomie muss, wenn sie im entscheidenden Augenblick des Kampfes sich selbst treu bleiben will, mit roher Gewalt auf die Felle dreschen und Gitarrensaiten hemmungslos zum Schwingen bringen.
ALLE MACHT DEM GRINDCORE!

Quelle: findet es doch selbst raus!

Dem Text inhaltlich sehr nah kommen mal wieder FALSE FLAG ATTACK, die unter bewusster Zuhilfenahme eines auf Verschwörungstheorien basierenden Namens(teilweise belegbar) und äußerst kurzweiliger und brutaler 1 Minuten Verführungen einen Weckruf durch den Grindcore schicken. Nach 2 Ep´s scheint das erste Album nun um einiges schneller und kantiger gewachsen, vernachlässigt aber groovige Gitarrenbreitseiten ebenfalls nicht. „Grind The Human Scum“ geht um vieles weiter als noch „Grind The Nazi Scum“, denn hier kriegen alle Trottel und Machgierigen gleichwohl ihr Fett weg. Das macht Spaß, das ist Ernst und muss gehört werden. Wie gewöhnlich stellt die Band ihr Schaffen der Allgemeinheit kostenlos zur Verfügung, somit gibt es keine Ausreden mehr! Hier geht´s lang ->  http://archive.org/details/TFR731-FalseFlagAttack-GrindTheHumanScum
8/10